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Agentur Marlene gibt Einblick in ihre Räume

Prostitution unter Corona-Bedingungen: Bordell in Rastatt kämpft um Wiedereröffnung

In ganz Deutschland gaben Bordelle am Tag der offenen Tür Einblick in ihre Räume. Die Agentur Marlene hat Ideen für Prostitution unter Corona-Bedingungen.

Warten vergeblich auf Kundschaft: Prostitution ist noch immer nicht erlaubt. Mit der Kampagne Redlight-On wollen Bordelle in ganz Deuschland auf ihre Situation aufmerksam machen. Auch die Agentur Marlene in Rastatt macht mit. Foto: Hans-Jürgen Collet

Menschen dürfen sich wieder frei bewegen. Kontaktsportarten sind erlaubt und auch der Friseurbesuch oder Thai-Massage sind möglich. Prostitution jedoch bleibt wegen Corona verboten.

Mit verheerenden Auswirkungen, wie Uwe Ittner sagt: „Die Politik hat die Betreiber und Sexworkerinnen vergessen. Für sie ist das existenzbedrohend.” Ittner ist ehemaliger Bordellbesitzer und hat einen Tag des offenen Bordells für ganz Deutschland mitinitiiert.

Handschellen und Peitschen im Zimmer für spezielle Wünsche

„Redlight-On” hieß es am Donnerstag auch in der „Agentur Marlene” in Rastatt. Von außen ist alles ganz unscheinbar. Ein großes blassgelbes Industriegebäude, graues Straßenpflaster.

Im zweiten Stock aber taucht der Besucher in eine andere Welt ein. Der Boden ist frisch gewienert, überall brennen Kerzen. Ein kleiner goldener Buddha soll Glück bringen. Auf den Doppelbetten in den Arbeitszimmern liegen Tagesdecken mit Sternchenmuster und jeweils ein Doppelpack Mundschutzmasken. Peitschen, Ledergürtel, Handschellen, Morgensterne und eine Säge gibt es im Zimmer für spezielle Wünsche.

Hierzulande werden die Prostituierten in die Illegalität getrieben.
Marlene, Bordellbetreiberin

„Wir kämpfen um die Wiedereröffnung”, sagt Betreiberin Marlene (Namen der Betreiberinnen und Prostituierten von der Redaktion geändert). In der Schweiz, in Österreich und in Holland würde der Betrieb längst wieder laufen. „Und hierzulande werden die Prostituierten in die Illegalität getrieben.”

Hotels werden zu Bordells

Was das bedeutet, beschreibt die Bordellbesitzerin und Prostituierte Tina. „Die Frauen stehen auf der Straße und haben die schlimmsten Arbeitsbedingungen. Sie machen es mit Freiern im Auto oder hinterm Busch, völlig ohne Schutz.”

Anderorts würden Hotels zu Bordells und alternativ führen Kunden und Damen zum Zusammentreffen ins nahegelegene Ausland. Unbegreiflich für die Prostituierte Isabel. „Sauber geführte Häuser bleiben zu. Nur ist es für mich als Mädchen doch viel sicherer in einem Bordell als illegal und ungeschützt in einem Hotel.”

Ich will Prostitution nicht pauschal verurteilen, ich will mir alles anhören.
Doris Oesterle, Kreisvorsitzende der Frauenunion Rastatt

Am Vormittag einzige Besucherin beim Tag der offenen Tür ist Doris Oesterle, Kreisvorsitzende der Frauenunion Rastatt. Sie bezeichnet sich als Verfechterin des sogenannten Nordischen Modells, das Prostitution bekämpft.

„Ich will Prostitution nicht pauschal verurteilen, ich will mir alles anhören”, sagt sie. In der Agentur Marlene hört sie ausschließlich Damen, die versichern, ihren Beruf gern zu machen. Tina sagt: „Mir gefällt das. Ich mach das seit 20 Jahren und habe es noch nie bereut.”

Neustart mit erotischer Massage?

Betreiber und Damen bauen jetzt auf Lockerungen durch die Regierung. „Wir hoffen, dass es irgendeinen Stufenplan gibt, damit wir wenigstens mit erotischer Massage anfangen könnten”, sagt Tina.

Grundsätzlich hält Marlene auch Geschlechtsverkehr mit ausreichend Schutzmaßnahmen für möglich. „Hygiene war schon immer wichtig. Deo, Duschen, Duschgel und Einweg-Kämme haben wir alles hier. Und beim Verkehr würden die Dame und der Kunde einen Mundschutz tragen”, sagt sie.

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