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Projekt soll die Bahnhofstraße aufwerten

Erster Pop-up-Radweg in Rastatt: Zwei Monate haben Radler mehr Platz

Im Netz ist er umstritten – in der Realität wird er schon genutzt: der erste Pop-up-Radweg in Rastatt. Dass er ausgerechnet auf der vielbefahrenen Bahnhofstraße liegt, gefällt nicht jedem.

Überzeugt vom Projekt: Bürgermeister Raphael Knoth (vorne links) und ADFC-Kreisvorsitzender Ralph Neininger (rechts) eröffnen den neuen Pop-up-Radweg in der Bahnhofstraße. Foto: Hans-Jürgen Collet

Er kommt gut an – zumindest bei den Radlern: Der offizielle Termin ist noch nicht vorbei, da flitzen bereits die ersten Fahrradfahrer über den grellgelb markierten neuen Pop-up-Radweg in der Bahnhofstraße.

Es ist der erste in Rastatt, und es hat gedauert, bis aus der Idee Wirklichkeit wurde.

Das erklärt Baubürgermeister Raphael Knoth beim Pressetermin vor Ort. „Dieser Radweg ist Teil unseres Mobilitätspakts und von langer Hand vorbereitet“, so Knoth. Neben den notwendigen Abstimmungen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Landkreis Rastatt, in deren Zuständigkeit die Bahnhofstraße als Bundesstraße liegt, sei es auch ganz konkret um Fragen der Sicherheit gegangen.

Hier waren die Aussagen der Polizei eindeutig, sagt der Baubürgermeister. „Eine sogenannte Umweltspur, auf der auch die Busse hätten fahren können, wäre nicht sicher genug gewesen.“

Wir machen das ja nicht zum Selbstzweck.
Raphael Knoth, Bürgermeister

Im Netz sorgt der Testradweg, der bis zum 24. September installiert bleiben soll, schon jetzt für Aufruhr. „So was dummes habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, steht dort zu lesen.

Ein anderer Facebook-Nutzer schreibt: „Der Fahrzeugverkehr floss so gut. Jetzt mit einer Spur wird die Hölle los sein.“ Und wieder ein anderer fragt: „Brauchen Radfahrer wirklich eine Überholspur???“

Wenn es nach Ralph Neiniger geht, ist die Antwort ein eindeutiges „Ja“. Genau das wünscht sich der ADFC-Kreisvorsitzende: „Wenn die Autofahrer sehen, dass ein Durchkommen für Radler leichter wird und er sogar von Radlern überholt wird, dann ist das ein klares Signal.“

Bürgermeister Knoth räumt aber auch ein: „Dass nicht jeder sofort in Jubel ausbricht, wenn bei einer Bundesstraße eine Fahrspur wegfällt, ist keine Überraschung.“

Pop-up-Konzept macht „Nachjustieren“ möglich

Dennoch: Die Stadt ist von den Vorteilen überzeugt: „Wir machen das ja nicht zum Selbstzweck.“ Würde die B36 von Anfang bis Ende vierspurig durch Rastatt führen, „dann würde der Wegfall der beiden Fahrspuren zu einem Nadelöhr werden“, sagt auch Knoth.

Doch die Straße verjünge sich sowieso mehrfach, der Verkehrsfluss komme nun einfach an anderen Stellen ins Stocken als bisher. „Ja, möglicherweise kommt es früher zu einem Stau. Aber vielleicht nutzen dann ja auch mehr Autofahrer die Umfahrung“, hofft der Bürgermeister.

Die eigentlich Hoffnung sei aber, dass mehr Autofahrer auf das Rad oder einen Mix aus öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad umsteigen. „Ich bin zuversichtlich, dass sich der Verkehr einspielt“, so Knoth. Im Nachgang zu der Pop-up-Version solle dann im nächsten Jahr geschaut werden, wie und welche dauerhafte Lösung ohne viel Umbau möglich ist.

Brauchen Radfahrer wirklich eine Überholspur???
ein Facebook-Nutzer

ADFC-Mann Neininger hofft dagegen, dass die Pop-up-Version gar nicht erst wieder verschwindet. Überhaupt sieht er in dem temporären Versuchscharakter der Pop-up-Radwege deutliche Vorteile für die Verkehrsplanung. „Man kann mit minimalem Aufwand etwas machen und auch schnell nachjustieren, wenn man merkt, dass etwas nicht so klappt, wie es gedacht war. Das ist das Spannende und Attraktive daran.“

Vorteile soll der Pop-up-Radweg aber nicht nur für die Radler haben. Auch und gerade die Anwohner und Einzelhändler in der Bahnhofstraße sollen profitieren. Dadurch, dass der Radverkehr von den Bürgersteigen geholt werde, seien diese für Gewerbetreibende wieder attraktiver, da mehr Platz zur Verfügung steht, erläutert Bürgermeister Knoth.

Und durch die erhoffte Verkehrsreduzierung auf der Durchgangsstraße soll sich auch die Lärmbelastung für die Anwohner verringern, die immer noch über den Grenzwerten liege – trotz Tempo 30. Knoth optimistisch: „Wir wollen das ganze Quartier aufwerten.“

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