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Keine großen Public Viewings

Die Fußball-EM beginnt - aber in Mittelbaden gibt es keine großen Public Viewings

Der Beginn der Fußball-EM hat in Rastatt, Achern oder Bühl bislang kaum Spuren hinterlassen. Ein größeres Public-Viewing gibt es nicht, einzelne Lokale stellen aber Bildschirme auf. Die Polizei plant keinen erhöhten Personaleinsatz.

Der Beginn der Fußball-EM hat in Rastatt bislang kaum Spuren hinterlassen. Ein größeres Public-Viewing gibt es nicht. Foto: Joachim Gerstner

Autokorsos, Jubelarien auf den Straßen und Menschen in Feierlaune oder im Frustmodus: Die an diesem Freitag beginnende Fußball-Europameisterschaft lässt auch in Coronazeiten viele Szenarien denkbar erscheinen.

Beim Polizeipräsidium in Offenburg herrscht vorab indessen Gelassenheit: „Die Fußball-EM haben wir noch gar nicht auf dem Schirm“, lässt eine Sprecherin der Polizei gegenüber den BNN verlauten. Aber: „Die Kollegen haben im Rahmen ihrer Streifentätigkeit einen Blick auf die Situation“, sagt sie. Falls es zu Problemen kommt, werde man entsprechend reagieren: „Im Vorfeld gab es aber keine Absprachen und auch ein erhöhter Personaleinsatz ist nicht geplant.“

In einigen Rastatter Gaststätten laufen Fernseher

Größeres Public-Viewing, wie bei früheren Welt- und Europameisterschaften, gibt es auch in Rastatt nicht. „Wir zeigen die Deutschlandspiele auf einer Großleinwand und Fernsehern im Innenbereich und auch im Biergarten steht ein TV-Gerät“, lässt Frank Hildenbrand vom Niederbühler Schnick-Schnack wissen. Dort versammelten sich in der Vergangenheit traditionell viele Fans, um gemeinsame Fußballerlebnisse zu genießen.

„Normal haben wir 200 Sitzplätze, die werden aber nun nicht alle belegt sein. Wir werden uns auf jeden Fall an die aktuell geltenden Corona-Regeln halten, die sich in den nächsten Wochen ja noch ändern können“, betont Hildenbrand, der als Chef des Dehoga-Kreisstelle Rastatt engen Kontakt zum Ordnungsamt hält und zumindest auf etwas Partystimmung hofft.

Gezeigt werden sollen bei ihm vor allem die Deutschlandspiele und auch die Partien in der K.o.-Runde.

Erinnerungen: Ausgelassene Siegesfeiern prägten bei der WM 2014 die Szenerie in der Kaiserstraße. In Coronazeiten scheinen ähnliche Bilder bei der bevorstehenden Europameisterschaft eher unrealistisch. Foto: Hans-Jürgen Collet

Im „Lehners“ soll es für die Übertragung von Spielen der Löw-Elf eine große Leinwand im Hauptsaal geben. Im „Avocado“ laufen alle Begegnungen auf jeweils zwei Fernsehern im Innen- und Außenbereich, „aber wohl nur mit Ton, wenn die Deutschen dabei sind“, sagt Geschäftsführer Mario Matosin, der momentan auch noch kein großes Interesse an dem Event in Rastatt registriert hat.

Tatsächlich kommt im Rastatter Stadtbild die EM bislang kaum vor. Keine groß dekorierten Schaufenster, keine Deutschlandfahnen, die aus Fenstern wehen, und auch an den Autos fehlen schwarz-rot-goldenen Utensilien. Teilweise werden in Geschäften diverse Wimpel, Brillen, Masken Lampions oder Windräder in den Nationalfarben zu Schleuderpreisen verkauft.

Für die Bürgermeisternationalmannschaft fällt die EM aus

Ungewohnte Situation auch für Muggensturms Bürgermeister Dietmar Späth (Freie Wähler): In der Vergangenheit war er mit der deutschen Fußballnationalmannschaft der Bürgermeister oft im Vorfeld von WM- oder EM-Turnieren im Einsatz. Diesmal nicht: Die Slowakei wäre in diesem Jahr Ausrichter der Europameisterschaft für die Bürgermeisternationalmannschaften gewesen. „Wegen Corona wurde aber auch sie abgesagt“, bedauert Späth und hofft auf den Nachholtermin im nächsten Jahr.

Kinder kleben Sammelbilder von Spielern in Alben, die gar nicht nominiert sind.
Axel Wafzig, Vorsitzender des Sportausschusses

Axel Wafzig, Vorsitzender des Sportausschusses in Rastatt, bedauert, dass es kein größeres Public-Viewing in der Stadt geben kann. Er tippt darauf, dass „Deutschland nicht so schlecht abschneidet“. Gleichwohl ist es für ihn aus eigener Erfahrung schon etwas seltsam, „wenn die Kinder Sammelbilder von Spielern in Alben kleben, die gar nicht nominiert sind, weil die Bilder eben aus dem vergangenen Jahr stammen“.

Kleines Public Viewing in Baden-Baden geplant

Zumindest ein kleines Public Viewing gibt es in Baden-Baden unter anderem im Jugendtreff Sandweier - für das erste Spiel des deutschen Nationalteams gegen Frankreich am Dienstag, 15. Juni. An diesem Abend veranstaltet der Jugendtreff Sandweier ab 20.30 Uhr ein Public Viewing, zu dem alle Interessierten ab 14 Jahre herzlich eingeladen sind.

Vor der großen Leinwand im Jugendtreff, mit Snacks und Getränken gerüstet, fiebern dann alle gemeinsam dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft entgegen. Zu den normalen Öffnungszeiten werden aber auch die anderen EM-Spiele übertragen.

Auch im Jugendtreff Rebland „Lila Villa“ soll es während der regulären Öffnungszeit live Fußballübertragungen geben.

Auch in Achern kein großes Public Viewing

Ein Public Viewing im größeren Stil wird es auch in Achern nicht geben, obwohl nach der jüngsten Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg „Kulturveranstaltungen“ im Freien mit bis zu 750 Besuchern möglich wären. Dies bestätigte Hans Heizmann vom Fachgebiet Sicherheit und Ordnung der Stadt Achern.

Spannend wird die Frage, was nach den Spielen passiert, ob die Fans wie wild herumhopsen, anderen die Nachtruhe stören oder hupend durch die Stadt fahren. Der Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch, Guido Kühn, erwartet keine größeren Störungen, zumal es im Stadtgarten wie in den Vorjahren kein Public Viewing gebe und nach dem Schlusspfiff größere Gruppen in Richtung Innenstadt ziehen.

Auf „Rudelgucken“ im Stadtgarten müssen die Fußballfans leider verzichten, Corona grätschte dazwischen Foto: Roland Spether

Sicherlich sei damit zu rechnen, dass hupende Autos durch die Stadt fahren und es auch zu Störungen kommen könne. Dann sei die Polizei auch schnell und gezielt präsent, doch ein „Großaufgebot“ werde es nicht geben, so Kühn. „Die Polizei ist vorbereitet, nun warten wir ab, wie die ersten Spiele ausgehen und was danach passiert“.

Zaghafte Vorfreude in Bühl

Martin Foshag, Inhaber der Heimat in Bühl, ist auf jeden Fall gerüstet mit seinen rund 100 Sitzplätzen im Restaurant und der Bar sowie außen im Garten entlang der Bühlot. „Klar werden wir die Chance mit der Übertragung der EM-Spiele wahrnehmen“, bestätigt er die laufenden Vorbereitungen mit zwei großen TV-Geräten in der Heimat sowie im Acherner Malerhaus.

„An die Fußballübertragung denke ich jetzt noch gar nicht. Wir haben nun seit gut einer Woche geöffnet. Ich bin sehr zufrieden, obwohl die Leute noch sehr vorsichtig sind. Viele schreckt auch noch der Nachweis eines negativen Corona-Tests ab“, sagt Patrick Wagner vom Gasthaus „Zur Traube“ in Eisental. Die Menschen dränge es in erster Linie an die Tische vor dem Lokal in der Dorfmitte von Eisental. „Das funktioniert eigentlich ganz gut. Wir hatten einige ohne Test-Nachweis. Die haben wir dann schnell selbst getestet“, gibt sich Wagner pragmatisch.

Die Fans vermissten das Gemeinschaftsgefühl

„Bitte jetzt gutes Wetter zu den Fußballspielen“, schickt Sassano vom Italia am Bühler Johannesplatz als Wunsch gen Himmel. Vier große Bildschirme wird er für seine Gäste schon an diesem Freitag, wenn Italien gegen die Türkei spielt, parat halten. „Vielleicht sind wir dann nach dem Wochenende auch mit den Inzidenzzahlen so weit, dass wir noch mehr Lockerungen bekommen“, hofft er.

„Fußball wird gut. Und jetzt, wo alle immer alleine zu Hause gehockt sind, wollen sie auf jeden Fall das Gemeinschaftsgefühl“, hofft Sabine Fitze vom Bistro Q auf dem Johannesplatz. Bislang plane sie mit einem Fernseher. Schon am Freitag soll es losgehen: „Klar, zum ersten Spiel Italien gegen Türkei schauen wir.“

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