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Reaktionen auf Lockdown

Rastatter Einzelhändler verabschieden sich schweren Herzens

Die Einzelhändler in Rastatt verabschieden sich schweren Herzens in den Lockdown. Die Zwangsschließung trifft sie in der eigentlich umsatzstärksten Zeit des Jahres hart. Einzelhandelssprecherin Sabine Karle-Weiler sagt: Viele Gewerbetreibende hätten lieber schon früher dicht gemacht.

Letzte Chance vor dem Lockdown: Am Montag nutzten viele Kunden die Gelegenheit, noch einmal in Rastatt einkaufen zu gehen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Sabine Karle-Weiler hat als Sprecherin des Rastatter Einzelhandels in den vergangenen Monaten schon häufig Stellung nehmen müssen. Zum ersten Lockdown im Frühjahr, zu kreativen Reaktionen der Händler auf die Ausnahmesituation, zu Maskenpflicht und Hygieneregeln.

Angesichts der erneuten Zwangsschließung ausgerechnet mitten im Weihnachtsgeschäft macht sich ein bisschen Resignation bei ihr breit: „Was soll ich dazu sagen?“ Überrascht hat sie und ihre Einzelhandelskollegen die Entscheidung nicht mehr.„Es war zu erwarten“, sagt Karle-Weiler, die das Modegeschäft Senger am Marktplatz betreibt. Angesichts der Infektionszahlen äußert sie Verständnis für den Schritt: „Wir müssen uns schweren Herzens von den Kunden verabschieden.“

Aus ihrer Sicht wären die verschärften Einschränkungen aber besser schon früher erfolgt: „Viele Händler hätten sich gewünscht, mit den Gastronomen zuzumachen“, sagt sie mit Blick auf den Lockdown light Anfang November.

Geringe Frequenz in der Innenstadt

Seitdem Gaststätten und Kneipen geschlossen sind, habe die Frequenz in der Innenstadt nachgelassen – auch zulasten des Handels. Eine Zwangsschließung schon vor sechs Wochen mit entsprechenden Entschädigungszahlungen wäre eventuell der bessere Weg gewesen. Zumal bei einem umfassenden Lockdown die Hoffnung bestanden hätte, zum Weihnachtsgeschäft wieder öffnen zu können.

Auf härtere Maßnahmen bereits zu einem frühere Zeitpunkt hatte auch Hubertus Grafe gesetzt. Parallel zum Gastro-Shutdown hätten aus Sicht des Fotostudio-Betreibers bereits nächtliche Ausgangssperren verhängt werden müssen, um private Treffen zu unterbinden. „Das war ein handwerklicher Fehler“, sagt er.

Es sei schmerzhaft, dass er am Dienstagabend den Schlüssel für längere Zeit umdrehen müsse. Die letzten Tage der Adventszeit seien für den Handel nun einmal die umsatzstärksten des Jahres. Wobei für ihn das Geschäft mit dem Fest bislang gut gelaufen sei. Vor allem Familien-Fotoshootings seien stark nachgefragt gewesen. „Der Umsatz lag elf Prozent über dem Vorjahr“, sagt Grafe. Auch am Montag war noch einmal besonders viel los: „Das war mir klar. Ich hab’ doppelt soviel Personal im Laden.“

Viele Händler hätten sich gewünscht, mit den Gastronomen zuzumachen.
Sabine Karle-Weiler, Einzelhandels-Sprecherin

In Nachbarschaft zum Fotostudio liegt das Reformhaus von Christian Feldmann. Das Geschäft zählt mit seinen Produkten für den täglichen Bedarf zu jenen Ausnahmen, die weiter geöffnet bleiben dürfen. „Das freut uns auf der einen Seite natürlich“, sagt Feldmann, um gleich ein „Aber“ hinterher zu schieben. Auch bei ihm seien die Umsätze seit November stark zurückgegangen.

„Es wäre etwas anderes, wenn wir in der Peripherie liegen würden. Aber die Innenstadt-Standorte leiden“, sagt er. Wenn die Nachbargeschäfte nun auch schließen müssten, werde sich die Situation weiter verschlimmern. Wahrscheinlich werde er mit reduzierten Öffnungszeiten reagieren: „Für unsere Kunden lassen wir grundsätzlich aber offen.“

Ungebremste Pandemie würde für noch höheren wirtschaftlichen Schaden sorgen

Thomas Richers findet es als Vorsitzender des Rastatter Gewerbeverein RA3 „sehr schade um das Weihnachtsgeschäft“. Er gibt aber zu bedenken, dass die Situation auch für die Händler noch viel schwieriger wäre, wenn sich die Pandemie ungebremst ausbreiten würde. „Wir sind nicht blauäugig“, sagt Richers. Eine Explosion der Infektionszahlen würde Gewerbetreibende wirtschaftlich noch härter treffen als der Lockdown. „Wir tragen das mit, auch wenn uns bewusst ist, dass es ökonomisch eine Katastrophe ist“, sagt Richers. Sowohl die Politik als auch die Einzelhändler seien in den vergangenen Monaten gezwungen gewesen, Entscheidungen zu fällen, die sie noch nie getroffen hätten.

Es sei nun wichtig, dass zeitnah finanzielle Unterstützung fließe und dass diese auch an den richtigen Stellen ankomme. Mehr Sorge bereitet Richers, dass sich Kunden dauerhaft vom stationären Einzelhandel entwöhnen und in die Online-Shops abwandern könnten. „Diese Angst gibt es“, sagt er. Ins gleiche Horn bläst Reformhaus-Chef Feldmann: „Die Verlierer sind die Innenstädte. Und sie werden weiter verlieren.“

Ich richte mich eher auf Ende Januar ein.
Hubertus Grafe, Einzelhändler

Richers glaubt aber daran, dass gute Konzepte mit einer gesunden Basis auch weiter eine Zukunft haben werden. Allerdings ist er wenig optimistisch, dass die Händler ihre Kompetenz schon ab dem 11. Januar wieder unter Beweis stellen können. Auch Karle-Weiler rechnet mit einer Verlängerung des Lockdowns: „Ich glaube nicht dran, dass es Anfang Januar weitergeht.“ Grafe teilt diese Einschätzung: „Ich richte mich eher auf Ende Januar ein.“

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