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Digitaler Kampf fürs Klima

Rastatter Fridays-For-Future Gruppe verlagert Angebote ins Internet und kritisiert Corona-Politik

Mit Greta Thunberg fing im Spätsommer 2018 das an, was in kurzer Zeit zu einer weltweiten Bewegung wurde. In Rastatt gründete sich 2019 eine Fridas-For-Future-Ortsgruppe, die wegen der Corona-Pandemie aber ausgebremst ist.

Gespräch: Sebastian Wald (oben links) Jessica Stolzenberger (unten links) und Annabelle Sonn (unten rechts) im Talk mit BNN-Volontär Nico Fischer. Foto: Nico Fischer

Sie demonstrierten zu Hunderten, ohne Maske und Abstand. In den Händen hielten sie selbst gestaltete Plakate mit Slogans wie „Verkehrswende jetzt“ oder „Skolstrejk För Klimatet“ (Schulstreik fürs Klima). Die Polizei schaute zu.

Engagement für die Umwelt wegen Corona auf anderen Wegen

In der aktuellen Situation wirken die Bilder der Fridays-For-Future-Bewegung (FFF) in Rastatt wie aus einer anderen Welt. Damals, im September 2019, konnten die Jugendlichen auf die Straße gehen und ihrem Unmut über die Klimapolitik Luft machen.

Bedingt durch Corona bleiben die Straßen aktuell leer. Die Rastatter Ortsgruppe hat seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr demonstriert. Aber die Gruppe lässt sich nicht unterkriegen und verfolgt trotz allem ihre Ziele. „Wir können nicht nur Straße“, sagt Annabelle Sonn überzeugt und betont: „Hinter den Kulissen läuft die Arbeit weiter.“

Wir müssen für das Klima kämpfen, es wartet nicht.
Annabelle Sonn, FFF Rastatt

Sie ist wie Jessica Stolzenberger und Sebastian Wald bei der FFF-Ortsgruppe in Rastatt aktiv. Insgesamt sind zehn junge Menschen im Organisationsteam der Gruppe, die 2019 gegründet wurde. Im Gespräch mit der BNN schauen die drei auf die aktuelle Situation.

„Wir müssen für das Klima kämpfen, es wartet nicht“, schildert Sonn ihre Motivation. Während Corona liegt der Fokus der Bewegung hauptsächlich auf inhaltlichen Fragen: „Wir gehen zum Beispiel auf die Basis aller Parteien zu und wollen die Gedanken zum Thema Klimawandel verändern“, sagt Sebastian Wald.

Demonstration in Rastatt: Auch am 29. November 2019 demonstrierten die Fridays-for-Future-Bewegung in Rastatt. Foto: Hans-Jürgen Collet

Statt des Protestes stehe die Arbeit in der Bewegung im Mittelpunkt, sagt Annabelle Sonn. Die 23-Jährige Studentin engagiert sich auch im Rastatter Klimabeirat, der im vergangenen Sommer gegründet wurde.

Klimaschützer haben gemischte Gefühle zur neuen Koalition in Baden-Württemberg

Ansonsten findet vieles digital statt, wie zum Beispiel der Livestream vor der Landtagswahl. Hier diskutierten Vertreter von FFF-Rastatt mit Kandidaten von CDU, SPD, FDP, dem Bündnis 90/Die Grünen sowie der Linkspartei über die Klimapolitik der Parteien.

Die Fortführung der grün-schwarz Koalition im Land sorgt indes für gemischte Gefühle bei den Dreien, wenn auch Jessica Stolzenberger positive Ansätze bei der CDU sieht. Mit der neu gegründeten Klimaunion „bewegt sich die CDU ja“, sagt sie. Und Sonn ergänzt: „Ich bin zuversichtlich, aber es wird spannend.“

Ein Vorteil der Pandemie sei nach Stolzenberger die verstärkte Nutzung von digitalen Kommunikationswegen. „Man kann sich dabei gut austauschen und auch schnell Abstimmen“, sagt sie. Gerade für die Mitglieder der Rastatter Ortsgruppe, die in verschiedenen Städten studieren, ist das ein großer Vorteil.

Es ist doch komisch, dass Großraumbüros offen sind, während Schulen und Universitäten geschlossen sind.
Jessica Stolzenberger, FFF Rastatt

Dazu komme noch, dass man oftmals nicht unbedingt präsent sein müsste bei Veranstaltungen. „Hier kann man auf jeden Fall auch was für den Umweltschutz tun“, sagt sie. Der verstärkte digitale Austausch werde die Bewegung auf jeden Fall auch nach der Pandemie weiter pflegen, ist sich die 22-Jährige Studentin sicher.

Von einer „verlorenen Generation“ könnte man daher nach Jessica Stolzenberger grundsätzlich nicht sprechen. Zumindest nicht, was den Einsatz für das Klima betrifft. Etwas anders sieht es hingegen bei den Folgen der Corona-Politik aus. „Ich bin keine Querdenkerin“, sagt sie. „Aber es ist doch komisch, dass Großraumbüros offen sind, während Schulen und Universitäten geschlossen sind.“

Sie wohne aktuell in einer Wohngemeinschaft. „Tagsüber habe ich hier Online-Uni und abends kann ich nicht mal in den Park wegen der Ausgangssperre.“ Da lenke der Austausch mit anderen Menschen und das intensive Arbeiten an den Projekten ab. Das Engagement für Fridays-For-Future ist daher trotz der aktuellen Situation nicht frustrierend, im Gegenteil: „Die Arbeit gibt Kraft“, sagt Stolzenberger.

Eine ganz eigene K-Frage bewegt Fridays-For-Future in Rastatt

Der Wusch nach Demonstrationen ist aber für die Zeit nach der Pandemie auf jeden Fall da. „Auf der Straße kann man sich besser zeigen als im Internet“, sagt Wald. und: „Man sieht besser, dass das Bild der unpolitischen Jugend nicht stimmt.“ Sonn erinnert an die große Demonstration im September 2019 in Rastatt im Zuge des weltweiten Klimastreiks von Fridays-For-Future.

Die Ortsgruppe habe 450 Teilnehmer angemeldet, die Stadt sei von 150 ausgegangen. „Am Ende sind rund 600 gekommen“, so Sebastian Wald. Dort habe man auch Leute getroffen, mit denen man bei einer solchen Demonstration nicht unbedingt gerechnet habe. „Das hat verdammt viel Spaß gemacht“, sagt der 16-Jährige Schüler.

So wird die FFF-Bewegung an ihrer eigenen K-Frage weiterarbeiten, wie Annabelle Sonn es formuliert. Dabei steht das K nicht etwa für Kanzlerkandidat, sondern vielmehr für Klimaschutz. „Und die unsere K-Frage ist wichtig, denn das Klima wartet nicht.“

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