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Keine Außenbewirtschaftung

Rastatter Imbissbetreiber bangt wegen Bau- und Bushaltestelle um seine Existenz

Erst zweieinhalb Jahre lang eine Großbaustelle vor der Haustür, dann die Corona-Pandemie mit weiteren Umsatzeinbußen und jetzt verhindert eine Bushaltestelle, dass Paker’s Kebap- und Pizza-Imbiss den Außenbereich gastronomisch nutzen kann.

Plötzlich eine Bushaltestelle vor der Haustür: Imbissbetreiber Hasan Paker darf vor seinem Laden in der oberen Kaiserstraße eigentlich gar nichts aufstellen und auch im Bereich der Mittelinsel gegenüber hat er keine Möglichkeit einer Außenbewirtschaftung. Foto: Ralf Joachim Kraft

Eigentlich müsste man annehmen, dass sich nach dem teuren Umbau eines Innenstadtbereichs die Situation für die Ladeninhaber, insbesondere für jene aus dem gastronomischen Bereich, deutlich verbessert. Hasan Paker, Inhaber von Paker’s Kebap- und Pizza-Imbiss in der oberen Kaiserstraße, kann das allerdings nicht bestätigen.

„Erst hatten wir hier zweieinhalb Jahre lang eine Großbaustelle vor der Haustür. In dieser Zeit hat sich unser Umsatz halbiert. Das Geschäft beim Fastnachtsumzug fiel weg, weil der Umzug wegen der Baustelle auf einer anderen Strecke verlief. Dann kam in diesem Jahr, kaum war der Umbau abgeschlossen, die Corona-Pandemie und wir mussten den Imbiss schließen. Und jetzt, wo wir wieder öffnen dürfen, verhindern die baulichen Maßnahmen der Stadt, dass wir den Außenbereich gastronomisch nutzen können“, kritisieren Hasan Paker und seine Frau Gülsen, die trotzdem innerhalb eines ganz schmalen Streifens nach wie vor ihre Tische und Stühle aufstellen.

„Wir dachten, dass hinterher alles besser wird und wir mehr Platz für die Außengastronomie zur Verfügung haben. Denn wir müssen im Sommer Außensitzplätze anbieten können. Das ist für uns eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Bei der Planung wurde leider überhaupt nicht an die Geschäfte gedacht. Auf diese Weise wird das lokale Gewerbe nicht gestärkt“, monieren die Eheleute, die gerade in diesen Tagen dringend auf die Straßenbewirtschaftung angewiesen sind.

Wir dachten, dass hinterher alles besser wird. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Bei der Planung wurde leider überhaupt nicht an die Geschäfte gedacht.
Gülsen und Hasan Paker, Imbissbetreiber

Lange hatten sie gehofft, auch einen Teil der Aufenthaltsfläche im inneren Bereich der oberen Kaiserstraße nutzen zu können. Doch auch diese Hoffnung hat sich zerschlagen. „Unser Problem besteht darin, dass sich viele Leute wegen Corona noch nicht in den Imbiss trauen. Außerdem wollen sie bei schönem Wetter lieber draußen sitzen und sie kommen auch deshalb nicht rein, weil es durch den offenen Grill immer sehr heiß in unserem Dönerladen ist.“

Umgestaltung der oberen Kaiserstraße bereitet Probleme

Nach Auskunft der städtischen Pressesprecherin Heike Dießelberg ist in dem genannten Bereich im Zuge des barrierefreien Umbaus der oberen Kaiserstraße das taktile Element für die barrierefreie Nutzung des Gehwegs näher an die Häuserfassade gerückt. „Dort können keine Stühle aufgestellt werden, weil dadurch die taktilen Elemente unterbrochen werden. An dieser Stelle besteht zudem das Problem, dass sich jetzt auf Höhe des Imbisses die Bushaltestelle befindet, so dass auch die verbleibende Gehwegbreite als Fläche für Wartende freizuhalten ist.“

Die Eheleute Paker sehen in den hohen Bus-Bordsteinen an der Haltestelle eine Gefahr. Die Stadt nennt als Grund für Höhe die Vorgaben zur Barrierefreiheit im ÖPNV. Weiße Markierungsstreifen sollen den Höhenunterschied zur Straße deutlich machen. Foto: Ralf Joachim Kraft

Daher könne etwa auch der Textileinzelhändler an dieser Stelle keine Warenverkaufsständer aufstellen. Der Imbissbetreiber habe keine Erlaubnis zur Sondernutzung erhalten, „weil vor seiner Verkaufsstelle im öffentlichen Bereich schlichtweg keine Möglichkeit besteht, so unbefriedigend das auch ist.“ Gleichwohl stelle er Tische, Stühle, Werbeaufsteller und sogar Koniferen in Tontöpfen in den Wartebereich der Bushaltestelle. Der städtische Ordnungsdienst mahne dies regelmäßig an.

Vor der Verkaufsstelle im öffentlichen Bereich besteht keine Möglichkeit für eine Sondererlaubnis, so unbefriedigend das auch ist.
Heike Dießelberg, städtische Pressesprecherin

Bereits im vergangenen Jahr sei überdies geprüft worden, ob im Bereich der „Mittelinsel“ im inneren Bereich der oberen Kaiserstraße eine gastronomische Sondernutzung zugelassen werden kann. „Dies wurde bislang aber aus Planungs- und Gestaltungsgründen abgelehnt“, berichtet Dießelberg. „Bei der Umgestaltung der oberen Kaiserstraße wurde stets betont, dass die Fläche für einen Aufenthalt von Bürgern und Gästen ohne Aufforderung zum Konsum freigehalten werden soll.“

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