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Spekulationen mit der Kryptowährung

Rastatter Suchtbeauftragte: Riskanter Handel mit Bitcoins birgt großes Suchtpotenzial

Der Bitcoin-Kurs ist innerhalb weniger Jahre von ein paar Cent auf mehr als 30.000 Dollar gestiegen. Wer clever investiert hat, konnte mit der Kryptowährung ein Vermögen verdienen - aber auch verlieren. Der riskante Handel kann nicht nur die eigenen Finanzen, sondern auch die Gesundheit ruinieren. Expertin Gudrun Pelzer warnt im Interview vor einem großen Suchtpotenzial.

„Die Rückfallgefahr ist hoch“: Die kommunale Suchtbeauftragte Gudrun Pelzer warnt vor den Gefahren des Krypto-Handels. Foto: Michael Janke

In kurzer Zeit können aus ein paar Euro ein Vermögen werden: Der Handel mit Kryptowährungen ist verlockend, aber auch voller Risiko. Wer in das Geschäft einsteigt, kann nicht nur in kurzer Zeit viel Geld gewinnen, sondern auch alles verlieren. Diese Konstellation bietet Suchtpotenzial.

Wer Gewinne einstreicht, den packt die Gier. Wer rote Zahlen schreibt, will die Verluste wieder reinholen. Gudrun Pelzer, kommunale Suchtbeauftragte im Landratsamt Rastatt, erläutert im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Holger Siebnich, wann das Spiel mit den Kryptowährungen gefährlich wird.

Frau Pelzer, Kryptowährungen wie Bitcoin ermöglichen es durch extreme Kurssteigerungen, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen. Haben solche Geschäfte Suchtpotenzial?
Gudrun Pelzer

Ähnlich wie Glücksspiele an Automaten oder in Spielbanken oder Online-Glücksspiel scheinen auch Wetten auf Kryptowährungen schnelle Gewinne in kurzer Zeit zu ermöglichen. Sie besitzen dadurch ein Suchtpotential. Bisher kommen Betroffene nur in Einzelfällen in der Suchtberatungsstelle an.

Auf welche Signale sollten Betroffene achten, um einschätzen zu können, ob ihr Verhalten in eine ungesunde Richtung tendiert?
Pelzer

Für den Glücksspielbereich gibt es sogenannte Diagnosekriterien für Sucht. Diese können Anhaltspunkte bieten, wie Wetten auf Kryptowährungen einzuordnen sein könnten. Die Anzeichen für eine Suchtgefährdung sollten Betroffene ernst nehmen. Anzeichen dafür, dass die Entwicklung in eine falsche Richtung geht, sind: Es lässt einen nicht mehr los. Die Gedanken kreisen zunehmend häufiger ums Glücksspiel. Das nächste Spiel wird geplant, Verluste analysiert. Es wird überlegt, wie man an Geld kommen könnte, um weiterzuspielen. Die Dosis muss gesteigert werden. Es sind immer höhere Einsätze nötig, um den gewohnten „Kick“ zu erreichen. Man kann nicht mehr aufhören. Es gibt wiederholt erfolglose Versuche, das Glücksspiel zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben. Man ist sich sicher, Verluste durch weiteres Spielen oder Wetten ausgleichen zu können. Familienmitglieder und Freunde werden über das Ausmaß des Spielens belogen. Trotz negativer Auswirkungen auf die Familie, Freundschaften, Arbeit oder Ausbildung wird weiter gespielt. Der Verlust der Familie, des Arbeitsplatzes oder von Freundschaften wird in Kauf genommen. Und trotz steigender Schulden wird weitergespielt.

Wo bekommen Betroffene Hilfe?
Pelzer

Das Gute ist, dass man nicht sofort süchtig wird. Es bleibt Zeit, sich Hilfe zu suchen. Wenn man jedoch feststellt, dass man sich dem Sog der Beschäftigung mit Kryptowährungen nicht mehr entziehen kann und das Thema in den Mittelpunkt rückt, es einen nicht mehr loslässt, spätestens dann sollte man sich Hilfe suchen. Ansprechpartner sind hier die Fachstelle Sucht in Rastatt für den nördlichen Landkreis und in Baden-Baden für den südlichen Landkreis.

Kann ein gesunder Umgang gelingen, wenn jemand bereits in die Sucht abgeglitten war? Oder sollten Betroffene diese Form der Geschäfte komplett meiden?
Pelzer

Betroffene sollten die Art von Geschäften besser meiden, wenn sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie schon mal die Kontrolle darüber verloren haben. Die Rückfallgefahr ist dann hoch.

Beratungsstellen

Fachstelle Sucht, Kaiserstr. 20, 76437 Rastatt, Tel: 07222/405879-0, E-Mail: fs-rastatt@bw-lv.de

Fachstelle Sucht, Sinzheimer Str. 38, 76532 Baden-Baden, Tel: 07221/996478-0, E-Mail: fs-baden-baden.de

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