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Info-Veranstaltung

Anzahl der Kreuzungen beim Radschnellweg von Rastatt nach Karlsruhe im Visier

Zum aktuellen Stand des Radschnellwegs zwischen Karlsruhe und Rastatt hat das Regierungspräsidium während einer Bürgerveranstaltung informiert. Viele Bürger sehen Details der Planung kritisch.

Idealtypisch: So sieht ein vier Meter breiter Radschnellweg aus. Wie die Trasse zwischen Karlsruhe aus Rastatt aussehen wird, steht noch in den Sternen.
Mindestens 20 Radschnellwege bis 2030: Dieses Ziel hat sich die Landeregierung gesetzt. Beim Radschnellweg Karlsruhe – Rastatt rechnet die Kreisverwaltung mit einem Baubeginn ab 2025. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Vorzugstrasse des Radschnellwegs (RS13) zwischen Karlsruhe und Rastatt soll Ende des Jahres feststehen. Darüber hat das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) in einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum aktuellen Planungsstand informiert.

Der RS13 verbindet künftig Karlsruhe und Rastatt. Der Radschnellweg ist ungefähr 22 Kilometer lang und soll 21 Millionen Euro kosten.

Etwa 54 Teilnehmer sind bei der Info-Veranstaltung dabei

In der virtuellen Veranstaltung hatten auch erstmals Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, Fragen zum RS13 zu stellen. Etwa 54 Teilnehmer unter anderem auch Mitglieder des Projektbegleitkreises nahmen teil.

Jede Variante wirkt sich auf Umwelt aus

„Jede Variante wirkt sich unterschiedlich unter anderem auf Menschen, Pflanzen und Tiere aus“, erklärte Christina Finkbeiner, stellvertretende Referatsleiterin Straßenplanung im RP. Das müsse alles gegenseitig abgewogen werden. Das RP untersuche aktuell neutral drei Hauptvarianten und mehrere Untervarianten.

Das sind die drei Radschnellweg-Varianten
Das sind die drei Radschnellweg-Varianten Foto: BNN

Die erste Variante ist die Route der Machbarkeitsstudie des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. In den Gemeinden Ötigheim, Bietigheim und Durmersheim planen die Gutachter eine mögliche Radschnellverbindung mitten durch die Orte.

Die zweite Variante nutzt den vorhandenen Baustellenweg entlang der Bahn-Neubaustrecke, parallel zur Bundesstraße 36. Der Weg ist wie an einem Lineal gezogen knapp zehn Kilometer lang und nahezu kreuzungsfrei.

Die dritte Variante liegt am Ortsrand der angrenzenden Kommunen. Die Strecke soll entlang der Bebauungsgrenze führen und nach Angaben des Regierungspräsidiums bestehende Radwege nutzen.

Kreuzungen sind gefährlich für Radfahrer

Ralph Neininger, Vorsitzender des Kreisverbandes Baden-Baden/Rastatt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) fragte nach der Anzahl der Kreuzungen der jeweiligen Varianten. Er verwies vor allem auf die Aufstellung von Moritz Dekorsy, Radschnellwegbeauftragter des ADFC Karlsruhe. Demnach hat die erste Variante insgesamt 53 Kreuzungen, die zweite nur fünf Kreuzungspunkte und die dritte 29 Kreuzungen.

„Die Aufstellung von Herrn Dekorsy ist uns bekannt“, sagte Samuel Möhler, Projektleitung Straßenplanung vom RP. Wenn man die ganzen Kreuzungspunkte herausrechne, die eine Bevorrechtigung für Radfahrer erhielten, sei man bei der ersten Variante bei 13, bei der Zweiten bei elf und bei der dritten Variante bei 20 Kreuzungen.

Ich halte diese Aufstellung für schön gerechnet.
Moritz Dekorsy, ADFC-Radschnellwegbeauftragter

Eine bevorrechtigte Kreuzung sei immer noch eine Kreuzung, auf die der Radfahrer in Habachtstellung zufahre, entgegnete Dekorsy. „Ich halte diese Aufstellung für schöngerechnet.“ Hinzu kommt laut Radschnellwegbeauftragtem, dass Radfahrer bei einem Unfall mit einem Auto auch bei bevorrechtigen Kreuzungen schwer verletzt werden können.

Kreuzungsbereiche werden umgestaltet

Manuel Hummel, Vorsitzender der Grünen Fraktion im Kreistag, hält die Varianten durch die Dörfer grundsätzlich nur für machbar, wenn massiv die Rechte der Radfahrer durchgesetzt werden. „Die Kreuzungsbereiche werden umgestaltet“, versprach Möhler. Es gebe hervorgehobene Kreuzungen, Durchgangssperren und Einbahnstraße. Es entfielen auch Parkplätze, die andernorts wieder neu geschaffen würden.

Die Mobilität verändert sich.
Michael Weber, BUG

Michael Weber von der Wählervereinigung Bürgerliste und Grüne Durmersheim (BUG) fragte, von wann die Basisdaten stammen. „Die Mobilität verändert sich, die Absatzzahlen vor allem von E-Bikes gehen durch die Decke, womit auch die Durchschnittsgeschwindigkeiten deutlich steigen würden.“

Die Erhebungen stammen nach Angaben von Owen Dieleman, Projektleiter beim Zentrum für integrierte Verkehrssysteme, aus dem Frühsommer 2021. Zudem würden Daten aus dem Jahr 2019 existieren. „Die Grundlagen sind ausreichend aktuell um belastbare Aussagen zu treffen“, so Dieleman. Die angenommene Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nach Angaben Möhlers etwa bei 20 bis 25 Kilometern in der Stunde.

An der Junker-und-Ruh-Brücke sind Fußgänger und schnelle Radfahrer parallel unterwegs.
Hans-Joachim Dorn, Bürger

Hans-Joachim Dorn sieht vor allem die Anbindung der Radschnellweges in Karlsruhe kritisch. Manche Sachen seien teilweise nicht praxisgerecht überlegt. Als Beispiel nannte er den Knick des RS13 in die Pulverhausstraße Richtung Südwesten. Ihm ist darüber hinaus nicht klar, ob der Radschnellweg an den Radring angebunden wird. Auch die Junker-und-Ruh-Brücke sieht Dorn als künftigen Unfallschwerpunkt. „Dort sind Fußgänger und schnelle Radfahrer parallel unterwegs.“ Hinzu komme, dass es an diesem Punkt noch Abbieger gebe. Laut Dorn sind dort schon mehrere Unfälle passiert. Dieser Punkt fehle ihm in der ganzen Betrachtung.

Anbindung an Radring ist der Plan

„Die Anbindung an den Radring beziehungsweise die Radsüdtangente in Karlsruhe ist der Plan“, antwortete Möhler. Die Situation auf und an der Brücke am Manfred-Hädinger-Weg sei bekannt. „Letztlich müssen wir dann in der genaueren Planung sehen, wie wir den Knotenpunkt entschärfen können.“ Dennoch sei die Brücke eine gute Anbindung.

Befragung ist eine Momentaufnahme

Auch der Karlsruher Stadtrat Paul Schmidt (AfD) erachtet es als nicht sinnvoll, die Pulverhausstraße zur Fahrradroute auszubauen. Schmidt hält die Befragung für wenig aussagekräftig. „Da gab es eine Befragung Anfang Juni. Wie viele Leute wurden befragt? War es ein einziges Mal?“ Das sei lediglich eine Momentaufnahme.

Diese Stichprobe lässt entsprechend Rückschlüsse zur Häufigkeit und Reiseentfernung zu
Owen Dieleman, Projektleiter ZIV

„Der Zweck der Befragung war nicht dazu da, um primär die Nachfrage abzuleiten“, erklärte Owen Dieleman. Es gehe dabei darum, ob die Grundlagen für die Bewertung der Varianten mit realen Bedingungen übereinstimmen. Um die Nachfrage zu ermitteln, gibt es laut Dieleman einen Leitfaden. Es sei ein Verfahren, das auf einer deutlichen Datenbasis fußt. An fünf Stellen wurden für die Umfrage etwa 300 Radfahrer direkt befragt. „Diese Stichprobe lässt entsprechend Rückschlüsse zur Häufigkeit und Reiseentfernung zu“, so der Experte.

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