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Zwischen Sorge und Zuversicht

Rastatter Schüler starten mit gemischten Gefühlen in den Präsenzunterricht

Seit Anfang Januar ist Homeschooling angesagt. Aktuell gibt es, zumindest für die Schüler der Abschlussklassen, eine Änderung: Sie dürfen wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. Schüler berichten von ihren Erfahrungen der vergangenen Wochen und blicken auf die anstehenden Prüfungen.

Nachmittags im Homeschooling: Luisa Sperrfechter, Schülerin des Tulla-Gymnasium, bereitet sich auf das Abitur vor. Foto: Luisa Sperrfechter

Auch wenn die Schüler der Abschlussklassen seit dieser Woche wieder Präsenzunterricht haben: Ein normaler Schulalltag ist bei Weitem noch nicht eingekehrt. „Im Moment haben wir dienstags und donnerstags in den Hauptfächern Präsenzunterricht, die Nebenfächer finden weiterhin online statt“, sagt Annika Kastner.

Gemeinsam mit Sebastian Wald besucht sie die Werner-von-Siemens Realschule in Kuppenheim. Dieses Jahr machen die beiden ihren Realschulabschluss. Ähnlich sieht es auch am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) in Rastatt aus, wie Tiziano Hänel berichtet: Dort hat die Kursstufe zwei im Wechsel mit der Kursstufe eins von Montag bis Mittwoch Präsenzunterricht und Donnerstag bis Freitag Onlineunterricht.

Am Tulla-Gymnasium, das Luisa Sperrfechter besucht, findet der Nachmittagsunterricht im Homeschooling statt.

Freude über Rückkehr an die Schule

Dennoch sind alle vier froh, wieder an die Schule zurückzukehren. „Es ist die ganze Stimmung und das persönliche Zusammenkommen von Schülern und Lehrern, die das schulische Leben dann doch positiv beeinflussen“, sagt Luisa. „Ich bin auch deshalb teilweise froh, in der Abschlussklasse zu sein, da ich so am frühsten wieder in die Schule darf. Das Lernen macht dort deutlich mehr Spaß.“

Ähnlich geht es Sebastian: „Am Anfang der zweiten Schulschließung war es noch in Ordnung, daheim zu bleiben.“ Zum einen waren bald Ferien, zum anderen habe man sich gefreut, zuhause bleiben zu können. Aber: „Dieses Gefühl hielt nach den Ferien nicht lange an und wir merkten, dass wir immer unmotivierter wurden.“ Es sei durchaus schwerer, sich selbst zu motivieren, wenn man keinen direkten persönlichen Kontakt zu Gleichaltrigen habe, erzählt er. Der Austausch mit den Mitschülern fehlt auch Tiziano: „Es ist fast eine Qual, jeden Morgen aufzustehen und an den Computer zu müssen ohne soziale Kontakte“, schildert der 18-jährige.

Ich bin auch deshalb teilweise froh, in der Abschlussklasse zu sein, da ich so am frühsten wieder in die Schule darf.
Luisa Sperrfechter, Schülerin des Tulla-Gymnasiums Rastatt

Der gemeinsame Austausch von Angesicht zu Angesicht und das gemeinsame Lachen und Spaß haben in den Pausen fehle. Doch es gibt auch positive Seiten des Homeschoolings: „Es ergab sich so manche witzige Situation und wir sparen zum Beispiel beim Schulweg Zeit“, sagt Annika. Ähnliches berichtet auch Luisa: „Die Konferenzen sind doch immer ganz amüsant, wenn die Lehrer auch auf uns und unser Befinden eingehen.“

Sorgen vor den Abschlussprüfungen

Den anstehenden Abschlussprüfungen sehen die vier mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich denke, jeder ist ein wenig unsicher, wie es denn genau aussieht bis zu unserem Abitur, da keiner eine eindeutige Auskunft geben kann“, sagt Luisa. Aber dennoch ist sie eher gelassen: „Grundsätzlich habe ich aber keine Angst, wie die meisten auch, da unsere Lehrer sich sehr gut um uns und den Stoff gekümmert haben und wir in keinem Fach hinter dem Lehrplan liegen.“ Einzig die Kommunikationsprüfung, die Anfang März abgehalten wird, bereite ihr und ihren Mitschülern ein wenig Sorge.

Es ist durchaus schwerer, sich selbst zu motivieren, wenn man keinen direkten persönlichen Kontakt zu Gleichaltrigen hat.
Sebastian Wald, Schüler der Werner-Siemens-Realschule Kuppenheim

Aber auch hier ist sie zuversichtlich: „Ich bin mir sicher, dass sich gut um uns gekümmert wird und wir da fair und sicher durchgeleitet werden, wie bisher auch.“ Es sei zwar „von Schüler zu Schüler unterschiedlich“, sagt Annika. Aber Bedenken gebe es natürlich reichlich, da es eine sehr ungewöhnliche Situation für die Abschlussklassen sei. Mit dem Stoff habe es im Homeschooling eher weniger Probleme gegeben, „laut der meisten Lehrer liegen wir gut im Zeitplan“.

Nach Tiziano sind „Grundangst und Grundsorgen“ vorhanden. Man fühle „sich einfach nicht so sicher mit dem ganzen Stoff“ und es stellt sich die Frage, „ob man doch dann wirklich alles so gut aufnehmen konnte, wie wenn man Präsenzunterricht gehabt hätte.“ Zwar würde es immer heißen „dass man jetzt mehr Zeit hatte, um den Stoff zu lernen.“ Aber: Im Endeffekt ermüde man zu Hause nur mehr und es mache einen mental kaputt.

Frage nach den Abschlussfeier

Aber nicht nur die Prüfungen, sondern auch die Abschlussfeiern werden durch Corona geprägt sein. Hinsichtlich des Abiballs heißt es „Abwarten und das Beste hoffen“, wie Luisa sagt. Aktuell laufen zwar schon die Vorbereitungen und es gab bereits eine Aktion zur Finanzierung des Balls: „Auch wenn wir keine große Feier erwarten können, ist die Hoffnung auf eine kleine Feier, wenigstens innerhalb der Stufe, sehr groß.“ Da es dieses Jahr am Tulla eine kleine Stufe ist, wären die Chancen dafür eher gegeben.

Am WHG werden aktuell zwei Szenarien vorgeplant: eine normale Feier und eine solche wie im vergangen Jahr unter Corona-Bedingungen. An der Werner-von-Siemens-Realschule gebe es bereits ein Datum, aber noch keine Pläne. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Abschlussfeier wie gewohnt stattfinden wird“, sagt Annika. „Wir versuchen dennoch, das Beste aus unserer jetzigen Situation zu machen und wollen die Hoffnung nicht aufgeben.“

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