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Hundetrainer Rüdiger Röder

Spaß und feste Regeln sind kein Widerspruch im Tierheim Rastatt

Wenn Rüdiger Röder ins Tierheim Rastatt kommt, stehen nicht nur Streicheleinheiten auf dem Tagesplan. Er trainiert die Hunde dort, bringt ihnen Regeln bei, zieht Konsequenzen und belohnt sie. Auf die Vermittlung der Tiere hat das einen positiven Effekt.

Spielerisches Lernen: Im Rastatter Tierheim werden die Hunde regelmäßig trainiert. Somit steigen die Chancen, dass sie schnell an neue Besitzer vermittelt werden können. Foto: Holbein

Temperamentvoll, selbst an der Leine, stürmt Raf auf die Freifläche beim Tierheim Rastatt, lässt sich die Schleppleine und den Maulkorb anlegen und darf dann in Augenschein nehmen, was sich da an Menschen tummelt. Ein kräftiger Stoß an die Beine zeigt: „So, jetzt habe ich auch Kontakt zu Dir aufgenommen“. Weiter geht der ungestüme Lauf, bis er die Ohren leicht anlegt und vor Rüdiger Röder in Sitz-Position geht.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

Kein lautes Wort, geschweige denn ein lauter Befehl, eine kleine Handbewegung und der russische Laika weiß genau, was er zu tun hat. „Vor drei Wochen habe ich das letzte Mal mit ihm gearbeitet und er weiß es noch ganz genau“, lobt der Hundetrainer von der Karlsruher „Hundeschule Kern für Mensch und Hund“ den siebenjährigen Rüden, der vor einem Jahr als Scheidungshund ins Rastatter Tierheim kam.

Hund mit Persönlichkeit

Als selbstsicheres, interessantes „Kerlchen“, das manchmal sehr aufdringlich sein kann, beschreibt er den stattlichen Hund, und, „der Umgang mit ihm ist nicht einfach“. Er brauche feste Regeln, die er versteht – und Konsequenz. Seine eigene Hunde-Persönlichkeit und seine Rasse – er ist ein Stöberhund und relativ ursprünglich – machen es Raf schwer, loszulassen. Aber er kann es, hat Sibylle Fritz, Vorsitzende des Rastatter Tierschutzvereins, beobachtet: Wenn er allein ist, sich nicht beobachtet fühlt, dann kann er tatsächlich mal entspannt in der Sonne liegen.

Das baut das Vertrauen des Hundes zu den Menschen auf.

Auch beim Training mit Rüdiger Röder kommt Raf nach einigen Minuten zu Ruhe, der Maulkorb wird abgenommen. Jetzt ist Zeit für kleine Käse-Leckerlis, die der Trainer dabei hat, eine Aufmerksamkeit, die Raf genauso genießt wie die intensiven Streicheleinheiten. „Das baut das Vertrauen des Hundes zu den Menschen auf, die für ihn verantwortlich sind“, so der Trainer. Er sei ein Hund, bei dem man sich überlegen muss, ob er wirklich mit Bällen oder Stöckchen beschäftigt wird, was seinen Jagdinstinkt wecke, oder ob eine halbe Stunde Streicheln nicht besser ist.

Training im Tierheim Rastatt

Den Hund im Training auf dem Leistungsstand abholen, wo er sich befindet, so das Motto von Rüdiger Röder, der seit vier Monaten einmal in der Woche für zwei Stunden mit seiner „privaten“ Hundemeute nach Rastatt fährt. Während diese sich auf der Nachbarwiese am Zaun neugierig die Nasen platt drücken, wird Raf, jetzt müde, in seinen Zwinger zurückgebracht.

Für Kasto ist es wichtig, den Umgang mit anderen Hunden zu lernen.

Kasto betritt die Bühne: Eine schwarze Dogge, 60 Kilogramm schwer, 70 Zentimeter hoch, vier Jahre alt, verschmust mit Menschen und ängstlich bei Artgenossen. Nach kurzer Gewöhnung an die Situation holen die Tierpflegerinnen Saskia Joeres und Sylwia Stamm die „Babys“, wie sie die sieben Monate alte „Hundebande“ aus unterschiedlichen Würfen liebevoll nennen, dazu. „Für Kasto“, so Rüdiger Röder, „ist es wichtig, den Umgang mit anderen Hunden zu lernen“. Der ist mit jungen Hunden natürlich anders als mit erwachsenen. Im Zusammensein mit den Junghunden wird getestet, ob bei Unterwürfigkeit seine Beißhemmung funktioniert.

Kuschelrunde mit dem Trainer

Tollpatschig stolpert Kasto, schon mal über die kleinen Racker, die zwischen seinen langen Beinen hindurchwuseln. Neugierig mischt er sich in die kleineren Scharmützel ein und kommt immer wieder zu den Pflegerinnen oder dem Trainer für eine Kuschelrunde. Die Sprache, die die Hunde untereinander sprechen, müssen nicht nur die Kleinen lernen, auch Kasto muss sich gewöhnen, als Riesenbaby von vier Jahren.

Spaß unter Hunden

Klar könne man im Tierheim nicht das Training machen, was im Normalfall ein Hundebesitzer macht, aber man könne einfache Verhaltensweisen trainieren, die es dem Hund in Gesellschaft leichter machen. Und eine Verbesserung konnte man sowohl bei Raf wie bei Kasto feststellen: Der eine weiß jetzt, dass es Regeln gibt, an die er sich halten sollte, damit er es sich mit „seinem Mensch“ nicht verscherzt, der andere, dass es Spaß macht, mit anderen Hunden zu toben.

Das Training tut den Hunden gut.

Vergesellschaftung nennt Rüdiger Röder die Einheit, zu der er auch die jüngsten Tierheim-Hunde dazuholt: Biene ist im Februar diesen Jahres geboren – ein kohlrabenschwarzes knuffiges Hundebaby – und mischt wie der Dackelwelpe Pinou munter und keine Spur ängstlich bei den Großen mit. „Ich habe gesehen, dass das Team im Tierheim Rastatt möchte, dass es den Tieren gut geht. Da unterstütze ich gerne“, so der Hundetrainer, der am Anfang durchaus Zweifel hatte, ob das nicht vergeudete Zeit sei. „Das Training tut den Hunden gut, sie verändern sich, verlieren ihre Angst und öffnen sich“. Ein Faktor, der für die Vermittlung der Tiere an neue Besitzer nicht unwichtig ist.

Der Tierschutzverein Rastatt veranstaltet am Sonntag, 19. Mai, auf dem Gelände des Tierheims zwischen 11 und 17 Uhr wieder einen Flohmarkt mit Heimtierbedarf. Das Sommerfest findet am Sonntag, 14. Juli, statt.

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