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Investitionen notwendig

Stadt Rastatt gibt Tierheim nicht mehr Geld

Im Tierheim Rastatt gibt es mehrere Großbaustellen: Ein Teil der Boxen für die Hunde ist zu klein, die Mitarbeiter erhalten nur den Mindestlohn. Deshalb wollte der Tierschutzverein von der Stadt mehr Geld. Doch die lehnte ab. Das Konto des Vereins sei zu gut gefüllt.

Ziemlich enge Kiste: Ein Teil der Hunde-Boxen im Tierheim Rastatt entspricht nicht mehr den Standards. Foto: Holger Siebnich

Sybille Fritz steht mit ihrem Handy in einer Ecke der kleinen Zelle. Sie versucht, ein Foto von dem gefliesten Kabuff und dem Hund zu machen, der darin steht. Doch es ist alles viel zu eng. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rastatt gibt nach ein paar Aufnahmen auf.

Investitionen laut Tierheim Rastatt dringend notwendig

Die Boxen in der alten Hundehalle des Tierheims entsprechen nicht mehr den Anforderungen der Tierheimordnung. Das ist eine von mehreren Baustellen der Einrichtung. Um die Weichen für die Zukunft stellen zu können, hatte der Verein bei der Stadt eine Erhöhung der öffentlichen Mittel beantragt. Doch die lehnte ab.

Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf

Der Tierschutzverein hat zu viel Geld. Zumindest sieht das die Stadtverwaltung so. Im Zuge der Gespräche legte der Verein seine Kontoauszüge auf den Tisch. Das Guthaben ließ die Verantwortlichen im Rathaus zu dem Schluss kommen: Weder für den laufenden Betrieb noch für Investitionen ist ein Finanzbedarf zu erkennen.

Hohe laufende Kosten

Fritz sieht die Sache ein bisschen anders. „Im Prinzip steht der Tierschutzverein gut da“, sagt auch sie. Aber das Tierheim arbeite defizitär. Im vergangenen Jahr lag das Minus in einem satten fünfstelligen Bereich. Die laufenden Kosten für Tierarztrechnungen, Futter und Energie seien enorm.

Hinzu komme das Gehalt der acht Mitarbeiter, die der Verein allerdings nur im Bereich des Mindestlohns bezahlen könnte. „Sehr schäbig“, wie Fritz selbst findet. Dem gegenüber stünden stark schwankende Einnahmen, unter anderem durch Spenden und auch Erbschaften . Aber wie hoch diese ausfallen, variiere von Jahr zu Jahr.

Verein erhält jährlich rund 30.000 Euro von der Stadt

Angesichts dieser betriebswirtschaftlichen Ausgangslage beantragte sie bei der Stadt eine dauerhafte Finanzspritze. Der Tierschutzverein übernimmt als Betreiber des Heims eine öffentliche Aufgabe. „Wir machen das nicht zum Spaß“, sagt Fritz.

Wir machen das nicht zum Spaß
Sybille Fritz, Vorsitzende des Tierschutzvereins

Gesetzlich wäre die Stadt selbst dazu verpflichtet, aufgefundene Tiere aufzunehmen. Sie hat diese Pflicht aber an den Verein delegiert, der dafür aktuell einen Betrag von 60 Cent pro Einwohner im Jahr erhält, was sich auf rund 30.000 Euro summiert. Der Verein forderte eine Pauschale von einem bis 1,20 Euro pro Kopf, also etwa 50.000 bis 60.000 Euro.

Schwankende Fundtierzahlen

Für ihre Ablehnung führte die Verwaltung nicht nur das Vereinsvermögen ins Feld, sondern auch eine rückläufige Tendenz bei den Fundtierzahlen. Ein Blick auf die Statistik weist allerdings große Schwankungen auf. So liegt der Höchststand mit 146 Tieren – 95 Katzen, 22 Hunde, 29 Kleintiere – zwar schon neun Jahre zurück, 2019 war die Gesamtzahl mit 100 aber deutlich höher als 2018 und 2017 mit 65 beziehungsweise 68.

Laut Fritz sind zum Beispiel die insgesamt 15 Hunde-Boxen immer voll belegt. Sie sind aufgeteilt in einen Alt- und einen Neubau. Die Zellen im älteren Teil sind nach heutigen Gesichtspunkten allerdings deutlich zu klein. Bei einer Begehung Anfang vergangenen Jahres mit Vertretern des Deutschen Tierschutzbundes war eine Mängelliste erstellt worden.

Vermittlungsgespräche ohne Privatsphäre am Empfangstresen

Ein Umbau zöge weitere Investitionen nach sich, denn durch eine Vergrößerung der einzelnen Abteile würde sich deren Gesamtzahl verringern. „Wir bräuchten zusätzlich einen Neubau mit ungefähr sechs Boxen“, sagt Fritz. Darüber hinaus stehen weitere Wünsche auf ihrem Zettel. So existieren keine Sozialräume und keine Duschen.

Es gibt auch keine Möglichkeit für die Mitarbeiter, Vermittlungsgespräche in Privatsphäre zu führen. Bislang läuft das am Empfangstresen ab. „Wenn die Leute gefragt werden, ob sie in der Lage sind, die Arztkosten für ihr Wunsch-Tier zu bezahlen, bekommt das jeder mit“, schildert Fritz die Situation. Wie hoch die notwendigen Gesamtinvestition wären, kann sie nicht abschätzen. Eine konkrete Planung existiert bislang nicht.

Anstehende Vorstandswahlen verkomplizieren die Lage weiter

Ein Hemmnis sind auch die anstehenden Vorstandswahlen am 20. März. Nach internen Machtkämpfen will Fritz erst einmal abwarten, ob sie weiter an der Spitze des Vereins bleibt. Wählen sie die Mitglieder wieder, soll die Planung konkret werden.

In Absprache mit der Stadtverwaltung will der Verein ein Investitionsprogramm aufstellen und sich damit um einen Zuschuss beim Land Baden-Württemberg bemühen. Die maximale Förderung beträgt 40 Prozent. Die verbleibenden 60 Prozent könnten sich Verein und Stadt teilen.

Am Ende sind die Rücklagen des Vereins aufgebraucht

Auch wenn die konkreten Summen noch unklar sind, geht die Verwaltung davon aus, dass die angesparten Rücklagen des Vereins am Ende aufgebraucht sind. Wie es in diesem Fall weiterginge, ist offen. Aus dem Rathaus gibt es lediglich die Zusage, dann eine Anpassung der Pro-Kopf-Pauschale erneut zu prüfen. Fritz bereitet das große Bauchschmerzen: „Man kann hier nicht den letzten Cent rausquetschen und das Tierheim gegen die Wand fahren.“

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