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OB stellt sich gegen Verwaltungsvorschlag

Der Traum von einer Stadtbahnlinie in die Rastatter Innenstadt soll weiterleben

Das erlebt man nicht oft: Da wendet sich ein Oberbürgermeister gegen einen Vorschlag, den seine eigene Verwaltung gemacht hat. Streitpunkt: Die Anbindung der Innenstadt an das Stadtbahnnetz.

Hier würde es langgehen: Über die Badener Brücke, die Kapellenstraße hinauf bis zum Bahnhof könnte die Stadtbahn rollen – sollte sie Wirklichkeit werden. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Traum von einer Stadtbahnlinie in die Rastatter Innenstadt soll weiterleben. Das ist zumindest der Wunsch des Technischen Ausschusses, der sich damit gegen die Stadtverwaltung stellte und sogar Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (CDU) überzeugen konnte.

Was war los? Derzeit nehmen sämtliche Städte und Gemeinden Stellung zur Fortschreibung des sogenannten Regionalplans des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. Er stellt die Grundlage der räumlichen Entwicklung der Region dar und legt damit die Rahmenbedingungen für große Bauprojekte vor Ort fest, etwa die Ausweisung neuer Baugebiete, Wirtschaftsansiedlungen oder auch Nahverkehrsprojekte – wie die Stadtbahnlinie durch die Kernstadt.

Stadtbahnlinie contra Wintersdorfer Brücke

Doch nun ist es nicht etwa der Regionalverband, der den lang gehegten Traum einer solchen Schienenanbindung zu Grabe tragen wollte, sondern vielmehr die Stadtverwaltung selbst. In ihrer Stellungnahme schreibt sie, dass „nach wie vor eine Trasse durch die Rastatter Innenstadt ausgewiesen“ werde, die „nicht umsetzbar ist“. Die Empfehlung: Sie sollte daher aus dem Planwerk herausgenommen werden.

Dann lassen Sie uns zweigleisig fahren.
Roland Walter, Grüne

Das sah Roland Walter von den Grünen anders. „Wir vergeben ja nichts, wenn wir sie drin lassen. Aber ist sie erst mal raus, dann ist sie für immer raus“, befürchtete er.

Eine Feststellung, der Stadtplaner Markus Reck-Kehl nichts entgegenzusetzen hatte. Dennoch urteilte er: „Der Zug ist endgültig abgefahren.“ Die Linienführung durch die Innenstadt führe über die Badener Brücke und die Kapellenstraße entlang. Es wäre sogar nötig, ein denkmalgeschütztes Gebäude abzureißen. Möglicherweise könnten auch weitere Probleme durch die Pläne, die Bahnhofstraße für den Autoverkehr zu verengen, entstehen.

„Wir sollten uns lieber auf die Wintersdorfer Brücke konzentrieren“, so der Stadtplaner. Gerade mit Blick auf die Standortdiskussion beim zukünftigen Zentralklinikum und die Anbindung des Münchfelds sei dies interessanter. Walters Appell daraufhin: „Dann lassen Sie uns zweigleisig fahren.“

Der Zug ist abgefahren.
Markus Reck-Kehl, Stadtplaner

Eine Strategie, die auch Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch spontan zusagte. Immerhin liefen auch immer noch Untersuchungen zum Thema . „Man muss es ja nicht umsetzen, aber man kann es sich offen halten“, so Pütsch.

Germersheim habe gezeigt, welchen „Zugewinn es bedeutet, wenn eine Bahn durch die Innenstadt fährt“. Letztlich gehe es auch nicht allein darum, die Menschen schnell von Karlsruhe zum Airpark und zurück zu bringen. „Wenn ich will, dass die Leute Bahn fahren, dann muss ich an jeder Milchkanne halten und sie einsammeln.“ Eigentlich gehe es sowieso um die wesentlich größere Bahnverbindung von Karlsruhe über Frankreich nach Saarbrücken.

Der entsprechende Passus wurde schließlich aus der Stellungnahme gestrichen. Sehr zur Freude auch von SPD-Stadtrat Michael Weck, der sich der Meinung Roland Walters anschloss. Am kommenden Montag, 10. Mai, wird die Stellungnahme an den Regionalverband erneut Thema sein, dann im Gemeinderat.

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