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Tanzen im Quadrat

Tanzschule in Rastatt rüstet sich für den Neustart nach Corona

Seit beinahe drei Monaten ist der Betrieb öffentlicher Sportstätten verboten. Eine Wiederaufnahme soll ab Anfang Juni erlaubt sein. Doch noch ist vieles unklar. Unter anderem weiß Ralf Müller von der Tanzschule Müller aktuell nicht, wie viele Tänzer er zeitgleich in seinem Saal unterrichten darf.

Inhaber Ralf Müller unterteilt seine Tanzfläche in kleine Quadrate. Foto: Collet

Seit beinahe drei Monaten ist der Betrieb öffentlicher Sportstätten verboten. Anfang Juni soll die Wiederaufnahme erlaubt sein. Doch noch ist vieles unklar. Unter anderem weiß Ralf Müller von der Tanzschule Müller in Rastatt aktuell nicht, wie viele Tänzer er zeitgleich in seinem Saal unterrichten darf.

Von 300 auf null in einer Sekunde: Seit über 50 Jahren ist die Tanzschule Müller in Rastatt eine Institution. Im Schnitt 300 Paare schweben hier jede Woche durch den Saal. Die Vollbremsung kam Mitte März kam mit der Corona-Verordnung. Rumba, Cha-Cha-Cha, alles war plötzlich verboten. „Wir waren in der Schockstarre, wir haben erst einmal gar nichts mehr gemacht“, sagt Inhaber Ralf Müller.

Wir waren in der Schockstarre
Ralf Müller, Inhaber der Tanzschule Müller

Kommenden Dienstag darf seine Tanzschule langsam wieder beschleunigen. Die Landesregierung erlaubt, private und öffentliche Sportstätten zu öffnen. Also auch Tanzschulen, allerdings unter strengen Auflagen. So müssen unter anderem jedem Paar 40 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Müllers Tanzfläche ist 140 Quadratmeter groß, drei Paare dürften also zeitgleich übers Parkett fegen.

Beim stationären Tanz reichen zehn Quadratmeter

Als Alternative nennt Ralf Müller das sogenannte stationäre Tanzen. „Dafür reichen laut Verordnung zehn Quadratmeter“, sagt er. Tänze wie Rumba oder Rock ‘n’ Roll seien auf einer solch begrenzten Fläche gut möglich. Foxtrott oder Samba wären dagegen schwierig.

Ein chancenloser Foxtrott ist allerdings weniger der Haken an der Sache. Vielmehr ist bislang noch unklar, ob die vorgeschriebene Größe für jedes Paar oder pro Person gilt. „Das wird gerade geklärt. Wir bauen darauf, dass die Fläcepro Paar reicht. Dann könnten wir fünf Paare unterrichten.“ Prophylaktisch hat der Chef seinen Saal bereits mit rot-weißem Klebeband in 3,5 mal 3,5 Meter große Quadrate unterteilt. Zwischen jedem Kästchen gibt es ausreichend Abstand.

Friseure dürfen ihre Kunden sogar berühren. Wir aber dürfen unsere nicht einmal mit anderthalb Metern Abstand unterrichten.
Ralf Müller, Inhaber Tanzschule Müller

Oben genannte Schockstarre löste sich vor einiger Zeit. Tanzlehrer Ralf Müller erkundigte sich nun, ob Einzelunterricht für Paare in Hygiene-Gemeinschaften möglich sei. „Das Gesundheitsamt hat gesagt, im großen Saal spreche nichts dagegen. Auch das Ordnungsamt hat sich sehr für uns eingesetzt“, sagt er. Die Abfuhr sei dann aber aus Stuttgart gekommen. „Für uns ist das schwer nachvollziehbar. Friseure dürfen ihre Kunden sogar berühren. Wir aber dürfen unsere nicht einmal mit anderthalb Metern Abstand unterrichten“, sagt Müller.

Pflastern statt tanzen

Der Chef nutzte fortan die freie Zeit für Pflasterarbeiten im Garten und für die Familie. „Das Privatleben war sehr schön. Wenn ich dabei nicht aufs Bankkonto geguckt hätte, wäre es ein wunderschöner Urlaub gewesen.“ Die roten Zahlen brachten Tanzschul-Inhaber Ralf Müller schließlich dazu, einen Teil seines Geschäfts ins Internet zu verlegen.

„Für unsere Tanzkurse haben wir dann Videos aufgenommen. Am Anfang ging das ganz gut, mit der Zeit wurde das immer weniger.“ Online unterrichtet er noch immer Turniertänzer zwischen zehn und 17 Jahren. Dabei zeigt ein Lehrer in der Tanzschule die richtigen Rumba- oder Samba-Schritte und gibt den Takt vor. Die Kinder im heimischen Wohnzimmer sehen das in ihrem Computer und tanzen zeitgleich mit. Über eine Leinwand überwacht und korrigiert Müllers Frau Olga Haltung und Schritte jedes einzelnen Tänzers.

Der ganze Jugendbereich ist für diese Saison abgeschrieben.
Ralf Müller, Inhaber Tanzschule Müller

Mit Paar-Unterricht will Tanzlehrer Müller in der kommenden Woche loslegen. Vorausgesetzt, das stationäre Tanzen ist wie erhofft erlaubt. Eine Woche später sollen Tanzkreise starten und danach so bald wie möglich auch wieder Grund- und Fortgeschrittenenkurse. Den ganzen Jugendbereich hingegen hat er nach eigenen Worten „für diese Saison abgeschrieben“. Von 300 Paaren wie in alten Zeiten bleibt der Inhaber mit diesem Konzept sowieso weit entfernt. Müller zeigt sich dennoch optimistisch „Wir hoffen jetzt, dass es so bleibt und nicht wieder schlimmer wird. Denn so wäre wenigstens ein Teil der Kosten gedeckt.“

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