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Schattenseiten des Haustier-Booms

Nach dem Haustier-Boom wegen Corona werden die ersten Hunde im Rastatter Tierheim wieder abgegeben

Während viele Tierheime im Land nicht mehr wissen, wohin mit den vielen Hunden, ist im Rastatter Tierheim vom großen Ansturm bislang noch nicht viel zu spüren. Die ersten „Corona-Rückläufer“ sind allerdings schon da.

Die ersten vierbeinigen „Corona-Rückläufer“ sind schon im Rastatter Tierheim gelandet. Silke Vierboom und Saskia Joeres (von links), die beiden Leiterinnen der Einrichtung, befürchten, dass es noch mehr werden könnten. Foto: Ralf Joachim Kraft

Die Corona-Pandemie hatte auch in Rastatt einen Haustier-Boom ausgelöst und vor allem die Nachfrage nach Hunden, aber auch nach Katzen, steigen lassen. Das zeigte eine BNN-Umfrage Anfang des Jahres.

Schon damals stellte sich die Frage, was mit den Tieren geschieht, wenn die Corona-Welle abebbt, die Normalität zurückkehrt, die Menschen nicht mehr so viel zu Hause sind und die Urlaubszeit naht? Sind die tierischen Mitbewohner dann plötzlich fehl am Platz, weil die Zeit fehlt, sich um sie zu kümmern?

Im Rastatter Tierheim, das in der Pandemie ein deutlich erhöhtes Interesse verzeichnete und zuletzt „wie leergefegt“ war, melden sich im Moment eher wenige Menschen mit Interesse an einem neuen Familienmitglied. Der Fokus scheint sich verlagert zu haben. Der von Tierschützern befürchtete Ansturm all derer, die ihre Tiere wieder abgeben wollen, blieb bislang allerdings ebenfalls aus.

Nach dem Homeoffice: Tiere können nicht allein zu Hause bleiben

„Viele haben sich in der Pandemie Hunde zugelegt, die vorher keine hatten“, erzählt die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rastatt und Umgebung, Sibylle Fritz. „Jetzt hat sich nach der Zeit im Homeoffice herausgestellt, dass die Tiere nicht allein zu Hause bleiben können.“

Silke Vierboom, die mit Saskia Joeres das Tierheim leitet, berichtet: „Zwei von aktuell 20 Hunden sind Corona-Rückläufer. Die Leute kamen mit den Tieren nicht zurecht, waren überfordert. Sie hätten die Zeit im Homeoffice besser nutzen und ihnen beibringen müssen, dass sie auch mal für eine gewisse Zeit alleine bleiben.“ Aktuell lebten im Tierheim 46 Katzen, darunter viele Katzenkinder, und 24 Kleintiere aller Art.

Die Leute kamen mit den Tieren nicht zurecht.
Silke Vierboom, Leiterin des Tierheims

Sibylle Fritz hält weitere „Corona-Rückläufer“ für vorstellbar und fürchtet sich davor. Aber auch unabhängig von der Pandemie gebe es viele Anfragen von Leuten, die Hunde abgeben möchten. Oft handele es sich dabei um „Scheidungsopfer“ oder um verhaltensauffällige Vierbeiner. „Wobei die Auffälligkeiten häufig auf Defizite in der Erziehung oder bei der Sozialisation zurückzuführen sind“, erklärt Fritz. Solche Anfragen seien in den vergangenen Jahren fast schon „normal“ geworden.

Da das Tierheim stark daran interessiert sei, die Tiere in ein endgültiges, verantwortungsvolles neues Zuhause zu vermitteln, würden die Lebensumstände der künftigen Halter genau beleuchtet. „Wir möchten sicherstellen, dass Tiere und Besitzer zueinanderpassen.“ Das Tierwohl stehe an erster Stelle. Während die Besitzer ihre künftigen Haustiere hier kennenlernen können, sei das bei Hunden, die aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt werden, nicht möglich.

Starke Nachfrage heizte illegalen Welpenhandel an

Dass die starke Nachfrage nach Hunden den illegalen Handel mit Welpen angeheizt hat, bekam auch das Rastatter Tierheim zu spüren. „Obwohl wir üblicherweise ja weniger der Ort sind, an dem Welpen zu bekommen sind“, sagt Fritz. „Daher laufen viele solcher Anfragen bei uns ins Leere.“

2020 habe es aber auch hier mehr Hundewelpen als gewöhnlich gegeben. „Bei einer Gruppe junger Hunde hatten die Behörden illegalen Welpenhandel aufgedeckt. In solchen Fällen wird der Markt vollkommen skrupellos bedient und bei den künftigen Besitzern gar nichts oder wenig hinterfragt“, berichtet Fritz.

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