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Rettungshundestaffel des DRK

Tierische Bio-Stunde am Rastatter Ludwig-Wilhelm-Gymnasium

Biologie-Stunde mal anders: Spezialisten auf vier Pfoten der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern zeigten den Fünftklässlern eines Rastatter Gymnasiums ihr Können. Einigen Kindern war der tierische Besuch zunächst nicht ganz geheuer.

Erstmal schnuppern: Labrador Rico und Frauchen Kim Rost demonstrierten den Schülerinnen und Schülern des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums, worauf es bei einem Flächensuchhund ankommt. Foto: Hans-Jürgen Collet

„Platz“, „Peng“, „Rolle“ tönt es über den Hof des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums (LWG). Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a haben einen Heidenspaß dabei, Labrador Rico Kommandos zu geben. „Iiiih, ganz schleimig“, ruft ein Junge mit freudigem Ekel, als der junge Hund dann das Belohnungs-Leckerli von seinen Händen schlabbert.

So sieht der Biologieunterricht von Lehrerin Michaela Hirsch aus. Zur Freude ihrer Schüler hat sie die Rettungshundestaffel des Kreisverbands Bühl-Achern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eingeladen. „In der fünften Klasse ist der Hund ein großes Thema, und ich finde, in der Biologie gehört auch etwas Lebendiges dazu“, sagt Hirsch. Natürlich gibt es neben dem Herumtollen mit Rico, Legolas, Ida und Lennardt auch einiges über die Vierbeiner zu lernen.

Ich finde, in der Biologie gehört auch etwas Lebendiges dazu.
Michaela Hirsch, Biologie-Lehrerin

Die ehrenamtlichen Hundeführer des Deutschen Roten Kreuzes Nicole Rheinschmidt, Annette Schmidt und Susanne Jansen vermitteln den Kindern zwei Schulstunden lang, was Hunde und ihren berühmten Spürsinn ausmacht, wie die Arbeit der Staffel aussieht und wie man Hunde artgerecht hält. Mit zum Team gehört auch LWG-Oberstufenschülerin Kim Rost, die den Besuch vermittelt hat.

Vorsicht Rettungshunde: Ein Warndreieck kündigt den Besuch der Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern auf dem Schulhof an. Foto: Hans-Jürgen Collet

Rost hat Rico schon als Welpen angemeldet. Das ist üblich, damit die Hunde in jungen Jahren alle Kommandos verinnerlichen. Die Steinmaurerin fand die Arbeit der Rettungshundestaffel immer schon interessant, erzählt sie.

Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern ist in ganz Mittelbaden im Einsatz

Durch die Lockdowns während der Corona-Pandemie hatte Rost viel Zeit, sich mit ihrem inzwischen eineinhalbjährigen Hund zu beschäftigen: „Rico ist sehr lernwillig und ich wollte mit ihm eine sinnvolle Aufgabe haben. An der Arbeit mit der Rettungshundestaffel hat er viel Spaß.“ Enthusiasmus ist eine der Voraussetzungen für einen Rettungshund. Außerdem muss er menschen- und hundefreundlich sowie körperlich leistungsfähig sein und eine gute Nase haben.

Man kann auch einen Dackel ausbilden.
Susanne Jasper, Hundeführerin

Die Rasse ist Nebensache. Hundehalterin Susanne Jasper sagt: „Man kann auch einen Dackel ausbilden.“ Der sei aber etwas langsamer in unwegsamem Gelände als seine langbeinigen Artgenossen. „Die meisten Menschen finden es zudem angenehmer, von einem flauschigen Labrador gefunden zu werden, statt beispielsweise von einem Schäferhund.“

Im September haben Labrador-Pointer-Mischling Rico und Frauchen Rost den Eignungstest bestanden. Nun sind sie in der sechsmonatigen Probezeit. Der nächste große Schritt ist die Rettungshundeprüfung.

Jeden Dienstagabend nach der Schule gehen die beiden auf den Übungsplatz. Dort trainieren sie vor allem Gehorsam und Gerätearbeit und machen Anzeigeübungen. Samstags geht es ins Gelände, wo die Hunde in Waldstücken, Kieswerken und auf Firmengeländen üben, Menschen aufzuspüren. Zum Erlernen von Grundkommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ geht Rost mit Rico zusätzlich donnerstags in die Hundeschule. Das könne neben der Schule manchmal etwas stressig werden, sagt die 18-Jährige. Aber die Freude am Ehrenamt sei ihr das wert.

Ein Hund hat 220 Millionen Riechzellen, der Mensch nur fünf Millionen

Auch der Vortrag über Hunde für die Kinder macht ihr Spaß. Immer wieder fragt sie die Schüler nach ihrer Einschätzung: „Was ist der stärkste Sinn bei einem Hund?“ Die Kinder haben das richtige Näschen. Am ausgeprägtesten ist der Geruchssinn. Ein Hund habe 220 Millionen Riechzellen, ein Mensch nur fünf Millionen, erklärt Rost.

Neugierig umringt: Australian Labrador Lennardt ist besonders beliebt bei den Fünftklässlern wegen seines flauschigen Fells. Foto: Hans-Jürgen Collet

Dass Rico auch ansonsten körperlich topfit ist, zeigt er auf dem Sportplatz. Dort fängt er seinen Spielzeugknoten aus der Luft und die Kinder jagen ihm hinterher. Auch das Wettrennen zwischen Schülern und Hund sorgt für strahlende Gesichter, obwohl Rico der klare Sieger ist.

Dann dürfen sich zwei Schüler hinter dem Sportgeräte-Schuppen für die Suchübung verstecken. Alle anderen stellen sich hinter den Hundeführer und seinen Vierbeiner. Susanne Jasper legt ihrem Australian Labrador Lennardt eine Kenndecke an. Dadurch ist er als Rettungshund gekennzeichnet. Die integrierte Glocke, das Licht und die Reflektorstreifen dienen dazu, dass die Hunde besser gesehen werden.

„Such“, sagt Jasper – und Lennardt rennt los, um zwei Freiwillige zu finden. Er zieht Kreise über den Sportplatz und versucht, die Witterung aufzunehmen. Im Vergleich zum sogenannten Mantrailer suche der Flächenhund keinen Individualgeruch eines bestimmten Menschen, sondern den Geruch Mensch, erklärt Kim Rost. Das heißt, der Hund zeigt seinem Hundeführer jeden Menschen an, der sich in dem Gebiet aufhält.

Die Kinderrucksäcke auf einer Bank irritieren Spürnase Lennardt kurz, doch dann hat er die beiden Freiwilligen gefunden und bellt, bis Jasper zur Fundstelle kommt.

Unsere Flächenhunde werden beispielsweise eingesetzt bei der Suche nach Kindern, die sich verlaufen haben.
Kim Rost, Hundeführerin und LWG-Schülerin

Lehrerin Michaela Hirsch ist zufrieden mit der Unterrichtseinheit: „Vorher hatten fünf Kinder starke Angst vor Hunden. Jetzt sagten drei von ihnen, dass sie keine mehr haben. Der Hundestaffelbesuch hat sich also allein deshalb schon gelohnt.“

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