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Andere Kreise machen´s anders

Trotz Druck der Bevölkerung: Warum Kreis Rastatt nur kreisweite Corona-Zahlen vermeldet

Das Landratsamt Rastatt gibt täglich nur einen Gesamtüberblick, wie viele Menschen im Landkreis am Coronavirus erkrankt sind. Die umliegenden Landkreise veröffentlichen dagegen detaillierte Zahlen über die Fällen in den einzelnen Kommunen. Die Rastatter Behörde will seiner Linie aus Gründen des Datenschutzes treu bleiben. Allerdings wächst der Druck aus der Bevölkerung.

Eine Behörde im Notbetrieb: Im Landratsamt Rastatt laufen während der Corona-Krise die Fäden zusammen. Die Behörde informiert die Öffentlichkeit täglich über die aktuellen Infektionszahlen, gibt aber keine Details zu einzelnen Kommunen bekannt. Foto: Hans-Jürgen Collet

60 Fälle in Kehl, 33 in Offenburg, acht in Rheinau, einer in Sasbachwalden: So detailliert sah die Corona-Statistik in der Ortenau am Donnerstag aus. Der Nachbarlandkreis veröffentlicht die Zahlen täglich aufgeschlüsselt für alle Kommunen.

Landratsamt Rastatt will so weitermachen

Genauso verfahren die Landkreise Calw, Freudenstadt, Karlsruhe und der Enzkreis. Das Landratsamt Rastatt gibt dagegen nur Zahlen für den kompletten Landkreis und den Stadtkreis Baden-Baden bekannt.

Stand Freitag: 446 Infizierte, ein weiterer Todesfall. Von dieser Linie will die Behörde nicht abweichen – „auch wenn der Druck steigt“, wie Pressesprecherin Gisela Merklinger sagt.

Durch dieses Vorgehen solle die Anonymität der Patienten bestmöglich gewahrt bleiben. „Wir wollen die Betroffenen schützen, auch vor Diskriminierung“, sagt Merklinger. Gerade in kleinen Kommunen bestünde die Gefahr, dass Gerüchte über mögliche Erkrankte die Runde machten. Sollte es in einer Kommune nur wenige oder überhaupt keine Fälle geben, könne das außerdem zu einer „gefährlichen Unbekümmertheit“ führen. Darüber hinaus bleibe es den Kommunen überlassen, selbst Daten zu veröffentlichen.

Nur wenige Kommunen veröffentlichen eigene Zahlen

Von dieser Möglichkeit Gebrauch machen allerdings nur wenige Gemeinden. Dazu gehört Ottersweier, wo die Verwaltung in regelmäßigen Abständen über die Fallzahlen informiert. „Ich sehe die Anonymität voll gewahrt, weil wir nur absolute Zahlen nennen“, sagt Bürgermeister Jürgen Pfetzer. Im Rathaus seien von Anfang an Anfragen eingegangen, ob es in dem Ort schon Infizierte gebe.

Er halte es für ein Stück Transparenz, die Zahlen jeden Tag online zu stellen, zumal der benachbarte Ortenaukreis es auch tue. „Und wir bekommen Lob dafür“, schildert der Bürgermeister positive Erfahren. Die Verwaltung wolle nicht dramatisieren, sondern die Bürger informieren und ihnen auch vor Augen führen, dass Corona vor keiner Gemeinde Halt mache und deshalb die Einhaltung der Hygieneregeln und der Kontaktsperre wichtig seien.

Auch Iffezheim veröffentlicht die Zahlen auf der Homepage und im Gemeindeblatt. Bürgermeister Christian Schmid hat sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem „Gerüchte im Ort im Umlauf“ gewesen seien. Er will mit Fakten ebenfalls Transparenz schaffen. Allerdings hat er auch Verständnis für die Informationspolitik des Landratsamts. „Ich hatte aber das Gefühl, man fährt besser, wenn man die Zahlen kommuniziert“, sagt er.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Ganz schlüssig über die richtige Strategie scheint sich das Gemeindeoberhaupt noch nicht zu sein: „Ich hinterfrage die Entscheidung auch.“ Die Veröffentlichung im Gemeindeblatt habe außerdem den Nachteil, dass die Zahlen darin schon am Erscheinungstag veraltet seien.

Das Virus ist überall
Gisela Merklinger, Pressesprecherin des Landratsamts Rastatt

Das Landratsamt will an seiner Informationspolitik festhalten. „Das ist unsere Linie. Wir halten das für den richtigen Weg“, sagt Merklinger. Sie berichtet aber auch von einem steigenden Druck seitens der Bürger. Mittlerweile gebe es zahlreiche Anrufer, die detaillierte Informationen einfordern würden.

Doch das bestärkt die Behörde eher noch in ihrer Entscheidung. Denn die Menschen würden sich nicht nur dafür interessieren, ob und wie viele Fälle es in der jeweiligen Gemeinde gebe, sondern auch für weitere Details wie Straßen oder sogar Häuser. Aus Sicht von Merklinger ist es fragwürdig, ob die Publikation von Zahlen einzelner Kommunen überhaupt einen Nutzen hat. „Das Virus ist überall. Wichtig ist, es im gesamten Landkreis einzudämmen.“

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