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Klinik-Ambulanz geschlossen

Unübersichtliche Situation bei Corona-Testmöglichkeiten im Raum Rastatt

Die Corona-Ambulanz des Klinikums Mittelbaden war bislang die zentrale Anlaufstelle für Tests in Baden-Baden und dem Raum Rastatt. Doch am Montag hat das Klinikum das Angebot eingestellt. Stattdessen sollen jetzt die Hausärzte testen. Die Situation für die Patienten ist unübersichtlich.

Vorreiter in der Region: Die Ambulanz im DRK-Haus in Muggensturm ist schon seit Mitte März in Betrieb und nimmt mittlerweile auch Abstriche. Foto: Hans-Jürgen Collet

Das Klinikum Mittelbaden hat am Montag überraschend seine Corona-Ambulanz in der Klinik in Baden-Baden-Balg geschlossen. Seit dem 7. März war das die zentrale Anlaufstelle für Patienten in der Region. Aus Sicht des Klinikums obliegt die Verantwortung für die Tests nun den Hausärzten. Doch die Situation ist unübersichtlich.

Laut Klinikumssprecherin Sybille Müller-Zuber waren zwei Gründe ausschlaggebend, die Ambulanz zu schließen. „Wir müssen unsere Kräfte bündeln und uns auf die wachsende Anzahl stationärer Patienten konzentrieren“, sagt sie.

Derzeit würden in der Klinik 44 Covid-19-Patienten behandelt, zwölf davon auf der Intensivstation.

Niedergelassene Ärzte stehen vor großer Herausforderung

Der zweite Grund sei eine Limitierung der Testkapazitäten gewesen. Das zuständige Labor habe dem Klinikum mitgeteilt, dass nur noch 30 Abstriche pro Tag möglich seien. „Damit können wir keine Ambulanz mehr betreiben“, sagt Müller-Zuber. In Balg seien bislang bis zu 100 Menschen pro Tag getestet worden. Die Aufgabe liege nun „in der Hand der niedergelassenen Ärzte“.

Diese sehen sich vor einer großen Herausforderung. Zwar gibt es mittlerweile in mehreren Kommunen im Landkreis eigens eingerichtete Fieber-Ambulanzen, doch zum Großteil fanden dort bislang keine Tests statt. Die Patienten wurden stattdessen nach Balg überwiesen.

Zehn Kittel reichen für zehn Patienten
Michael Enderle, Arzt aus Ötigheim

So bietet die Ötigheimer Gemeinschaftspraxis Michael Enderle und Christoph Müller-Mall eine Notfallsprechstunde in einem Container an. „Wir haben uns ganz gezielt gegen Abstriche entschieden“, sagt Michael Enderle. Hintergrund sei der Mangel an Schutzkleidung. Wenn er Patienten teste, müsste er sich im Anschluss immer umziehen. „Zehn Kittel reichen dann für zehn Patienten“, sagt Enderle.

Er schicke Verdachtsfälle nun zum Technischen Hilfswerk nach Baden-Baden in die Wörthstraße, wo es eine Drive-in-Teststation auf das Coronavirus gibt . Er gehe davon aus, dass die Kapazitäten dort ausreichend seien.

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Auch zum Start der Ambulanz in der Kuppenheimer Wörtelhalle in der vergangenen Woche teilte Bürgermeister Karsten Mußler mit, dass dort keine Tests gemacht würden. Er zeigte sich gegenüber unserer Redaktion irritiert darüber, dass die Schließung der Anlaufstelle in Balg nicht vorab kommuniziert worden sei.

Aus seiner Sicht sei es wichtig, nun eine Nachfolgelösung „sauber zu organisieren“. In diesem Zusammenhang sei er auch verwundert, dass es bislang in der Großen Kreisstadt Rastatt kein Angebot gebe.

Im Verdachtsfall: Einen Corona-Abstrich kann die Praxis machen – allerdings nur im begründeten Fall und vor der Praxistür. Foto: Waidelich

Stadt Rastatt richtet Fieber-Ambulanz wegen des Coronavirus in der Reithalle ein

Das soll sich allerdings in dieser Woche ändern. Wie die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg erklärt, seien verschiedene Standorte für eine Fieber-Ambulanz geprüft worden. Die Entscheidung sei nun auf die Reithalle gefallen. Unter Federführung der Ärztin Christine Stiepak werde der Betrieb am Mittwoch, 1. April, starten. Allerdings seien dort ebenfalls nur Untersuchungen und keine Tests geplant.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verweist auf Anfrage auf zwei Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis, eine Hausarzt- und eine Kinderarztpraxis. Die KV habe vergangenen Freitag alle Ärzte im Landkreis darüber informiert, dass sie ihre Patienten mit den entsprechenden Symptomen dorthin überweisen.

Die Namen der Ärzte hält die KV unter dem Deckel. „Allerdings möchten wir die Adressen dieser beiden Praxen nicht veröffentlichen. Die betroffenen Patienten sollen sich bitte erst an ihren Hausarzt wenden, der sie dann überweist“, sagt eine Sprecherin.

In Muggensturm nehmen die Ärzte derweil das Heft selbst in die Hand. Dort war im DRK-Haus Mitte März die erste Corona-Ambulanz in der Region in Betrieb gegangen. „Keine Abstriche“ stand zum Start auch dort an der Tür. Doch das hat sich seit vergangenem Montag geändert. Wie es aus dem Rathaus heißt, gibt es mittlerweile auch Tests in den Räumlichkeiten – allerdings nur für Bürger aus Muggensturm und Bischweier.

Wie Louis Maier, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsverbandes Muggensturm, erklärt, habe das Rote Kreuz mehr als 1.000 Tests angeschafft. Täglich würden sieben bis zehn Abstriche genommen, streng nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts.

Da der Ortsverband sich schon zur Fastnachtszeit um Schutzkleidung bemüht habe, sei diese noch ausreichend vorhanden. Die Planung für die Ambulanz laufe mittlerweile bis Ende Juni – „auch wenn wir hoffen, dass die Pandemie nicht so lange dauert“.

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