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Upcycling statt Kittelschurz: Landfrauen des Bezirks Rastatt/Bühl wollen jüngere Zielgruppe ansprechen

Die Landfrauen des Bezirks Rastatt/Bühl wollen mit der Zeit gehen. Die Verantwortlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auch jüngere Frauen zu begeistern.

Gemütliches Beisammensein: Die Landfrauen bei ihrem Event Türkisches Kochen
Die Landfrauen bei ihrem Event Türkisches Kochen. Die Verantwortlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auch jüngere Frauen zu begeistern. Foto: Jennifer Lehoux-Wäldele

Landfrauen: Das klingt nach Kittelschurz, Feldarbeit und Kuchenbacken. Und nach grauen Haaren. Der Landfrauenverein Rastatt/Bühl will das ändern. Dort geht es auch um Instagram, Lunchbags und Upcycling. Die Verantwortlichen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auch jüngere Frauen zu begeistern.

Jennifer Lehoux-Wäldele und Yvonne Zick teilen sich den Vorstand des Landfrauen-Bezirks Rastatt/Bühl. Der Verein ist offen für alle Frauen, die auf dem Land leben. Als der Verein vor 41 Jahren gegründet wurde, mussten die Mitglieder noch aus der Landwirtschaft kommen. Das ist nicht mehr nötig. Die Landfrauen müssen mit der Zeit gehen.

Zick und Lehoux-Wäldele haben vor zwei Jahren das Ruder übernommen. Sie wollen den Verein stärker in die Öffentlichkeit rücken. Zick sagt: „Man muss sich zeigen.“ Der Verein sei in einem Dornröschenschlaf gelegen. Mit einem Landfrauenmarkt im vergangenen Oktober in Neuweier hätten sie sich „das erste Mal in großen Stil gezeigt“. Da der Markt so erfolgreich gewesen sei, wollen sie ihn in diesem Jahr wiederholen.

Landfrauen des Bezirks Rastatt/Bühl wollen auch jüngere Frauen begeistern

Um den Verein in die Zukunft zu führen, müssen sie jüngere Frauen gewinnen. „Wir wollen den Verein am Leben erhalten“, sagt Zick. Sie selbst ist 45 Jahre alt, Lehoux-Wäldele 52. Damit senken sie den Altersdurchschnitt der Gruppe. Sie wollen Themen aufgreifen, die für Jüngere attraktiv sind. Seitdem sie das Sagen haben, ist der Landfrauenverein auf Instagram.

Schon seit den Anfängen des Vereins dabei ist Angelika Drützel. Die 63-Jährige ist Gründungsmitglied und sagt: „Früher war die Geselligkeit wichtig.“ Damals seien die Höfe im Landkreis sehr weitläufig verteilt gewesen. Ein einzelner Ortsverein hätte wenig Sinn ergeben. Deshalb fanden sich die Frauen auf Bezirksebene zusammen: „Das Bedürfnis danach ist groß gewesen“, sagt Drützel.

Wichtig ist es, etwas Interessantes zu machen.
Angelika Drützel, Gründungsmitglied

Früher seien viele ältere Frauen gekommen, um sich auszutauschen. Heute müsse der Verein mit vielen anderen Freizeitangeboten und dem Internet konkurrieren: „Wichtig ist es, etwas Interessantes zu machen.“

Der Bezirk bietet ein breites Programm mit Ausflügen, Lehrfahrten, Vorträgen und Seminaren. Die Teilnehmerinnen erwarten zum Beispiel Yoga, Gin-Tastings, Nähen mit Kindern und Back- oder Kochkurse. Lehoux-Wäldele sagt: „Im Landfrauenverband ist alles möglich.“ Der Vorstand stelle sich bei der Konzeption die Frage: „Welchen Mehrwert möchte man bieten?“

Die Landfrauen engagieren sich auch politisch

Die Landfrauen engagieren sich auch politisch. Sie haben schon Abgeordnete eingeladen, um mit ihnen zu diskutieren. Es ging um Themen, die Frauen auf dem Land interessieren: medizinische Versorgung, die Rückkehr des Wolfs oder nachhaltige Lebensmittel an Schulen.

Auch das Vorstands-Duo ist politisch aktiv. Zick ist Mitglied des Gemeinderats in Bühl und Lehoux-Wäldele des Ortschaftsrats im Rebland Baden-Baden.

Die Orts- oder Bezirksvereine der Landfrauen werden in Dachverbänden zusammengefasst. In Baden-Württemberg gibt es drei große Verbände. Um die Frauen im Bezirk auf Rollen in der Kommunalpolitik vorzubereiten, bietet der Dachverband Seminare an. Dort bekommen die Frauen Informationen, was in der Kommunalpolitik auf sie zukommt.

Außerdem bietet der Verband Schulungen für Betriebe an. Dort lernen die Frauen heutzutage auch, wie sie Videos mit dem Handy filmen, eine Homepage bauen oder einen Online-Shop aufziehen. Über eine solche Schulung des Verbandes ist auch Zick zu den Landfrauen gekommen: „Nach einer Seminarteilnahme ist man automatisch Mitglied.“

Lehoux-Wäldele ist durch eine Arbeitskollegin auf den Verein aufmerksam geworden. Sie fand das Angebot interessant. Schnell engagierte sie sich auch im Vorstand.

Sie und Zick tragen im Bezirk Rastatt/Bühl Verantwortung für rund 150 Mitglieder. Im Verband Südbaden sind 18.000 Frauen organisiert. Trotz angestaubtem Image sind die Landfrauen in Deutschland noch immer eine Macht: Bundesweit gibt es von ihnen eine halbe Million.

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