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Gefängnis- und Geldstrafe

Urteil am Amtsgericht Rastatt: Bewährung für Murgtäler wegen Kinderpornografie

Ein Murgtäler stand in Rastatt wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie vor Gericht. Die Vorwürfe räumte er ein und wurde nun verurteilt. Der Richter rät ihm, sich fachliche Hilfe zu holen.

Im Sichtungsraum: Frank Z. (rechts) guckt einem Kollegen beim Sichten von beschlagnahmtem Material über die Schulter.
Ermittler finden Fotos und Filme: Die Dateien des Verurteilten befanden sich auf seinem Handy und zwei Computersticks. (Symbolfoto) Foto: Andrea Fabry

Wortkarg gab sich der Angeklagte, ließ seinen Verteidiger sprechen, soweit es denn vor dem Amtsgericht Rastatt überhaupt irgendetwas gegen den harten Vorwurf zu verteidigen gab. Kinder- und Jugendpornografische Schriften hat er besessen und verbreitet, darin waren sich die Verfahrensbeteiligten einig. Der Beschuldigte räumte ein, kassierte dafür am Ende eine einjährige Gefängnisstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Eine eher ungepflegte Erscheinung war vor Gericht erschienen. Einsilbig antwortete der Murgtäler auf die Fragen des Vorsitzenden und malte damit von seiner Person kein wirklich positives Bild. Die Schule habe er besucht, sich dann aber rund fünf Jahre Zeit gelassen, um eine Lehre zu absolvieren. Der Arbeitgeber habe ihn nicht übernommen.

Auch habe er sich vom Elternhaus nie gelöst, eine Beziehung sei er nicht eingegangen. Er habe auch in Zukunft kein Interesse daran, war dem Protokoll der Gerichtshilfe zu entnehmen, mit welcher der Angeklagte im Vorfeld ein Telefonat habe führen müssen.

Eines Tages habe er sich offenbar über den Computer seines Arbeitgebers eine kinderpornografische Datei heruntergeladen. Die Aufnahme sorgte dafür, dass der Mann in den Fokus einer international agierenden Ermittlergruppe geriet, die ihre Erkenntnisse jeweils an die nationalen Behörden weitergibt.

Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung wurden im Juni vergangenen Jahres neben der Spielkonsole des Angeklagten auch sein Handy sowie zwei Computersticks beschlagnahmt. Auf dem Mobiltelefon und den beiden mobilen Speichermedien fanden die Fachleute des Offenburger Polizeipräsidiums weitere Fotos, aber auch Filmsequenzen, auf denen zum Teil schwerer sexueller Missbrauch von Kindern zu sehen ist.

Von geschlechtsbetonenden Körperhaltungen und der Zurschaustellung in unnatürlichen Positionen hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bei der Verlesung der Anklageschrift gesprochen. Die Rede war obendrein von wirklichkeitsnahen Computersimulationen, wobei die Opfer im Alter von geschätzten vier bis fünf Jahren waren.

Nach sehr detaillierten Beschreibungen der aufgefundenen Fotodateien wurde auf Nachfrage des Vorsitzenden allseits auf die Inaugenscheinnahme der Aufnahmen verzichtet. Der Angeklagte räumte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ein.

Richter rät dem Täter aus dem Murgtal zu fachlicher Hilfe

Eine einjährige Gefängnisstrafe gab es dafür am Ende. Diese wurde auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Obendrein muss der Murgtäler die Kosten tragen und 1.000 Euro Geldstrafe leisten. Denn schließlich, so betonte der Vorsitzende, ist er laut Bundeszentralregister nicht zum ersten Mal in diesen Dingen auffällig geworden. Als Wiederholungstäter erhielt er die Auflage, in den kommenden sechs Monaten zehn Gespräche bei der Forensischen Ambulanz zu absolvieren.

Man müsse merken, dass man etwas Blödsinniges getan habe, begründete der Vorsitzende die Geldstrafe und hielt auch mit ernsten Ratschlägen nicht hinterm Berg. Noch einmal werde er wohl kaum mit einer Bewährung davonkommen. Er könne getrost davon ausgehen, dass er im Gefängnis nichts zu lachen haben werde, sollte die Strafe aufgrund von Verstößen gegen die Bewährungsauflagen vollstreckt werden.

Der Richter riet dringend dazu, sich bei der Forensischen Ambulanz fachliche Hilfe zu holen, damit er nicht wieder rückfällig werde. Denn inzwischen sei die Verbreitung von Kinderpornografie zum Verbrechen hochgestuft worden, ermahnte er abschließend.

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