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Mitglieder des Theatervereins verteilen 30.000 Flyer und rufen zur Unterstützung auf

Volksschauspiele Ötigheim starten Spendenkampagne

Mit einer Flyer-Verteilaktion und der Präsentation und Veröffentlichung des Kampagnenfilms haben die Volksschauspiele Ötigheim am Samstag eine Spendenaktion in eigener Sache gestartet.

30.000 Flyer für die MÖBS-Gemeinden: Rund 60 Personen beteiligten sich am Samstag zum Start der Spendenkampagne der Volksschauspiele Ötigheim an einer Flyer-Verteilaktion. Vom Tellplatz aus strömten sie aus, um Spender zur Unterstützung des „Wunders von Ötigheim“ zu gewinnen. Foto: Ralf Joachim Kraft

An der Zufahrt zu Deutschlands größter Freilichtbühne begrüßt seit zwei Jahren eine Gruppe von sechs bunt bemalten Stelen aus Holz die Besucher der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ). Die von Ötigheimer Künstlern geschaffenen Holz-Gesellen blicken in diesen Tagen ein wenig traurig drein. Sie tragen Mund-/Nasenschutz und stehen symbolisch für das, was sich aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Sommer auf dem Tellplatz abspielen wird. Nämlich gar nichts, abgesehen von den bereits gestarteten Proben der Chöre und dem für Oktober geplanten Arbeitsbeginn unter Corona-Bedingungen.

Im Bereich des Foyers bei den Kassen, von wo aus in normalen Zeiten bis zu 100.000 Zuschauer jährlich auf den Tellplatz strömen und dort 4.000 überdachte Sitzplätze vorfinden, wuchert bereits das Unkraut. „Es tut schon weh das zu sehen. Wissen Sie, genau heute wäre die Premiere des Kinderstücks gewesen?“, sagt Johannes Tüg, Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit, bei einem besonderen Termin am Samstag.

60 Personen verteilen 30.000 Spendenflyer

Von gähnender Leere kann zumindest an diesem sonnigen Morgen nicht die Rede sein. Rund 60 Personen jeden Alters haben sich im Kassenbereich versammelt und begeben sich an vier große Tische, die dort für die MÖBS-Gemeinden Muggensturm, Ötigheim, Bietigheim und Steinmauern aufgestellt worden sind. Die Volksschauspiele starten just in diesem Moment ihre Flyer-Verteilaktion für ihre Spendenkampagne, die Ende Juni über die sozialen Medien angekündigt wurde.

Die Helfer erhalten letzte Instruktionen und decken sich mit rund 30.000 Flyern ein, die sie in diesen Tagen in den MÖBS-Gemeinden und auch außerhalb verteilen werden. Kurz darauf wird der neue Kampagnenfilm veröffentlicht, in dem sich alles um die Zukunft der Volksschauspiele mit ihren bis zu 600 Ehrenamtlichen pro Saison dreht. „Spendenaktionen wie diese sind für uns wichtig, aber auch mit einem Riesenaufwand verbunden. Daher und auch um eine gewisse Kontinuität und Planbarkeit zu erreichen, versuchen wir mit der professionellen Hilfe eines Fundraising-Experten auch langfristige Partner, Förderer und Unterstützer zu gewinnen“, sagt der Geschäftsführende Vorstand Maximilian Tüg, präsentiert den Flyer und dann den Kampagnenfilm.

Corona-Schutz für Holz-Gestalten: Selbst die Figuren an der Zufahrt zur Freilichtbühne Ötigheim tragen in diesen Tagen einen Mund- und Nasenschutz. Foto: Ralf Joachim Kraft

Hier wie dort geht es um das „was uns verbindet“, um die Volksschauspiele und ihr Publikum. Dort, wo Hunderte von Menschen vor und hinter der Bühne wirken, um das einzigartige „Wunder von Ötigheim“ Gestalt werden zu lassen, gibt es im Corona-Sommer kein Lachen, Mitfiebern und Staunen. Keine Ohs und Ahs, keinen „Wilhelm Tell“, der 2021 statt seines 110- sein 111-jähriges Bühnenjubiläum feiern wird, keinen „Zauberer von Oz“ und auch keine Konzerthighlights.

Die Kosten für den Erhalt des Betriebs und das Aus- und Weiterbildungsangebot für mehr als 300 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region werden 2020 durch keinerlei Eintrittsgelder gedeckt.
Sylvia M. Felder, Regierungspräsidentin und Vizepräsidentin der Josef-Saier-Stiftung

Den Kopf in den Sand stecken die Verantwortlichen des Theatervereins nach der Absage des Theatersommers, der ins Folgejahr verschoben wird, freilich nicht. Ihren Spenden-Appell richten sie direkt ans Publikum: „Helfen Sie uns durchzuhalten, damit der Betrieb 2021 wieder starten kann.“

Regierungspräsidentin Sylvia Felder, zugleich Vizepräsidentin der Josef-Saier-Stiftung (JSS), beteiligt sich an dem Aufruf an potenzielle Spender und Sponsoren: „Die Kosten für den Erhalt des Betriebs und das Aus- und Weiterbildungsangebot für mehr als 300 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region werden 2020 durch keinerlei Eintrittsgelder gedeckt“, sagt sie und fügt hinzu: „Diese Verluste belasten die Volksschauspiele stark.“

Stand heute fehlen dem Verein voraussichtlich rund 750.000 Euro

Stand heute fehlen dem Verein voraussichtlich rund 750.000 Euro. „Auch ein im besten Fall ausverkaufter Theatersommer 2021 wird diesen Fehlbetrag nur annähernd ausgleichen können“, sagt Maximilian Tüg. Die vom Gemeinderat eingeräumte Bürgschaft in Höhe von einer Million Euro, die es ermöglicht hat, ein variables Darlehen zu günstigen Kommunalkonditionen auszuhandeln, helfe das Jahr zu überbrücken. Bis jetzt musste nur ein Teil davon abgerufen werden, „weil viele Menschen ihre Tickets für 2021 behalten“.



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