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Unruhe im Werk

Was bedeutet das drohende Aus der A- und B-Klasse für die Rastatter Mercedes-Fabrik?

Mercedes will künftig auf die A-Klasse verzichten. Die Nachricht löst einmal mehr Unruhe in Rastatt aus. Was bedeutet das drohende Aus der A- und B-Klasse für das Werk?

Auto in Werkstatt
Die Produktpalette im Rastatter Benz-Werk kommt auf den Prüfstand. Foto: Hans-Jürgen Collet

Dass die Kompaktwagen bei Mercedes längst nicht mehr unter einem so guten Stern stehen wie einst, daraus machte selbst Mercedes-Chef Ola Källenius zuletzt keinen Hehl. Während aber in erster Linie über das Aus der B-Klasse spekuliert wurde, ist nun auch vom Verzicht auf die A-Klasse die Rede. Just 25 Jahre, nachdem der erste „Baby-Benz“ in Rastatt vom Band gelaufen ist, wird über eine Streichung der Produktpalette gesprochen.

Die Nachricht löst einmal mehr Unruhe an der Wiege der Kompakten aus. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel äußerte am Montag in einer Pressemitteilung die Erwartung, „dass man im Werk alles tun wird, um den Zuschlag für neue Produkte aus der Mercedes-Palette zu erhalten“. Und: Der Konzern müsse sich „zu Rastatt bekennen“.

Der mittelbadische CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker zeigte sich „irritiert“ und forderte eine „Kompensation“ für das Werk.

Rund 6.500 Beschäftigte arbeiten im hiesigen Benz-Werk; hinzu kommen mehr als 1.000 weitere Mitarbeiter bei Zulieferern direkt im Industriepark und im Raum Rastatt. Zuletzt war die Fabrik ohnehin gebeutelt, weil die Produktion immer wieder mangels Produktionsteilen stockte.

Oberstes Ziel der Gewerkschaft: Zahl der Arbeitsplätze stabil halten

Noch vor fünf Jahren wurde Euphorie verbreitet, als Mercedes ankündigte, den Industriepark in den Süden (Rastatter Bruch, Ottersdorfer Straße) zu verlagern und im Südosten (entlang der Oberwaldstraße) zu expandieren. Für diese Pläne holte das Unternehmen sogar die Umweltverbände ins Boot. Ziel war es, Platz zu schaffen für die Produktion von Elektroautos.

2019 dann ein überraschender Stopp der Pläne. Der Autobauer beugte sich dem wirtschaftlichen Druck und legte seine Expansionspläne für das Rastatter Werk vorerst auf Eis. Man wolle bis auf Weiteres auf Nachverdichtung auf dem Werksgelände setzen, um den Boden für die Produktion von Elektroautos zu bereiten.

Im Kreise der Arbeitnehmervertreter und der IG Metall übt man sich in der jetzigen Phase des Umbruchs in Zurückhaltung – nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil noch viele Fragen offen sind und auch aktuell Verhandlungen laufen.

Bei bevorstehenden Modellwechseln ist die Nervosität ohnehin immer groß; die dürfte jetzt, da Mercedes voll auf Luxusautos setzen will, nicht geringer sein. Werden mit dem EQA und dem EQB auch elektronische Kompaktautos gestrichen? Und was wird aus der Identität des Rastatter Werks als „Kompetenzzentrum für Kompaktwagen“ im Konzern?

Dass E-Autos nach Rastatt kommen, davon geht man bei der Gewerkschaft fest aus. Bereits jetzt, so ist zu hören, werde das Werk dafür weiter gerüstet. Oberstes Ziel der Gewerkschaft: Die Zahl der Arbeitsplätze stabil halten.

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