Skip to main content

Budenzauber trotz Corona

Was die Besucher auf dem Drive-In-Weihnachtsmarkt in Rastatt erwartet

Weil sie mit ihrer Firma für Eventtechnik seit März kaum noch Aufträge haben, haben Tobias und Sarah Petraschko im Rastatter Industriegebiet einen Drive-In-Weihnachtsmarkt auf die Beine gestellt. Nun droht ihm schon wieder das Aus.

Kunstschnee und Funkellichter: Beim Drive-In-Winterzauber in der Lochfeldstraße gibt es richtig viel Weihnachtstimmung zum Vorbeifahren. Foto: Elisa Walker

Ein eher unscheinbares Schild mit der Aufschrift „Winterzauber“ führt Autofahrer auf ein Hallengelände im Rastatter Industriegebiet. Hat man die unbeleuchtete Halle 1 umrundet, bietet sich Besuchern freitags und samstags ab 18 Uhr ein überraschendes Bild. Zwischen den Gebäuden leuchtet ein einladendes kleines Winterwunderland.

Update

Durch die Corona-Verordnung ab 16. Dezember wurden die Öffnungszeiten angepasst. Am Wochenende vor Weihnachten öffnet der Drive-in-Weihnachtsmarkt Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

Fünf bis 15 Minuten dauert die Fahrt durch den Drive-In, bei dem die Gäste mit ihrem Auto direkt vor die Buden fahren und bequem aus dem Seitenfenster heraus weihnachtliche Speisen und Getränke bestellen können.

Das Wichtigste ist jetzt, dass wir überleben, bis es wieder losgeht.
Tobias Petraschko, Weihnachtsmarkt-Betreiber

Die Idee für den Corona-konformen Weihnachtsmarkt hatte das Rastatter Ehepaar Tobias und Sarah Petraschko, die gemeinsam die Firma T.O.B Eventtechnik leiten. Bis vor einer Woche habe man noch gehofft, dass der Weihnachtsmarkt der Barockstadt doch stattfinden kann, für den die Firma die Bühne stellen sollte.

„Seit März hängt man in unserer Branche auftragstechnisch in der Luft. Wir hatten eigentlich drei Mitarbeiter, aber das ging finanziell leider nicht mehr. Jetzt machen wir alles mit der Familie von der Schwester im Service bis zum Cousin als Security“, sagt der 32-jährige Tobias Petraschko. „Ohne die würde das nicht gehen. Das Wichtigste ist jetzt, dass wir überleben, bis es wieder losgeht mit Veranstaltungen.“

Ab 2021 findet der Weihnachtsmarkt Rastatt wieder regulär statt.

Für die Angestellten hat das Geld nicht mehr gereicht

Dafür müsse man vor allem kreativ sein, mit Hütten aufstellen sei es schließlich nicht getan. Die 32-Meter lange Budengasse wurde aus Traversen gebaut, die sonst Teile von Bühnen sind. Gesäumt ist sie mit 40 Tannenbäumen, über 2.500 Metern Lichterkette und 800 Weihnachtskugeln. „Wir wollen den Leuten ein unvergessliches Erlebnis bieten“, erklärt Tobias. Mehrere Sponsoren machten die 2.000 Euro teuren Anschaffungen möglich.

Bis 23 Uhr ist durchgehend Betrieb. Jung bis Alt kurbelt begeistert die Fenster herunter, um der Weihnachtsmusik zu lauschen und spazieren zu gucken. Gegen 20 Uhr geht die Schlange bereits bis an die Straße. „Wir hätten nie mit so einem Erfolg gerechnet. Als wir vorletzte Woche Freitag anfingen, standen wir Punkt 18 Uhr alle hier. Auf einmal kamen die ersten Scheinwerfer um die Kurve, da sind wir wie Kinder begeistert ausgeflippt“, erinnert sich Tobias Petraschko. „Und dann kam das zweite und dritte Auto.“

Wir haben direkt gesagt, wir gehen wieder hin.
Maike Ruiter, Besucherin

Zu bieten hat der Drive-In allerlei Kulinarisches zu fairen Preisen: Am Stand der Hügelsheimer Mosquito-Bar-Inhaber, den es erst seit dem vergangenen Wochenende auf Besucherwunsch hin gibt, sorgen beispielsweise Feuer-, Käse- und lange Bratwurst für einen herzhaften Genuss. Rund 20 süße und deftige Variationen verführen am Crêpeshäusle des Karlsruher Geschwisterduos Guido und Linda Bergmann, die auf dem Rastatter Jahrmarkt für ihre Berg- und Talbahn bekannt sind.

Am begehrtesten ist Crêpes mit Nutella und Banane. Das Geheimnis? „Wir rühren den Teig mit viel Liebe von Hand“, sagt Guido mit Lachfalten in den Augen und reicht einer Familie aus Frankreich über ein Silbertablett ihre Bestellung ins Autofenster. An der Glühwein- und Cocktailhütte können Getränke im To-go-Becher bestellt werden. Natürlich Glühwein, besonders beliebt sind aber heißer Caipirinha und bei den Fahrern Kinderpunsch.

Zuletzt wartet das Zuckerstübel der Rastatter Schausteller-Familie Levy mit Leckereien vom frischen Popcorn über Lebkuchenherzen bis hin zu gebrannten Mandeln.

Nachdem die Landesregierung am Dienstag ein generelles Alkoholausschankverbot ausgesprochen hat, bricht den Petraschkos nun aber die Haupt-Einnahmequelle des Drive-In-Weihnachtsmarkts weg. „Wenn das wirklich so kommt, müssten wir das hier bleiben lassen. Die Kosten wären nicht mehr gedeckt“, sagt Tobias Petraschko.

Noch hat er allerdings die Hoffnung, dass der Drive-In samt Cocktail-Lieferservice in einer rechtlichen Grauzone angesiedelt ist.

Wer einen Nachtisch will, fährt einfach eine zweite Runde

Verzehrt werden darf nicht vor Ort, nach dem Drive-In muss das Gelände verlassen werden. Man kann aber jederzeit noch eine Runde fahren. So haben es auch die Rastatterinnen Maike Ruiter und Monika Seitz gemacht. Beim ersten Mal gab es Bratwurst mit Glühwein, dann gönnte man sich noch Zimt-Zucker-Crêpes.

Mit Wolldecken und Lichterketten gewappnet machten sie es sich auf einem Parkplatz um die Ecke gemütlich. „Es war sehr lecker. Alle sind so freundlich und die verpackte Bestellung wird Hygiene-konform mit Maske, Handschuhen und Abstand ans Auto gebracht, wirklich toll. Wir haben direkt gesagt, wir gehen wieder hin“, stellt

Maike klar. Besonders toll sei die Schneemaschine, die kleine Schaumflöckchen produziert, die wie täuschend echtes Schneegestöber aussehen. „Man hat so richtiges Weihnachtsfeeling“, ergänzt Monika.

Der Winterzauber Drive-In in der Lochfeldstraße 30 in Rastatt hat bis zum 27. Dezember immer freitags und samstags von 18 bis 23 Uhr geöffnet.

nach oben Zurück zum Seitenanfang