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Keine Genehmigungsfähigkeit?

Wasser- und Schifffahrtsamt macht gegen Rheinauenprojekt in Rastatt mobil

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Oberrhein (WSA) hält das Projekt „Redynamisierung der Rastatter Rheinaue”aktuell für nicht genehmigungsfähig. Die Stadt Rastatt und das KIT-Aueninstitut betonen derweil, dass sich das Vorhaben erst im Stadium der Machbarkeitsstudie befindet.

Belebte, redynamisierte Auen sind das Ziel des Rheinauenprojekts: Der Naturraum ist in Gefahr, weil die für die Entwicklung einer natürlichen Aue unverzichtbaren Erosions- und Auflandungsprozesse weitgehend fehlen. Foto: Ralf Joachim Kraft

Die Stadt Rastatt und das KIT-Aueninstitut stehen hinter dem Rheinauenprojekt: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht die Rede davon sein, dass die ,Redynamisierung der Rastatter Rheinaue’ im Auftrag des Landes Baden-Württemberg auf der Kippe oder gar vor dem Aus steht“, betont die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg auf BNN-Nachfrage.

Christian Damm, Leiter des Projekts beim KIT-Aueninstitut, sieht das genauso. „Da ist noch nichts tot und begraben.” Beide weisen ausdrücklich darauf hin, dass hier „lediglich” eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der Zustände in der Aue erarbeitet werde. „Da gibt es noch gar keine konkreten Pläne, geschweige denn eine Ausführungsplanung für ein Bauprojekt.

Keine weiteren Äußerungen gegenüber der Presse

Im Moment geht es nur darum, einmal auszuloten, was überhaupt möglich ist“, sagt Damm, der wie die Verantwortlichen im Rathaus davon ausgeht, dass die angestrebte Belebung der Auen und ihre „dringend notwendige Redynamisierung” gelingen kann, ohne dass die Schifffahrt beeinträchtigt wird. „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass beides im Einklang möglich ist”, betont der Leiter des Forschungsprojektes.

Auslöser der Irritationen um das Vorhaben waren Äußerungen des Leiters des Wasser- und Schifffahrtsamtes Oberrhein (WSA). Gegenüber den BNN ließ Jörg Vogel jetzt wissen, dass er sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht weiter über die Presse äußern wolle, „sofern der Projektträger dies auch nicht tut“.

Vom Ufer bei der Plittersdorfer Fähre aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Rhein: Das Wasser- und Schifffahrtsamt Oberrhein befürchet, dass sich das Rheinauenprojekt gravierend auf die Transportfähigkeit der Schifffahrt und die Unterhaltung der Bundeswasserstraße auswirken könnte. Foto: Ralf Joachim Kraft

Es werde nach wie vor über das Vorhaben diskutiert. Der Projektträger arbeite gerade an Kompromissen, sagt Vogel, der selbst in der Arbeitsgruppe zur Machbarkeitsstudie ist. Bei unveränderter Projektidee halte das WSA allerdings an seinen Bedenken fest.

Nur die Meinung eines Einzelnen?

„Wir sehen auf dieser Basis weiterhin keine Genehmigungsfähigkeit”, stellt Vogel klar. Seinen Standpunkt begründet er damit, dass die Auswirkungen auf die Transportfähigkeit der Schifffahrt und die Unterhaltung der Bundeswasserstraße als zu gravierend angesehen würden.

Im Rastatter Rathaus geht man derweil davon aus, dass es sich bei Vogels Äußerungen um die Meinung eines Einzelnen handele. Per Tischvorlage wurde jüngst auch der Rastatter Gemeinderat über den aktuellen Sachstand und die ersten Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Redynamisierung der Rastatter Rheinaue informiert.

Demnach hatte das KIT-Aueninstitut Anfang 2019 den Auftrag erhalten, zusammen mit der Bundesanstalt für Wasserbau und dem Stuttgarter Ingenieurbüro SJE diese Studie zu erstellen. Sie soll laut Christian Damm bis Ende des Jahres vorliegen. Erst dann sei eine Bewertung möglich. Mit Kritik seitens des Wasser- und Schifffahrtsamtes habe er von Beginn an gerechnet, sagt Damm.

Machbarkeitsstudie soll bis Ende des Jahres vorliegen

Aufgezeigt werden soll in der Studie, ob sich durch das Einleiten größerer Wassermengen vom Rhein in die Rastatter Rheinaue wieder natürliche oder zumindest naturnähere Verhältnisse herstellen lassen.

Wir müssen wieder hohe Wasserstände in die Aue einleiten, Erosionsflächen schaffen und natürliche Prozesse etablieren. Sonst geht das Gebiet vor die Hunde.
Christian Damm, Projektleiter beim KIT-Aueninstitut.

„Das Problem besteht nämlich darin, dass es in den Rheinauen durch die Abkopplung vom Fluss zu trocken ist und wir daher schauen müssen, dass wieder Wasser und Energie in die Auen hineinkommt. Durch Verschlammung und die immer weiter voranschreitende Auflandung liegt die Aue in manchen Bereichen schon zwei bis drei Meter höher. Wertvolle Flächen, auf denen sich bei Hochwasser das Wasser ausbreiten und ansammeln kann, gehen verloren“, erklärt der Projektleiter, dem es darum geht, diesen Prozess aufzuhalten oder, falls möglich, ihn sogar zu stoppen.

„Das geht aber nur, wenn wir wieder hohe Wasserstände in die Aue einleiten, Erosionsflächen schaffen und natürliche Prozesse etablieren. Sonst geht das Gebiet vor die Hunde.“

Würde der Wasserspiegel des Rheins absinken?

Auch die Stadtverwaltung weist in ihrer Informationsvorlage darauf hin, dass die nötigen Erosions- und Auflandungsprozesse, „die für die Entwicklung einer natürlichen Aue unverzichtbar sind“, in der Rastatter Rheinaue weitgehend fehlen. „Aber sie sind wiederherstellbar.

Erste, bewusst sehr groß angenommene Varianten zeigten im Modell Auswirkungen auf die Schifffahrtsstraße, „da selbstverständlich der Wasserspiegel im Rhein etwas sinken muss, wenn mehr Wasser in die Aue gelenkt wird“. Die Frage sei aber, ob das so viel ist, dass es einen erheblichen Einfluss auf die Schifffahrt hat.

Genau das aber ist die Befürchtung des Wasser- und Schifffahrtsamtsleiters Jörg Vogel, der daher am Status quo festhalten möchte. Weil bei den kritischen, sprich niedrigen Wasserständen kein zusätzliches Wasser in die Aue geleitet werden soll, ergäben sich hier auch keine negativen Auswirkungen, argumentiert die Verwaltung im Einklang mit Projektleiter Damm.

Bei Mittelwasser gehe es um Wasserspiegeländerungen von etwa fünf Zentimetern, die keine starke Beeinträchtigung darstellen. Selbst bei höheren Wasserständen sei der Effekt für die Schiffe nicht so kritisch, „weil ohnehin deutlich höhere Wasserstände im Fluss sind“. Eine abschließende Bewertung durch die Fachabteilungen stehe noch aus. Weitere optimierte Varianten seien möglich, ließ die Verwaltung wissen.

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