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Dienst statt Fastnacht

Wegen Corona Dienst an Rosenmontag: Keine Narrenfreiheit für Rathaus-Mitarbeiter in Rastatt

Viele Rathausmitarbeiter freuen sich jedes Jahr an Rosenmontag über Freizeit. Zur Hochphase der Fastnacht bleiben die Verwaltungsstellen in zahlreichen Kommunen geschlossen. Doch wegen Corona heißt es für die meisten Betroffenen diesmal: ab zum Dienst.

Narrenspalier auf dem Balkon: Der Rathaussturm ist in Rastatt für viele Mitarbeiter eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag. Foto: Hans-Jürgen Collet

Auch wenn in diesem Jahr die Straßenfastnacht ins Wasser fällt – der Humor ist dem Landkreis-Pressesprecher nicht vergangen. „Wir erwarten dieses Jahr so viele Maskierte wie noch nie“, scherzt Michael Janke mit Blick auf die allgemein gültige Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden und die sonst so heißen Tage der ausklingenden fünften Jahreszeit.

Um ihren Mitarbeitern samt Familien die Teilnahme an den Fastnachtsumzügen zu ermöglichen, schließen viele Rathäuser an diesen Tagen normalerweise ganz- oder halbtags ihre Pforten. Die Corona-Pandemie stellt aber auch in diesem Punkt Traditionen auf den Kopf.

In Nordrhein-Westfalen, das mit Köln und Düsseldorf die Hochburgen des rheinischen Karnevals beherbergt, hat die Landesregierung jedenfalls schon im Januar beschlossen, dass der traditionell freie Rosenmontag in diesem Jahr für Beamte und Beschäftigte im Öffentlichen Dienst entfällt, da sämtliche Rosenmontagsumzüge schon lange abgesagt wurden. Ein Zustand, der auch die klassischen Umzugshochburgen der Region betrifft. Doch wie die Verwaltungen damit umgehen, ist durchaus unterschiedlich.

Das Rathaus in Gaggenau bleibt geschlossen

„Geschlossen ist hier ja eigentlich nie“, erklärt Janke das Credo des Landratsamts. Selbst bei Betriebsversammlungen, bei denen die gesamte Belegschaft zusammenkommt, sei das Amt nur halbtags nicht erreichbar. Und die Integrierte Leitstelle Mittelbaden sei ohnedies immer besetzt. „Auch an Rosenmontag, wenn gefeiert wird, bleiben wir offen.“ Und an Rosenmontagen, an denen nicht gefeiert wird, sowieso. Die einzige Ausnahme bildet die Zulassungsstelle in Gaggenau – denn dort ist das Rathaus geschlossen.

Wie die Gaggenauer Pressestelle erklärt, halte die Verwaltung an der Regelung fest, auch wenn in diesem Jahr nicht ausgelassen gefeiert werden darf. „Die Fastnacht lässt sich von der Pandemie nicht aus dem Kalender radieren“, heißt es in einer Mitteilung. Zudem sei der Rosenmontag fester Bestandteil der betrieblichen Arbeitszeitvereinbarung mit dem Personalrat.

Wenigstens ein bisschen Narretei: In Durmersheim muss die Krawatte von Bürgermeister Andreas Augustin dran glauben. Foto: Jacqueline Grimm

Ganz anders sieht es im nahen Gernsbach aus. „An Rosenmontag waren wir immer da und sind es auch in diesem Jahr“, sagt Pressesprecherin Diana Schmidhuber. Bis vor wenigen Jahren sei der Dienstagnachmittag geschlossen gewesen, aber auch darauf habe die Verwaltung schon vor der Corona-Pandemie verzichtet.

Tarifrechtliche gibt es keine freien Tage wegen Fastnacht.
Gerold Peter, Personalamtsleiter

Während im Murgtal eine Entscheidung gar nicht nötig gewesen ist, hat man sich in Iffezheim schon mit dem Thema auseinandergesetzt. Normalerweise ist das Rathaus im Renndorf am Rosenmontag und Faschingsdienstag geschlossen – nicht aber in diesem Jahr. „Da arbeiten wir ganz normal“, sagt Klaudia Heitz aus dem Büro des Bürgermeisters.

Für Besucher ist das Rathaus allerdings sowieso nur nach Terminvereinbarung zugänglich. Personalamtsleiter Gerold Peter, der mit mehr als 40 Berufsjahren der Dienstälteste im Rathaus ist, ergänzt: „Tarifrechtliche gibt es eh keine freien Tage wegen Fastnacht. Aber wir hoffen natürlich, dass das nächstes Jahr der Vergangenheit angehört.“

In Muggensturm entscheide man eher spontan und komme jedes Jahr zu anderen Regelungen, heißt es aus dem Rathaus. Während etwa am Schmutzigen Donnerstag 2020 „ganz normal“ gearbeitet worden sei, war im Corona-Jahr nach vier Stunden Feierabend. Und auch am morgigen Fastnachtsdienstag wird nur halbtags gearbeitet. „Der Rosenmontag ist bei uns aber immer offen.“

In Kuppenheim tagt an Rosenmontag sogar der Gemeinderat

Die Mitarbeiter der Rastatter Stadtverwaltung genossen laut Pressesprecherin Heike Dießelberg schon in der Vergangenheit keine Narrenfreiheit. Einzig am Schmutzigen Donnerstag konnten einige von ihnen mit verkürzter Arbeitszeit rechnen, wenn der Rathaussturm ins gesellige Miteinander überging. Doch da Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch diesmal nur in einem Video den Schlüssel abgab, mussten alle an ihrem Schreibtisch bleiben.

Auch in Kuppenheim fiel der Sturm auf die Machtzentrale aus. Und auch am Rosenmontag und Faschingsdienstag schauen die Rathaus-Mitarbeiter in die Röhre. Normalerweise hätten sie frei und könnten ohne schlechtes Gewissen feiern. „Aber diesmal herrscht Business as usual“, sagt Bürgermeister Karsten Mußler. Der Verwaltungschef geht mit bestem Beispiel voran und legt am Montag sogar eine Spätschicht in Form einer Gemeinderatssitzung ein.

In Durmersheim würden am Rosenmontag normalerweise schiefe Töne im Rathaus erklingen. „Eigentlich kommt immer die Guggenmusik vorbei“, sagt Jacqueline Grimm aus dem Bürgermeister-Sekretariat. Doch diesmal bleibt alles stumm. Die Mitarbeiter gehen ihrem gewohnten Job nach. Ein wenig Narretei herrschte wenigsten am Schmutzigen Donnerstag: Grimm griff zur Schere und erbeutete in alter Tradition die Krawatte ihres Chefs Andreas Augustin.

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