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Normalerweise wäre Hochbetrieb

Wegen Corona herrscht an Pfingsten im Baden-Airpark gespenstische Leere

Normalerweise ist am Baden-Airport an Pfingsten der Teufel los. Bis zu 19.000 Passagiere heben über das lange Wochenende ab. In diese Jahr ist wegen Corona alles anders. Das Terminal ist fast komplett verwaist. Nur einige wenige Mitarbeiter halten die Stellung.

Gähnende Leere: Normalerweise zählt der Baden-Airport an Pfingsten bis zu 19.000 Passagiere. Jetzt ist das Terminal verwaist. Foto: Siebnich

Reisen Sie rechtzeitig an! Kalkulieren Sie Staus und Wartezeiten ein! Jedes Jahr vor Pfingsten verschickt der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) Mitteilungen, um die Passagiere im Vorfeld über das hohe Reiseaufkommen zu informieren. 2019 zählte der Baden-Airport von Freitag bis Pfingstmontag 19.000 Fluggäste. In diesem Jahr hebt wegen Corona keine einzige Maschine ab. Im Terminal herrscht gespenstische Leere.

Janet Margeta ist eine der wenigen, die am Samstagnachmittag die Stellung hält. Zusammen mit ihrer Mutter betreibt sie die „Box“, ein Zeitschriften- und Süßwarenladen direkt vor dem Eingang zum Sicherheitsbereich. Seit dem 24. März ist das Geschäft geschlossen. „Es lohnt sich nicht mehr“, sagt sie.

Keine einzige Maschine hebt am Pfingstwochenende ab

Bei den Flugzeugen, die noch vereinzelt landen, handelt es sich um Frachttransporte oder um Maschinen, die Erntehelfer aus Rumänien nach Deutschland bringen . Hinzu kommen Hubschrauberstarts von Luftrettung und Bundespolizei sowie einige Charterflüge des Unternehmens ACM, das gut betuchtes Klientel vom eigenen Hangar aus in die weite Welt bringt. Alles nicht die Zielgruppe der „Box“.

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Auch am Pfingstwochenende steuern nur zwei Flieger aus Osteuropa den FKB an. In die Luft geht keine einzige Maschine. Im vergangenen Jahr hoben fast 40 Flugzeuge ab, um Urlauber ans Mittelmeer oder auf die Kanaren zu bringen. „Normalerweise stehen die Menschen bis dort hinten“, sagt Margeta und zeigt mit dem Finger einmal quer von den verwaisten Schaltern der Airlines bis hin zur Eingangstür des Terminals.

Eine Mitarbeiterin des Flughafens, die mit Mundschutz am Infoschalter hinter einer provisorischen Scheibe sitzt, bestätigt das: „An Pfingsten ist sonst sogar mehr los als in den Sommerferien.“

Hofft auf baldige Wiedereröffnung: Janet Margeta vor ihrem Zeitschriftenladen, der seit dem 24. März geschlossen ist. Foto: Siebnich

Sie schaut im Computer nach, welche Flüge in den kommenden Tagen erwartet werden. Für diesen Dienstag stehen zwei Maschinen von Wizz Air nach Bosnien und Herzegowina sowie nach Ungarn im Plan. Doch ob die Flugzeuge tatsächlich abheben, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Neue Zeitschriften für den
Juni haben wir nicht bestelltJanet Margeta, Ladeninhaberin am Baden-Airport

Juni haben wir nicht bestellt

Vor dem Geschäft ist der Boden schon bereitet für den Neustart. Vor dem Eingang zu den Sicherheitskontrollen markieren Linien in drei Reihen, wie sich die Passagiere anstehen müssen, um die notwendigen Abstände einzuhalten.

Unter den verbliebenen Mitarbeitern herrscht familiäre Atmosphäre

Margeta unkt in Richtung eines Zollbeamten, ob die Streifen tatsächlich 1,5 Meter voneinander entfernt sind. „Aber sicher, Mädchen!“, sagt der Beamte und macht einen großen Schritt von einem Aufkleber zum nächsten. Beide lachen. Man kennt sich. „Das ist ein kleiner Flughafen“, sagt Margeta. Und ohne Passagiere ist die Atmosphäre unter den wenigen verbliebenen Mitarbeitern noch familiärer.

Zu diesem Kreis gehört auch Peter Radischat, der direkt gegenüber sein DER-Reisebüro betreibt. Noch immer ist der Schalter an sechs Tagen pro Woche geöffnet, immer von 10 bis 17 Uhr. Die Büros der anderen Veranstalter sind an diesem Samstag geschlossen. Aber Radischat findet es wichtig, auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten Präsenz zu zeigen. „Sonst können die Leute auch im Internet buchen. Gerade jetzt ist Service wichtig“, sagt er.

Abstand halten bereitet keine Probleme: Die Schalter der Fluggesellschaften bleiben an Pfingsten geschlossen. Foto: Siebnich

Zwar komme kaum jemand persönlich vorbei, Arbeit gebe es trotzdem genug. Nach wie vor hauptsächlich mit Stornierungen und Umbuchungen. Aber so langsam ziehe auch die Nachfrage wieder an. Er rechne ab Anfang Juli „mit einem guten Niveau“. Im Gegensatz zur Lage vor drei bis vier Wochen gebe es deutlich positivere Signale aus der Politik, dass Urlaub wieder möglich sei. „Wir sehen es zuversichtlich“, sagt Radischat.

Anwohner in Hügelsheim genießen die Ruhe

Während er sich die Rückkehr des Trubels am FKB herbeiwünscht, hätten andere nichts dagegen, wenn die Ruhe noch länger anhielte. Die meisten der normalerweise 19.000 Pfingst-Passagiere fahren auf ihrem Weg in den Urlaub durch das benachbarte Hügelsheim. „Zurzeit beschwert sich niemand über den Lärm“, sagt Bürgermeister Reiner Dehmelt.

Doch er weiß, dass sich die Situation wieder ändern wird. Die Kommune versucht, die Last mit Tempo 30 und einer generellen Parkscheibenpflicht etwas zu mildern. Doch eine nachhaltige Verbesserung hätte nur der Autobahnanschluss des Airparks gebracht. Dieser ist nach einem Beschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe in weite Ferne gerückt. Dehmelt ist von der Entscheidung enttäuscht. Die nächste Reisewelle kommt mit Sicherheit.

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