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Kein Budenzauber in Rastatt

Corona lässt Rastatter Weihnachtsmarkt keine Chance

Wer ohne Maske durch die Rastatter Fußgängerzone bummelt, riskiert ab sofort ein Bußgeld. Die neue Corona-Landesverordnung hat weitreichende Konsequenzen. Die letzte Hoffnung auf einen Weihnachtsmarkt ist ebenfalls begraben.

Es herrscht Maskenpflicht: Am Montag wusste noch nicht jeder über die neue Regelung in der Rastatter Fußgängerzone Bescheid. Foto: Hans-Jürgen Collet

Maskenpflicht in Teilen der Kaiser- und der Poststraße, kein Weihnachtsmarkt, kein Neujahrsempfang und Überlegungen, ob sich die Rathäuser wieder abschotten: Die neue Corona-Verordnung des Landes hat weitreichende Konsequenzen für Rastatt und die Region. Die Infektionszahlen sind unterdessen deutlich gestiegen.

59 weitere Fälle meldete das Landratsamt Rastatt am Montag für den Landkreis Rastatt und Baden-Baden. Anfang Oktober lag der tägliche Zuwachs meistens im einstelligen Bereich, in der vergangenen Woche waren es in der Regel um die 20 Fälle. Vor allem in der Großen Kreisstadt Rastatt ging es steil nach oben.

Dort stieg die Anzahl der Infizierten von 28 am Freitag auf 51 am Montag. Auch Elchesheim-Illingen hat es jetzt erwischt. Der Ort war bislang als einzige Kommune des Landkreises mit null Fällen durch die Pandemie gekommen. Jetzt gibt es auch dort einen Infizierten.

Landratsamt sieht „diffuses Infektionsgeschehen“

Laut Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landratsamts, ist der Anstieg nicht auf einzelne Ereignisse wie größere Familienfeiern zurückzuführen. Es handle sich um ein diffuses Infektionsgeschehen. Der Sieben-Tage-Wert für den Landkreis Rastatt liegt mit 32,4 noch knapp unter dem ersten Warnwert von 35. Baden-Baden reißt mit 63,4 nach wie vor deutlich den zweiten Grenzwert von 50.

Weil die Landesregierung am Montag die dritte Pandemiestufe ausgerufen hat, müssen aber auch die Rastatter mit strengeren Regeln leben. Dazu zählt eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone. Während in anderen Kommunen am Montag noch Unsicherheit herrschte, ob die aktuelle Verordnung tatsächlich vorschreibt, dass in diesen Bereichen Menschen generell einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, legte sich die Rastatter Verwaltung fest: „Es herrscht Maskenpflicht“, sagte Pressesprecherin Heike Dießelberg. Dies gelte sowohl für die Post- als auch die Kaiserstraße zwischen Rathaus und Kirche. Ob auch der neue Platz in der oberen Kaiserstraße darunter fällt, sei noch unklar.

Aus Solidarität sollte man die Maske tragen.
Gabriel Charemtom, Fußgänger

Herumgesprochen hatte sich die Regel am Montag allerdings noch nicht. Viele Menschen waren ohne Mund-Nasen-Schutz unterwegs. Gabriel Charemtom gehörte allerdings zu den Maskenträgern: „Wenn wenig los ist, finde ich die Maskenpflicht im Freien, gerade auf größeren Plätzen oder in breiteren Fußgängerzonen überflüssig. Aus Solidarität sollte man die Maske aber trotzdem tragen“, sagte der junge Mann.

Johanna Weller sagte: „Ich habe gehört, dass die Maskenpflicht dann gilt, wenn der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. Wenn es hilft, bin ich dafür. Im Freien ist die Maskenpflicht aber eine Belastung und befremdlich. Bei Menschenansammlungen ist die Maskenpflicht jedoch verständlich.“ Ein älterer Mann sah das kritischer: „Die Maskenpflicht finde ich nicht gut. Die ist im Freien unnötig wie ein Kropf.“

Gehört zu den Maskenträgern: Gabriel Charemtom in der Poststraße in Rastatt. Foto: Gundi Woll

Wer weiterhin ohne Maske bummelt, riskiert eine empfindliche Strafe. Die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg kündigt an, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamts bei Verstößen Bußgelder verhängen werden. Diese lagen in Rastatt bislang in der Regel in einer Größenordnung von 70 Euro. Nach der neuen Verordnung werde es aber vermutlich teurer.

Maskenpflicht herrscht auch in den Rathäusern und Dienststellen. Diese sind zwar noch für den Publikumsverkehr geöffnet, doch es gibt bereits Überlegungen, zu einem eingeschränkten Betrieb wie im Frühjahr zurückzukehren. Dazu hat sich die Gemeinde Durmersheim bereits entschlossen. Dort können Bürger seit Dienstag nur noch mit Termin im Rathaus und in der Ortsverwaltung vorbeischauen.

Weihnachtsmarkt mit nur 100 Besuchern wäre nicht wirtschaftlich

Tiefe Einschnitte hinterlässt die neue Verordnung im städtischen Veranstaltungskalender. Die nächste Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag in der Badner Halle findet zwar wie geplant statt, aber das Thema Weihnachtsmarkt, das dort eigentlich hätte debattiert werden sollen, findet sich nicht auf der Tagesordnung.

Der Budenzauber im Ehrenhof ist nun endgültig gestorben. Da die neue Verordnung nur noch 100 Besucher zulässt, wäre der Markt weder wirtschaftlich noch atmosphärisch in sinnvoller Weise zu organisieren. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Maßnahmen bis zum Jahresende gelockert werden“, sagt Dießelberg. Deshalb hätten sich auch alle Überlegungen für einen Neujahrsempfang erledigt.

Auch die Gremien des Landkreises werden vorläufig wie geplant zusammenkommen: Am Montag tagte der Jugendhilfeausschuss, an diesem Dienstag kommt der Kreistag zu einer nicht-öffentlichen Sitzung zusammen, bei der auch über die Zukunft des Klinikums Mittelbaden diskutiert wird. Sollte sich das Infektionsgeschehen allerdings weiter verschärften, werde man entsprechend reagieren, so Kreissprecher Wedewart.

Erstmals seit Juni wird am heutigen Dienstag auch der Corona-Krisenstab wieder zusammenkommen. Er setzt sich aus Vertretern das Landratsamtes sowie den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern der Städte und Gemeinden zusammen und erörtert das aktuelle Infektionsgeschehen und die notwendigen Konsequenzen.

Landratsamt meldet Fälle in Schulen nicht mehr

Dessen ungeachtet hat das Landratsamt in der vergangenen Woche erklärt, fortan keine Corona-Fälle an Schulen und Kitas mehr zu melden. Diese hätten in der Vergangenheit „kaum zu Folgeinfektionen“ geführt, weshalb man keine Notwendigkeit zur Veröffentlichung sehe. Die Landratsämter im Umkreis handhabten dies ebenso, sagt Wedewart.

Würde man das Infektionsgeschehen an Schulen und Kindergärten vermelden, müsse man konsequenterweise auch Infektionen in großen Firmen vermelden – was nicht geschehe. In Ausnahmefällen werde aber auch weiterhin aktiv informiert.

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