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Stadt- und Ortsverwaltung nicht informiert

Weitere Verzögerung beim Rastatter Tunnel: Bahn-Kommunikation sorgt für Ärger und Irritation

Der Weiterbau des Rastatter Tunnels verzögert sich erneut. Als Grund nennt die Deutsche Bahn ausstehende Ergebnisse von Bodenanalysen. Wann es weitergeht, ist vollkommen unklar. Mit seiner Kommunikation sorgt der Konzern für Irritation.

Im Untergrund: Bei der Niederbühler Sporthalle wartet die Tunnelbohrmaschine unter der Erde auf ihren Einsatz. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Infozettel der Deutschen Bahn (DB), der am späten Donnerstagabend in den Briefkästen der Niederbühler landete, kam vielen Anwohnern vor wie Hohn: „Am Tunnel Rastatt gibt es Herausforderungen wie Sand am Meer“, steht auf dem Blatt. Darunter zu sehen sind das Bild eines Sandhaufens und ein Piktogramm eines Maulwurfs, der den Hügel mit einer kleinen Schaufel abträgt.

Rote Buchstaben vermelden die vermeintlich positive Schlagzeile: „Vorbereitungen für Vortrieb in der Weströhre gehen weiter.“ Doch im folgenden Text lauert die böse Überraschung. Der Bau des Tunnels verzögert sich abermals.

Die Öffentlichkeit informierte die Bahn kurz zuvor am späten Nachmittag per dürrer Pressemitteilung, ebenfalls mit unscheinbarem Betreff versehen. Im dritten Satz lässt der Konzern aber die Katze aus dem Sack. Da noch immer „umfangreiche Bodenanalysen“ ausgewertet werden müssten, „verzögert sich der Start des weiteren Vortriebs“.

Die Nachricht, dass es bei der Verzögerung nicht nur um ein paar Tage geht, hebt sich der Konzern für den Schluss der Mitteilung auf: „Nach aktueller Einschätzung ist eine Inbetriebnahme erst nach 2025 möglich. Die DB prüft derzeit den weiteren Zeitplan.“

Eigentlich hätte es schon im März weitergehen sollen

Beim genannten Vortrieb handelt es sich um den Weiterbau der Weströhre, für deren Vollendung noch rund 200 Meter fehlen. Beim Bau der Oströhre war es 2017 zur folgenschweren Havarie gekommen. Als die Tunnelbohrmaschine „Wilhelmine“ unter den Gleisen vorstieß, sackten die Schienen ab. Folge war eine siebenwöchige Sperrung der Rheintalbahn.

In der Weströhre stand der zweite Tunnelbohrer namens „Sibylla Augusta“ zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor dem Durchstoß unter den Gleisen. An dieser Stelle verharrt die 90 Meter lange Maschine bis heute.

Ursprünglich war vorgesehen, dass sie sich bereits im März wieder in Bewegung setzt. Weil zu diesem Zeitpunkt die Strecke von Mannheim nach Stuttgart gesperrt war, die bei einem erneuten Zwischenfall als Umleitungstrasse dienen soll, verschob die Bahn den Weiterbau auf November.

Wir hätten uns das auch anders gewünscht.
Ein Sprecher der Deutschen Bahn

Von technischen Schwierigkeiten vor Ort in Niederbühl war damals keine Rede. Umso größer ist jetzt die Überraschung über die Nachricht der erneuten Verzögerung. Diesmal führt die Bahn die weitere Zwangspause auf fehlende Ergebnisse von Bodenuntersuchungen zurück.

Die Frage, warum diese Untersuchungen jetzt noch notwendig waren, wenn der Vortrieb doch eigentlich schon im März hätte starten sollen, beantwortet ein Bahnsprecher auf Nachfrage unserer Redaktion nur mit einem allgemeinen Statement: „Wir hätten uns das auch anders gewünscht.“

Belastung für die Anwohner: In Niederbühl grenzen viele Grundstücke direkt an die Bahntrasse. Die Betroffenen leiden unter der Dauerbaustelle. Foto: Hans-Jürgen Collet

Ortsvorsteher Klaus Föry ist enttäuscht von der Kommunikation des Konzerns. Auch er erfuhr erst via Pressemitteilung von der erneuten Verzögerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in den vergangenen Jahren sei der Vorfall allerdings typisch. Er zeige, dass die Beteuerungen der DB, die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit und den Anwohner zu verbessern, nicht glaubhaft seien.

Sauer stößt Föry auch auf, dass das Unternehmen fast bis Ende November gewartet hat, um die Nachricht zu verbreiten, dass es diesen Monat nicht weitergeht. „Das muss im Konzern schon länger bekannt sein. Das ist sehr ärgerlich.“

Das muss im Konzern schon länger bekannt sein.
Klaus Föry, Ortsvorsteher von Niederbühl

Das Rastatter Rathaus warnte die Bahn ebenfalls nur mit kurzer Vorlaufzeit vor. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch erhielt am Mittag die Info, dass die Bahn die Veröffentlichung der Pressemitteilung plane. Weitergehende Informationen haben er und die Stadtverwaltung nicht. „Wir verfügen über keine detaillierten Kenntnisse“, sagt Stadt-Pressesprecherin Heike Dießelberg.

Die Bahn will nicht einmal eine grobe Schätzung abgeben, wann es weitergehen könnte. „Wir arbeiten am neuen Zeitplan. Es macht keinen Sinn, irgendwelche Zwischenstände zu kommunizieren“, sagt der Sprecher. Zweifel am geplanten Verfahren will er nicht gelten lassen.

Um zu verhindern, dass die Gleise beim Durchstoß erneut absacken, hat die Bahn nach der Havarie eine Betonplatte über die beiden Röhren gießen lassen. Sie soll dafür sorgen, dass „Sibylla Augusta“ unfallfrei unter den Gleisen durchkommt. Die erneute Verzögerung sei kein Hinweis darauf, dass es Zweifel an dieser Lösung gebe, sagt der Sprecher: „Der Ablauf ist nach wie vor so geplant.“

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