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Krimimanstatistik 2020

Weniger Straftaten in Rastatt: Corona-Pandemie vermiest Einbrechern das Geschäft

Weniger Einbrüche, weniger Diebstähle und weniger Gewaltverbrechen: Corona hat viele negative Effekte, auf die Kriminalstatistik wirkt sich die Pandemie aber auf eine erfreuliche Weise aus. Eine Entwicklung bereitet dem Rastatter Revier allerdings Sorge.

Auf Spurensuche: Die Polizei ermittelte im vergangenen Jahr 1.507 Tatverdächtige. Insgesamt sank die Kriminalitätsrate im Raum Rastatt deutlich. Foto: Carsten Rehder/dpa

Die Corona-Pandemie hindert nicht nur Gastronomen und Einzelhändler, ihrem Beruf nachzukommen, sondern funkt auch Kriminellen dazwischen. Die Anzahl an Straftaten lag in Rastatt 2020 so niedrig wie seit zehn Jahren nicht.

Die Kriminalitätsstatistik des Polizeireviers weist 3.203 Delikte aus, 409 weniger als im Vorjahr. Im gesamten Landkreis Rastatt war der Rückgang prozentual noch größer.

Revierleiter Andreas Dahm will sich die positive Entwicklung nicht ans Revers heften: „Die Pandemie hat dabei den Haupteffekt.“ Trotz der guten Zahlen bereitet ihm ein Bereich allerdings große Sorge.

Gewalt gegen Polizisten hat zugenommen

Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat deutlich zugenommen. Die Statistik weist für Rastatt 56 Fälle aus, nochmal sechs mehr als beim bisherigen Höchststand 2019. In den Jahren zuvor pendelte der Wert zwischen 30 und 40.

„Die Fälle sind oft so sinnlos“, berichtet Dahm von Beispielen aus dem Berufsalltag seiner Kollegen. Etwa, wenn Beamte einen Platzverweis aussprechen und sich der Betroffene dagegen verbal und körperlich zur Wehr setzt. „Ein solches Verhalten hat noch nie dazu geführt, dass sich die Situation für den Betroffenen verbessert“, sagt Dahm.

Rastatt liegt hinter Kehl, Baden-Baden und Offenburg auf Platz vier

In fast allen Fällen sei Alkohol im Spiel. Der Revierleiter hofft, dass sich die Entwicklung nicht fortsetzt: „Es wäre schön, wenn wir eine Trendwende hinbekommen.“

Da das Problem allerdings nicht auf Rastatt begrenzt ist, sondern sich auf höheren Ebenen im gesamten Landkreis und im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg widerspiegelt, werde es sehr schwer, gegen diese allgemeine Entwicklung anzukommen.

Grundsätzlich zeigt sich Dahm mit der Sicherheitslage in Rastatt und Umgebung aber sehr zufrieden. Bei der sogenannten Häufigkeitszahl, bei der die Anzahl an Straftaten in Relation zur Einwohnerzahl gesetzt wird, liegt Rastatt im Bereich des Polizeipräsidiums hinter Kehl, Baden-Baden und Offenburg auf Platz vier.

Wenn die Menschen mehr zuhause sind, ist das schlecht für Einbrecher.
Andreas Dahm, Revierleiter

Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang an Delikten in allen Bereichen. Die Anzahl der Diebstähle ging in Rastatt um fast 20 Prozent auf rund 900 zurück. Wohnungseinbrüche gab es nur 19 und damit 15 weniger als im Vorjahr. „Wenn die Menschen mehr zu Hause sind, ist das natürlich schlecht für Einbrecher“, sagt Dahm.

Auch Fahrraddiebe schlugen deutlich seltener zu. Nach 216 Fällen 2019 waren es 2020 nur noch 159. Ein Schwerpunkt war dabei nach wie vor der Bahnhof mit 25 Fällen. Insgesamt ereigneten sich in diesem Bereich 77 Straftaten – nicht einmal halb so viele wie im Jahr zuvor. Dahm führt das auf das viel geringere Fahrgastaufkommen und damit ebenfalls auf die Corona-Pandemie zurück.

Weniger Fälle von häuslicher Gewalt

Auch die Straßenkriminalität ging um mehr als 100 Fälle auf einen Stand von 619 zurück. Bei der Gewaltkriminalität waren es mit 115 fast ein Viertel Fälle weniger. Entgegen dem Trend in anderen Städten und Gemeinden des Polizeipräsidiums verzeichneten die Rastatter Beamten auch weniger Fälle von häuslicher Gewalt, und zwar 92 statt 107 im Vorjahr.

Angesichts einer erfahrungsgemäß hohen Dunkelziffer in diesem Bereich ist Dahm bei der Bewertung dieser Zahlen aber vorsichtig.

Die registrierten Fälle von Rauschgiftkriminalität, die bereits seit 2016 deutlich unter den Durchschnittswerten der Jahre zuvor liegen, erreichten mit 173 ebenfalls einen Tiefststand. Auch Vermögens- und Fälschungsdelikte gingen um rund 25 Prozent auf 514 zurück.

Rund 63 Prozent der Straftaten insgesamt konnte die Polizei aufklären. Die Quote liegt etwas unter dem Präsidiumsdurchschnitt von 67 Prozent. Die Beamten ermittelten 1.507 Tatverdächtige. Der Anteil an nicht-deutschen Verdächtigen lag mit rund 42 Prozent höher als im Landesschnitt von rund 39 Prozent.

Keine Erklärung für Explosion der Infektionszahlen

Weniger Straftaten bedeuteten für die Polizei aber nicht weniger Arbeit, wie Dahm betont. Die Corona-Pandemie habe auch für einen erheblichen internen Aufwand gesorgt. Die Beamten mussten Hygiene- und Schutzkonzepte umsetzen.

Bei der Dienstplanung achteten sie darauf, dass nach Möglichkeit immer dieselben Teams miteinander unterwegs waren. Die Beamten, die aufgrund der sinkenden Fallzahlen freie Kapazitäten hatten, gingen auf Pandemie-Streife.

Aktuell hat Dahm im Übrigen nicht den Eindruck, dass sich die Menschen in Rastatt auffällig wenig um die Corona-Regeln kümmern. Eine Erklärung für die explodierenden Infektionszahlen in der Barockstadt hat auch er nicht.

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