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Weitere Verzögerung

Züge rollen in Rastatt frühestens Ende 2026 durch den Tunnel

Ursprünglich hätte der Bahn-Tunnel Rastatt 2022 fertig werden sollen. Doch nach einer folgenschweren Havarie vor vier Jahren musste die Bahn das Ziel auf 2025 korrigieren. Jetzt gab der Konzern bekannt: Es wird noch deutlich später.

Großbaustelle im kleinen Niederbühl: Die Arbeiten für den Rastatter Tunnel finden nur wenige Meter entfernt von der Sporthalle und von Wohnhäusern statt. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Rastatter Tunnel kann frühestens Ende 2026 in Betrieb gehen. Das gab die Deutsche Bahn am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt. Das ist ein Jahr später als zuletzt geplant. Grund sind Auflockerungen im Boden bei Rastatt-Niederbühl.

Die Bahn muss den Untergrund erst stabilisieren, bevor der Tunnelvortrieb weitergehen kann. Auswirkungen auf den Betrieb der Rheintalbahn soll es nicht geben.

Lange hatte der Konzern die Öffentlichkeit im Unklaren gelassen. Ursprünglich war vorgesehen, dass nach der folgenschweren Havarie in der Oströhre vor knapp vier Jahren der Bau der Weströhre im Februar 2020 weitergeht. Dann verschob die Bahn den Termin auf November. Doch auch daraus wurde nichts.

Bei Untersuchungen im Sommer auf Auflockerungen gestoßen

Wie Philipp Langefeld, der Leiter des Großprojekts Karlsruhe-Basel, bekanntgab, war bei Untersuchungen des Baugrunds im Sommer vergangenen Jahres entdeckt worden, dass der Boden auf einer Länge von rund 50 Metern teilweise aufgelockert ist. Die betroffenen Stellen befänden sich in einem alten Wassergraben neben der Niederbühler Sporthalle in einem Bereich, den die Tunnelbohrmaschine queren muss.

Blick auf den künftigen Tunnel: Durch die Röhre sollen eines Tages zwei Drittel der Züge fahren. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Projektleiter betonte, dass der Vortrieb wohl auch „ohne Kenntnis dieser Auflockerung gut gegangen wäre“. Die Bahn wolle aber zu „150 Prozent sichergehen“ und habe deshalb zur Prophylaxe mehrere Gegenmaßnahmen entwickelt.

Die Bahn will zu 150 Prozent sichergehen.
Philipp Langefeld, Projektleiter

So soll der Boden im Bereich des Grabens stabilisiert werden. Dafür bringen Injektionslanzen eine zementhaltige Mischung bis zu neun Meter tief in den Untergrund ein. Hinzu kommt Druck von oben. Die bereits 2017 gegossene, einen Meter dicke Stahlbetonplatte, auf der die Gleise der Rheintalbahn seitdem verlaufen, wird bis über die kritischen Stellen erweitert. Hinzu kommt eine Aufschüttung auf der anderen Seite der Schienen. „Das ist ein übliches Verfahren. Es wird uns einen sicheren Tunnelvortrieb garantieren“, sagte Langefeld.

Lange Rampe: An dieser Stelle werden die Zügen in den Tunnel ein- und ausfahren. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Bahn rechnet damit, dass diese Arbeiten den Rest des Jahres in Anspruch nehmen. Erst dann könne sich der Tunnelbohrer mit Namen „Sybilla Augusta“, der seit Jahren in einem Wartungsschacht geparkt unter der Erde steht, wieder in Bewegung setzen. Bis zu seinem Ziel auf der anderen Seite der Gleise sind es nur noch 200 Meter. Dort soll die Maschine im Januar 2022 ankommen.

Lockerer Untergrund: Die Bahn will den Boden in diesem Bereich mit Zement-Injektionen stabilisieren. Foto: Hans-Jürgen Collet

Auf den Betrieb der Rheintalbahn sollen die Zusatzarbeiten keinen Einfluss haben. Die Bahn beteuert, dass die Züge weiterfahren könnten und die Trasse sicher sei. Sie verweist auf Hunderte Sensoren, die jede Bewegung am Gleiskörper registrieren sollen. Für die Anwohner seien keine größeren Belästigungen durch Lärm und Staub zu erwarten.

Der weitere Plan für die Vollendung des Tunnels bleibt wie gehabt. Wenn die Weströhre fertiggestellt ist, sollen die Gleise voraussichtlich Mitte 2022 verschwenkt werden. Das schafft Platz, um eine riesige Baugrube von 200 Meter Länge, 17 Meter Breite und 16 Meter Tiefe an der havarierten Oströhre zu buddeln. Dann beginnt die Bergung der 2017 verunglückten Tunnelbohrmaschine „Wilhelmine“. Erst anschließend kann die Oströhre vollendet werden. „In Summe kommen wir bei einem Termin 2026 heraus“, sagt Langefeld und nennt dieses Ziel „extrem ehrgeizig“.

Eine erste Reaktion kam vom CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker: „Ich kann meinen Ärger nicht verhehlen: Dieses ständige Verschieben von Terminen erinnert mich sehr an den Berliner Flughafen.“

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