Kosmologie und Teilchenphysik mal ganz unterhaltsam: Hinter "No Idea" stehen zwei kluge Köpfe.

Buchkritik

Ahnungslos

Einer der klügsten Sätze, die jemals gesagt worden sind, ist dieser: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Tatsächlich wusste der Mann, der seinen Kritikern mit derlei entwaffnender Bescheidenheit begegnete, für damalige Verhältnisse ganz schön viel. Knapp 2 000 Jahre später treten ein junger Teilchenphysiker und ein Doktor der Robotertechnik mit Talent für schräge Comiczeichnungen in die weisen Fußstapfen des Griechen Sokrates.

„No Idea“ („Keine Ahnung“) heißt das erhellende Buch von Jorge Cham und Daniel Whiteson, welches jetzt in deutscher Übersetzung erschienen ist. Es handelt … nun, von allem. Mit anderen Worten: vom Leben, dem Universum, Lamas und dem ganzen Rest. Im Sokrates-Stil startet die vergnügliche Lesereise durch die rätselhaftesten Gebiete der modernen Forschung: Cham und Whiteson fragen, ob der Leser wissen wolle, wie alles entstanden sei und was das Wesen der Zeit sei – um gleich danach mit der kalten Dusche zu kommen: „Wirklich schade! Das vorliegende Buch wird keine dieser Fragen beantworten“.

Tatsächlich erfährt man hier aber eine Menge – über dunkle Energie, dunkle Materie (und dunkle Schokolade), Gravitation und Zeitreisen. Immer wieder garniert mit lustigen Zeichnungen. Der Grundgedanke des Buches ist ein ernster: Wir verstehen maximal fünf Prozent des Universums – aber genau dies sollte unseren Wissensdurst nähren und unseren Geist beflügeln, angesichts all der fantastischen Dinge, die es zu entdecken gibt.

Nebenher leisten Cham und Whiteson psychologische Hilfe: Wer begreift, welch glücklichem Zusammenspiel von drei unfassbar kleinen Teilchen mit aufeinander abgestimmten Ladungen jeder von uns seine Existenz verdankt, der wird sich nicht lange über schlechte Noten, angebrannte Pizzen und Steuernachzahlungen aufregen. Es gibt übrigens insgesamt zwölf Materieteilchen. Wozu die Restlichen da sind? Keine Ahnung.

Jorge Cham, Daniel Whiteson. „No Idea – Was wir noch nicht wissen. Vorletzte Antworten auf die letzten Fragen des Universums“. C. Bertelsmann. 464 Seiten, 15 Euro