Nur geprüfte Ware bietet der Friedrichstaler Pyrotechniker René Calmez zu Silvester an. Noch bis einschließlich Montag dürfen die Böller verkauft werden. | Foto: Rake Hora

Umgang mit Böllern und Co

Finger weg von Feuerwerk ohne Prüfzeichen

Anzeige

Warum ist Feuerwerk so gefährlich, Herr Calmez? „Wir haben es mit Explosivstoff zu tun, mit dem man sachgemäß umgehen muss“, sagt der Pyrotechniker, der in Friedrichstal aufgewachsen ist. „Feuerwerkskörper basieren auf Schwarzpulver.“ Dieses wird heute noch bei historischen Schusswaffen, Vorderladergewehren eingesetzt, zum Beispiel bei Schützenvereinen.  „Ein Funke genügt, um einen Feuerwerkskörper zu entzünden. Daher ist große Vorsicht geboten“, erklärt René Calmez.

Praktika und Prüfungen

Seit 2007 ist der gelernte Speditionskaufmann bei einem pyrotechnischen Unternehmen in Wiesloch beschäftigt: „Feuerwerk war schon in früher Jugend mein Hobby. Später habe ich die 26 erforderlichen Praktika als Helfer bei Feuerwerken gemacht und die theoretische und praktische Prüfung abgelegt“, erzählt er. Ein klassischer Ausbildungsberuf ist der Pyrotechniker nicht, ein verantwortungsvoller sehr wohl.

Stabile Hülsen und Kartons

Weil die Knaller so empfindlich sind, wird das Pulver in stabile Hülsen gefüllt. In Kartons verpackt werden sie gelagert, die Verpackungen brauchen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, erklärt der Fachmann, und jeder Feuerwerkskörper muss eine CE-Zulassung haben, eine Baumusterprüfung. „Von Exemplaren ohne CE-Ziffer sollte man dringend die Finger weg lassen.“

Das Meiste kommt aus China

Nur wenige Produkte werden noch in Europa hergestellt, nahezu alles, 97 Prozent, was an Silvester verschossen wird, kommt aus China. Freilich werden die dort hergestellten Feuerwerkskörper nach den jeweiligen Vorgaben des Importlands geprüft. „Aber auch in China werden die Bestimmungen strenger“, sagt René Calmez.

Großfeuerwerk wird noch im Land produziert

Pyrosignalmunition, Großfeuerwerk, Raketen werden noch bei einer Firma in Cleebronn bei Heilbronn produziert, aus Südeuropa kommen ebenfalls noch bestimmte Typen von Großfeuerwerk. Doch auch auf diesem Sektor liegt China vorne, etwa bei 90 Prozent.

Verbundbatterien sind sehr gefragt.

Für dieses Silvester hat Calmez in der Löwenstraße 5 in Friedrichstal Batterien in allen Varianten, gerade auch die seit zwei Jahren viel gefragten Verbundbatterien, dazu Raketen und alle Formen von Böllern. Renner sind nach seiner Erfahrung Viererbatterien, die etwa 60 Sekunden ihre Buketts in den Himmel werfen, für 22 Euro. „Gekauft werden diese Feuerwerkskörper quer durch die Bevölkerung, von Vätern mit Söhnen, viel Stammkundschaft, Menschen, die Freude am Silvesterfeuerwerk haben und Qualität haben wollen.“ Sein ausgesuchtes Material von renommierten Herstellern habe ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, stellt Calmez heraus.

Feuerwerk braucht klaren Kopf.

Welche Sicherheitsvorkehrungen empfiehlt der Experte? „Feuerwerk und Alkohol passen nicht zusammen“, macht der Experte deutlich: „Beim Feuerwerk braucht man einen klaren Kopf.“ Flaschen als Abschussbasis für Raketen sollte man in Flaschenkisten stellen, Batterien brauchen ebenen Grund.

Nur geprüfte Ware

Von Böllern, die in Polen hergestellt und dort zugelassen sind, sollte man Abstand nehmen, denn diese seien in Deutschland verboten. Böller keinesfalls in der Hand anzünden, sondern nur auf dem Boden. „Römisches Licht“ sollte in den Boden gesteckt werden. Und: „Geprüfte Ware kaufen, auch wenn das etwas teurer ist, und immer die Gebrauchsanweisung lesen“, empfiehlt René Calmez dringend, gerade weil nach seinem Eindruck die Nachfrage wächst. Dreistellig ist der Millionenbetrag, der jedes Silvester deutschlandweit in den Himmel gefeuert wird, mit steigender Tendenz, meint er.

Von 1000 Euro bis …

Und wie ist das mit dem Großfeuerwerk? „Da gibt es ganz viele Variationen, je nachdem, wie viel Geld der Interessent ausgeben möchte, und welche Effekte er haben möchte. Bei 1 000 Euro geht es los, und nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.“

Hintergrund
In Deutschland dürfen Feuerwerkskörper erst ab dem 28. Dezember verkauft werden. In anderen Ländern, auch EU-Ländern gelten andere Regelungen. Experten warnen vor Gefahren, die beim unsachgemäßen Umgang mit Böllern entstehen können. Vor allem wird darauf hingewiesen, dass Feuerwerk aus dem Ausland höhere Sprengkraft habe als in Deutschland produziertes. Feuerwerkskörper sollten in vertrauenswürdigen Läden gekauft werden, nicht etwa irgendwo aus dem Kofferraum eines Autos. Dabei handle es sich oft um illegale, nicht geprüfte Ware. Die Feuerwerkskörper sind in Kategorien eingeteilt. Zur Feuerwerkskategorie F1 gehören Knallerbsen, Knallbonbons, Tischfeuerwerk, Wunderkerzen oder Party-Knaller. Diese dürfen das ganze Jahr hindurch verkauft und benutzt werden, auch von Minderjährigen ab zwölf Jahren. Raketen, Batterien, Römische Lichter oder Knallkörper gehören zur Feuerwerkskategorie F2. Diese Artikel dürfen nur befristet und nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben werden. Gezündet werden dürfen sie nur am 31. Dezember und 1. Januar. Die Kategorien F3 und F4 dürfen nur mit spezieller Ausbildung beziehungsweise von Pyrotechnikern eingesetzt werden.

Kommentar
Es ist schon ein herrlicher Anblick, wenn sich nach lautem Knall leuchtende Fontänen, Buketts und glitzernde Sterne vom Himmel ergießen. So ein Feuerwerk hat etwas Magisches, und es ruft Staunen hervor. Ein Feuerwerk etwa, wie es hier und da bei sommerlichen Straßenfesten zum Abschluss in die Höhe geschossen wird. Zehn Minuten oder ein bisschen länger dauert eine solche Show am dunklen Abendhimmel.
In Eggenstein wird das alle zwei Jahre so gehandhabt, dank eines Sponsors, der den Aufwand bezahlt. Oder in Friedrichstal, dort gibt es alle drei Jahre beim Marktplatzfest ein solches Spektakel. Das sind Beispiele eines professionellen Feuerwerks, das nur ausgebildete Pyrotechniker abschießen dürfen. Auch das Silvesterfeuerwerk, das in Spöck abgebrannt wird, ist ein professionelles – eines für alle, wie es der scheidende Ortsvorsteher Manfred Beimel propagiert.
In der bevorstehenden Silvesternacht werden wie alle Jahre Böller, Raketen und Batterien von „Hinz und Kunz“ gezündet, die mitunter ziemlich sorglos mit dem explosiven Material umgehen. Dabei gibt es dafür doch eindeutige Regeln. Brand gefährdete Schuppen und Scheunen gibt es zwar selbst in der ländlichen Hardt nicht mehr so viele. Und verbotene Zonen wie enge Altstädte oder Gebiete mit reetgedeckten Häusern findet man zwischen Dettenheim und Pfinztal ebenfalls nicht. Dennoch: Aufmerksamer Umgang mit Böllern und Co ist unerlässlich. Vor allem sollten Kinder und Jugendliche – bei aller Begeisterung für die Knallerei – die Finger von dicken Knallern lassen.
Seit gefühlt ewigen Zeiten gibt es die Kampagne „Brot statt Böller“, und das Thema wird zweifellos weitergeführt werden. Die Herstellung von Feuerwerk gehört in eine Branche, in der eine Menge Menschen Arbeit hat, vor allem im Reich der Mitte. Die hätten darunter zu leiden, wenn deutlich weniger Feuerwerkskörper zu Silvester verschossen würden.
Verzichtete man – zugegeben eine völlig utopische Idee – ganz auf die Silvesterknallerei, ließe sich viel Geld sparen, das man in karitative Projekte stecken könnte. Viele Menschen müssten dann der Freude am Feuerwerk in der Silvesternacht Lebewohl sagen. Ein vernünftiger Weg wäre aber – vielleicht nicht ganz utopisch – der mögliche Kompromiss, etwas weniger Geld fürs Silvesterfeuerwerk auszugeben und dafür ein bisschen mehr oder überhaupt für hilfreiche Projekte zu spenden. Vielleicht ein guter Vorsatz für das neue Jahr?            Dietrich Hendel