Geschaeftsfuehrer KSC, Helmut Sandrock im Gespraech mit BNN Redakteur Rene Dankert. | Foto: Oliver Hurst/GES

Sandrock macht Druck beim KSC

„Alles muss auf den Prüfstand“

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Als der Karlsruher SC und Helmut Sandrock im Frühjahr ihre Zusammenarbeit anbahnten, stand der Präsident des Clubs, Ingo Wellenreuther, gerade so schwer im Kreuzfeuer der Kritik wie noch nie. Der Gegenwind war so scharf geworden, dass sich der Vizepräsident und Geldgeber Günter Pilarsky genötigt sah, den sich um den Zweitliga-Absteiger herum formierenden Oppositionen ein Machtwort entgegen zu halten: Geld von ihm gebe es nur mit, nicht aber ohne Wellenreuther. Der Verwaltungsrat blieb nach außen stimmlos, mindestens aber begrüßte er Sandrocks Anstellung. Durch das Auftauchen des früheren Generalsekretärs des Deutschen Fußballbundes, der kurz zuvor eine Verwarnung durch den Weltverband Fifa wegen der WM-Affäre 2006 akzeptierte, wurde es ruhiger. Nun ist Sandrock 100 Tage im Wildpark und überzeugt davon, dass das operative Geschäft aus den ehrenamtlichen Händen des Vorstands in die eines Managements gehört. Wie sich der 60-Jährige das vorstellt, verrät er unserem Redaktionsmitglied René Dankert.

100 Tage, und die Frage aller Fragen zunächst: Was macht Helmut Sandrock seit 1. Juli beim KSC?

Sandrock: Was jemand macht, der verantwortungsvoll mit einer neuen Aufgabe umgeht: Er verschafft sich ein Bild und kommt nicht gleich als Besserwisser daher. Ob das, was man auch Analyse nennen kann, dann 100 Tage braucht oder 80 oder 150, das sei dahingestellt.

Worauf legten Sie Wert?

Sandrock: Darauf, mit allen zu sprechen: Mit den Gremien, den Mitarbeitern. Mit den Leuten im Nachwuchsleistungszentrum, den Sponsoren und mit den Fans. Mir war wichtig, ein Gefühl für eine Stimmung zu bekommen. Und die Stimmung ist einerseits noch geprägt vom Abstieg, in Teilen aber auch von Aufbruch. Mir geht es darum, Dinge anzupacken, um den Club fit für die Zukunft aufzustellen, anstatt zu jammern.

Er wirkt aktuell wie ein Proficlub, dem droht, von der Fußball-Moderne verschlungen zu werden …

Sandrock: Der Fußball hat sich massiv verändert. Wirtschaftlich, in seinen Strukturen, mit neuen Elementen und Produkten und neuer Infrastruktur. Die WM 2006 war entscheidender Motor des Ganzen. An all diesen Entwicklungen hat der KSC nur bedingt teilgenommen.

Ihre Erklärungen dafür?

Sandrock: Der KSC war sportlich nicht dort, wo er hätte sein sollen, als es darauf ankam. Hinzu kommt der seit mehr als einem Jahrzehnt bestehende Standort- und Wettbewerbsnachteil beim Stadion. Schauen Sie auf Vereine wie den FC Augsburg oder den FSV Mainz, die sich – anders als der KSC – entwickelt haben, weil es ihnen gelang, sich länger in der Bundesliga aufzuhalten: Die partizipieren von den gigantischen Erlösen aus der TV-Zentralvermarkung. Parallel haben sie eine neue Stadion- und auch Trainingsinfrastruktur geschaffen.

Fatale Fehlentscheidungen, die der Verein jüngst in hoher Dichte traf, wären durch das Vorhandensein einer modernen Arena per se aber nicht vermieden worden, oder?

Sandrock: Um das zu beurteilen, bin ich nicht lange genug hier. Fakt ist, dass bei den Gesprächen mit dem Präsidium vor Aufnahme meiner Tätigkeit der klare Wille erkennbar war, die Strukturen im Club zu verändern. Das Präsidium hat sich im Mai dieses Jahres bei der Erstellung einer Fortführungsprognose dazu schriftlich bekannt. Letztendlich muss alles auf den Prüfstand: Die Führungsstrukturen, die Wirtschaftlichkeit, die innere Organisation im Club, auch die IT-Infrastruktur. Stichwort Digitalisierung. Hier geht es auch um den Fan und Kunden von morgen.

„Ehrenamtliche Führungsstrukturen stoßen an ihre Grenzen“

Können Sie zur Managementstruktur konkret werden?

Sandrock: Vorweg, ich spüre eine deutliche Sehnsucht im und auch außerhalb des Vereins, dass man hier zu Veränderungen kommt. Wir müssen den KSC zukunftsfähig aufstellen, um im Wettbewerb mit den anderen Clubs konkurrenzfähig zu sein. Das haben wir zum Beispiel mit der Gründung einer eigenen Stadionbaugesellschaft und der Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers getan. Der Blick in den Profifußball zeigt, und nicht nur dort, ehrenamtliche Führungsstrukturen stoßen an ihre Grenzen. Und es gehört auch zur Ehrlichkeit anzumerken, dass mit geänderten Strukturen wirtschaftliche Potenziale gewonnen werden könnten. Stichwort: strategische Partnerschaften.

Spüren Sie seitens des Präsidiums die Offenheit für solche Prozesse, die damit einhergehen, dass es Macht und Einfluss im operativen Geschäft abgeben müsste?

Sandrock: Bisher spüre ich die, ja. Das war ja für mich die Prämisse zum KSC zu kommen, neben dem neuen Stadion.

Dem KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther eilt der Ruf voraus, sich in die Ressorts einzumischen. Sind Sie am Arbeitsplatz autark?

Sandrock: Sehen Sie, das, was ich Ihnen eben erzählt habe, habe ich vor Wochen dem Verwaltungsrat vorgetragen und dafür absolute Zustimmung erhalten. Selbstverständlich war das Präsidium auch dabei. Ich schaue in die Zukunft und nicht auf Personen. Ich setze auf die positiven Kräfte des KSC. Darauf, dass alle erkennen, dass hier ein Erneuerungsprozess stattfinden muss.

Was selbst Mitglieder beklagen, ist die Visionslosigkeit des KSC. Hausbanken und dessen Vizepräsident Günter Pilarsky sichern den Fortbestand des Profifußballs ab. Bricht ein Seil weg, ist die Katastrophe da. Was entgegnen Sie?

Sandrock: Wenn der Erfolg nicht da ist und auch noch ein Abstieg zu verkraften ist, hat man oft wenig Argumente. Dem KSC fehlen in der Dritten Liga auf einen Schlag rund zehn Millionen Euro TV- Gelder. Ohne die großartige Unterstützung einer Reihe von Partnern, auch von Günter Pilarsky und von Geldinstituten, wäre die Erfüllung der Bedingungen zum Lizenzerhalt in der Dritten Liga unmöglich gewesen. Zudem können wir auf treue Sponsoren und Fans bauen. Wir haben für die laufende Saison 6 100 Dauerkarten verkauft und werden rund vier Millionen Werbe- und Hospitality-Einnahmen erzielen. Aber wir brauchen zur Zukunftssicherung das Stadion. Daneben müssen wir unsere Hausaufgaben machen. Ziel muss sein, dass wir den KSC nach und nach wirtschaftlich eigenständiger machen.

„Wofür steht der KSC?“

Nicht einfach…

Sandrock: … was ist schon einfach? Sie sprachen von Visionen, ich nenne es einen Zukunftsplan. Das erste und wichtigste Ziel ist, dass alle Verantwortungsträger im KSC einen Problemkonsens erreichen. Dazu gehört auch, weg von einer Bewahrungsmentalität zu kommen. Die Tradition muss immer ein Bestandteil des KSC sein, aber sie darf der Erneuerung nicht im Wege stehen. Wichtig wird auch sein, alle Gruppierungen im Club mitzunehmen und tatsächlich an den Beginn des Prozesses die Frage zu stellen: „Wofür steht der KSC?“

 

Das komplette Interview mit Helmut Sandrock, in dem er seine Positionen zur Situation des KSC ausführt,  lesen Sie am Montag in der Print-Ausgabe unserer Zeitung.