Das Amtsgericht (Mitte) ist im Fokus der Kunsthalle (links).
DAS OBJEKT DER BEGIERDE: Das Amtsgericht (Mitte) befindet sich in einer Toplage. Doch schon lange will sich der Nachbar Kunsthalle (links) dort erweitern und damit das Gericht verdrängen. Allerdings steht der Nachkriegsbetonbau unter Denkmalschutz. | Foto: jodo

Denkmalschutz und Erweiterung

Amtsgericht im Zugriff der Kunsthalle?

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Die Kunsthalle hat enormen Sanierungs- und Erweiterungsbedarf. Für die Modernisierung steht jetzt nach vielen Jahren des Aufschiebens die Ausschreibung des Realisierungswettbewerbs durch das Land unmittelbar bevor. Als Zuschlag soll es auch einen unverbindlichen Ideenwettbewerb für die Expansion der Kunsthalle über die Straßenschlucht „Am Schlossplatz“ auf das Grundstück des Amtsgerichts geben.

Expansionswunsch seit 2000

Die Kunsthalle wirft schon seit dem Jahr 2 000 einen begehrlichen Blick auf den Bau des Nachbarn, der dort seit 1958 Streitfragen entscheidet. Dabei wird es zumindest vorerst auch bleiben.
Aus vier Gründen: Erstens kommt die Erweiterung, wenn überhaupt, erst Jahre nach der Sanierung. Experten erkennen sie in weiter Ferne: Da könnten leicht weitere 20 Jahre ins Land gehen. Zweitens steht das Gebäude schon seit Jahren unter Denkmalschutz, kann also nicht einfach abgerissen oder für Kunstmuseumszwecke umgebaut werden. Drittens fühlt sich das Amtsgericht selbst am Schlossplatz bestens positioniert und strebt keine Luftveränderung am Rande der City an. Viertens hat das Land, wollte es denn im Interesse der Kunsthalle das Amtsgericht verlagern, weder den Bauplatz für ein neues Amtsgericht gefunden – von dessen Finanzierung ganz zu schweigen.

Was geschieht mit uns?

Bei allem Verständnis für die Belange der Kunsthalle stört Thomas Ohlinger, den Präsidenten des Amtsgerichts Karlsruhe, „dass diese Diskussion an der Justiz vorbei geführt wird“. Nur wenn „man sich zwingend Gedanken macht, was dann mit uns geschieht“, sei für ihn der Wachstumswunsch der Kunsthalle akzeptabel.

Botanischer Garten ist tabu

Dabei kann die Kunsthalle sich gar nicht anderswohin ausdehnen: Richtung Bundesverfassungsgericht wurde sie mit dem Mohl-Bau bereits 1990 erweitert. Da ist kein Platz mehr, und der Botanische Garten ist tabu. Bliebe also nur der Sprung über die Straße mit dem Griff auf das Gericht.
Ohlinger räumt ein, dass für sein Gericht „die Trennung nicht optimal ist“. Zudem komme 2018 mit dem Nachlassgericht in der Kaiserstraße ein dritter Standort hinzu. Es wäre zwar schön, wenn alles unter einem Dach sei. „Doch ein Problem haben wir damit nicht“, bekräftigt Ohlinger. Teile der Behörde wie das Familiengericht sind seit zehn Jahren in der Lammstraße untergebracht.

Alternativen an der Peripherie

Befürworter der Verlagerung des Amtsgerichts zugunsten einer Erweiterung der Kunsthalle argumentieren deshalb mit einem Kapazitätsproblem des Gerichts, das nach einem Neubau schreie. Dabei werden auch von Landesseite derzeit drei Grundstücke ins Spiel gebracht: der Südostzipfel des Alten Flugplatzes beim Kasinobau an der Erzbergerstraße, die Paradeplatzwiese des Behördenzentrums an der Moltkestraße und der frühere PH-Garten neben dem Gefängnis.

Möglicher Bauplatz für das Amtsgericht am Alten Flugplatz
AM ALTEN FLUGPLATZ könnte ein Platz für das Amtsgericht sein. Doch für die Behörde gilt die Nordstadt schon als die Peripherie. | Foto: jodo

„Der zentrumsnahe und damit optimale Standort ist uns lieber“, spricht Ohlinger für das 230-köpfige Gerichtspersonal. Auch für die Bürger sei doch die Lage am Schlossplatz ideal, meint er. Folglich ist für ihn nur ein Alternativgebäude im Zentrum wünschenswert – „was doch auch einer Stadt wie Karlsruhe angemessen ist“. Auch für das Amtsgericht fordert Rohlinger indessen die Sanierung. Vor allem das Klima im Gericht müsse dringend verbessert werden.

Kein totaler Denkmalschutz

Baubürgermeister hofft nun, dass der Ideenwettbewerb Ansätze für eine veränderte Nutzung des Gerichtsgebäudes bringt. Überhaupt sei es letztlich eine Frage der politischen und fachlichen Abwägung, wie weit der Denkmalschutz bestimmt. Das Amtsgericht gilt als einfaches Denkmal und hat damit nicht den absoluten Schutzstatus wie das Schloss oder die Kunsthalle.

Umbau denkbar

Es ist also denkbar, dass das Gebäude teilweise umgebaut werden kann. Selbst ein Abriss ist trotz Denkmalschutzes nicht kategorisch ausschließbar. Voraussetzung aber wäre erst einmal: Das Land findet Bauplatz und Geld für ein neues Amtsgericht. Bleibt die Frage: Würden Ohlinger sowie die Belegschaft und die Kundschaft des Gerichts dafür gerne den Weg frei machen?