Andreas Rüdenauer
Dank der VR-Brille können Kunden von Andreas Rüdenauer (rechts) ohne Bau eines Prototypen ihre Produktion erleben. | Foto: Fabry

Digitale Köpfe

Andreas Rüdenauer verwirklicht Star-Trek-Fantasien

Künstliche Welten erschafft die TV-Serie Star Trek seit den 60ern. Zwar setzt Andreas Rüdenauer virtuelle Realitäten (VR) für seine Kunden erst seit 2014 um, die künstlichen Räume des 33-Jährigen lösen jedoch echte Kundenprobleme. Die Vision des Karlsruhers ist dabei groß, nicht weniger als vom „Holodeck für Jedermann“ träumt er. Ein Holodeck ist im Star-Trek-Universum eine virtuelle Welt, die mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann. Die Serie spielt für den Unternehmensgründer eine wichtige Rolle. Schließlich war er als Jugendlicher selbst ein „Trekkie“, sprich Anhänger von Star Trek: „Mich hat schon immer begeistert, dass die Technologie der Serie nicht einfach eine Fantasie ist, sondern, dass sie wirklich Zukunft sein kann und wird, weil sie auf technischen Erkenntnissen beruht.“

Vorsicht vor der Realität beim virtuellen Spaziergang

Vor allem die visuelle Wahrnehmung von Holodecks können Kunden seiner Firma Rüdenauer 3D Technology GmbH erleben. Mit Hilfe der dort entwickelten Software lassen sich Kundenprojekte, zum Beispiel Fertigungsanlagen, im Eins-zu-eins-Maßstab visualisieren: Die VR-Brille aufgesetzt, tauchen die eigenen Hände in der künstlichen Welt auf und dienen als Hilfsmittel, etwa um Objekte näher heranzuholen oder zu verschieben. Auch ein Spaziergang ist in der virtuellen Produktion möglich, der kann allerdings seine Tücken haben: Denn wer ein paar Minuten in der künstlichen Welt unterwegs ist, vergisst leicht die Realität um sich herum. So können Stühle, Tische oder das Kabel der VR-Brille zu einer Stolperfalle mit echter Verletzungsgefahr werden. Vielleicht also doch besser einfach beamen – wieder ein Star-Trek-Begriff, der bedeutet, den Körper von einer Stelle zu einer anderen Stelle zu transportieren -, auch das ist in der Software virtuell problemlos möglich und ganz ungefährlich.

Im Grünen Kraft für den Alltag gewinnen

Wer so viel in künstlichen Welten unterwegs ist wie Andreas Rüdenauer, der braucht Rückzugsorte im echten Leben. Die Augen des Gründers, dessen Büro im Technologiepark in der Karlsruher Oststadt zu finden ist, strahlen, wenn er über die Natur spricht. Seine Kindheit hat er auf dem landwirtschaftlichen Hof der Eltern in Bad Mergentheim verbracht. Auch heute noch holt er sich die Kraft für den Alltag im Grünen: etwa beim Fahrradfahren auf dem Weg zur Arbeit, beim Joggen im Wald am Wochenende oder auf Ausflügen mit der Familie im Schlossgarten.

Von Medien und Orten lernen

Beruflich geht es für den 33-Jährigen ebenfalls oft aufs Land. Viele mittelständische Betriebe, die Kunden bei ihm sind, sitzen in kleinen Orten in Baden-Württemberg. Auf dem Weg dahin freut sich der Gründer Zeit zum Telefonieren, aber auch für Weiterbildung zu haben. So lauscht er auf den Fahrtstrecken im Auto gerne Hörbüchern, allen voran Biografien, wie jener von Apple-Gründer Steve Jobs, und Sachbüchern.

Die Lust auf Neues und das beständige Lernen begleiten Rüdenauer schon lange. Während des Studiums zog es ihn jeweils für ein halbes Jahr nach Buenos Aires sowie in die Nähe von Chicago.

Musik aus Leidenschaft

Selbst die Wahl des Musikinstruments lässt sich auf das Interesse am Lernen zurückführen: „Beim Perkussion – Schlag-Instrumente – spielen, hat man von der Triangel, dem Marimbafon, dem Schlagzeug bis hin zu der Pauke alles. Diese Vielfalt ist extrem spannend. Auch dass man sich in einzelnen Bereichen immer wieder neu einarbeiten kann, hat mich begeistert und ist eine Parallele, die im Unternehmertum genauso da ist.“

Der Gründer hätte beinahe Musik studiert. Am Ende hat ein Maschinenbaustudium am Karlsruher Institut für Technologie, dem KIT, das Rennen gemacht. Mit den Instrumenten der Jugend, neben den Schlag-Instrumenten auch Klavier und Klarinette, spielt er heute hauptsächlich gemeinsam mit seinen Kindern, die zwei und fünf Jahre alt sind: „Ich versuche ihnen die Leidenschaft zu vermitteln. Alles im Leben ist verbunden mit Leidenschaft. Es gehört aber auch Konsequenz und Hartnäckigkeit dazu. Wenn man sich in einer Findungsphase für etwas entscheidet, dann sollte man es auch durchziehen.“

Besseres Verständnis dank virtueller Realität

Dieses Dranbleiben hat ihn nach einer vierjährigen Etappe als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Fahrzeug- und Systemtechnik auch in die Selbstständigkeit geführt. Schon in der KIT-Zeit hat er geholfen, Produkt-Entstehungsprozesse zu verbessern. Dabei stolperte er auch über die Fragestellung, warum komplexe Systeme für ein besseres Verständnis nicht virtuell präsentiert werden. Ganz nach einem Konfuzius-Zitat, das er auch heute gerne in Präsentationen nutzt:

„Sage es mir, und ich werde es vergessen.

Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.

Lass es mich tun, und ich werde es können.“

2014 wurde aus diesem Gedanken die eigene Firma: „Das ist genau unser VR-Ansatz: Lass’ es mich tun und ich verstehe es. Das Beste was der Kunde haben kann ist ein echter Prototyp. Doch in einer so frühen Phase gibt es oft noch keinen und sie sind teuer. Mit unserer Software lässt sich zudem heute schon zehn Prozent Entwicklungszeit einsparen.“

„Star Trek ist gar nicht mehr so weit weg“

Ebenfalls 2014 kamen die virtuellen Brillen ins Entwicklungsstadium, und Rüdenauer setzte direkt ein erstes Kundenprojekt um, das er kurz darauf auch öffentlich präsentiert. Ist er damals noch der Einzige mit dieser Technologie auf einer Messe, sind es im Jahr darauf schon sehr viel mehr Aussteller, die damit arbeiten, und die Technik entwickelt sich weiter: „Was noch in Zukunft kommen wird, sind Datenhandschuhe, um wirklich auch Haptik in die VR-Welt zu bringen. Außerdem stehen Brillen an, die nicht mehr komplett geschlossen sind, sondern Hologramme in den Raum projizieren. Das ist genial, und Star Trek ist dann gar nicht mehr so weit weg.“