ROADTRIP-ROMANTIK: In "Final Fantasy XV" geht es nicht nur um die Rettung der Welt, sondern auch ums entspannte Reisen. | Foto: Square Enix

Junggesellen auf Tour

Angespielt: „Final Fantasy XV“

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„Final Fantasy XV“ ist die Elbphilharmonie der Spielewelt: Mit großen Ambitionen gestartet, mehrfach umgeplant und umgebaut – und mit großer Verspätung endlich fertig. Im Mai 2006 erstmals angekündigt, damals noch mit anderem Titel und für die Playstation 3, ist das riesige Rollenspiel von Square Enix nun für Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

„Final Fantasy XV“ strahlt Größenwahn aus

Mit so einer Vorgeschichte ist es kein Wunder, dass „Final Fantasy XV“ einen gewissen Größenwahn ausstrahlt. Das Rollenspiel kombiniert epische Fantasy-Action, ein entspanntes Roadmovie sowie typisch japanisches Anime-Melodrama mit Hollywood-Jungshumor und will Spielern sowohl inszeniertes Spektakel im Stil von „Uncharted“ als auch die Freiheit eines „Monster Hunter“ bieten. Das klappt längst nicht immer – sehenswert ist das Ergebnis aber auf jeden Fall.

MIT IHR FÄNGT ALLES AN: Ursprünglich ist Prinz Noctis unterwegs, um seine Verlobte Lunafreya für die bevorstehende Hochzeit abzuholen - doch dann kommt alles ganz anders. Screenshot: Square Enix
MIT IHR FÄNGT ALLES AN: Ursprünglich ist Prinz Noctis unterwegs, um seine Verlobte Lunafreya für die bevorstehende Hochzeit abzuholen – doch dann kommt alles ganz anders. Screenshot: Square Enix

Wie jedes andere „Final Fantasy“ übernimmt auch Teil 15 nichts von seinen Vorgängern. Story, Spielwelt, Charaktere und Regelwerk sind komplett neu. Die Geschichte ist etwas konfus erzählt, im Kern aber simpel: Prinz Noctis, Thronfolger eines kleinen Königreichs, zieht mit seinen drei Freunden los, um seine Verlobte Lunafreya für die bevorstehende Hochzeit abzuholen. Der Junggesellenabschied wird allerdings jäh unterbrochen, als ein böses Imperium einmarschiert. Höchste Zeit für Noctis also, seinen Thron und die Welt zu retten. Oder erst einmal in Ruhe angeln zu gehen.

VIEL FREIHEIT: Der Spieler darf meistens selbst entscheiden, wohin Noctis und seine Freunde als nächstes reisen. Screenshot: Square Enix
VIEL FREIHEIT: Der Spieler darf meistens selbst entscheiden, wohin Noctis und seine Freunde als nächstes reisen. Screenshot: Square Enix

Denn auch wenn die Story von „Final Fantasy XV“ nach etwas lahmem Beginn ordentlich in Fahrt kommt, kann der Spieler sie weitestgehend ignorieren. Die offene Welt, durch die Noctis und seine Freunde in einem Luxus-Cabrio cruisen, bietet schließlich genug Ablenkungsmöglichkeiten – von der Monsterjagd über die Höhlenexpedition bis zur Schatzsuche.

VERSCHNAUFPAUSE: Nach jedem Reisetag schlagen Prinz Noctis und seine Freunde ihr Zelt auf. Screenshot: Square Enix
VERSCHNAUFPAUSE: Nach jedem Reisetag schlagen Prinz Noctis und seine Freunde ihr Zelt auf. Screenshot: Square Enix

Am Abend beziehen die vier Reisenden entweder ein Hotel oder schlagen in der Wildnis ein Zelt auf. Dort wird natürlich auch gekocht – zur Auswahl stehen zum Beispiel Toast mit Spiegelei oder gegrillter Fisch.Die grotesk detaillierte Kochsimulation ist nur ein Punkt, an dem man „Final Fantasy XV“ die lange Entwicklungszeit anmerkt. Wer mehr als zehn Jahre an einem Spiel arbeitet, hat offenbar auch genug Zeit, um Dutzende von Rezepten ins Spiel einzubauen, genau wie eine überraschend realistische Angelsimulation.

Monster verprügeln ohne Pause

Der Kern des Spiels ist da weit konventioneller: Denn da geht es noch immer um das möglichst effektive Verprügeln von Monstern und anderen Gegnern. Anders als bei den Vorgängern läuft der Kampf ganz ohne Pausen und Menüs ab. Stattdessen darf der Spieler mit Noctis direkt angreifen, zaubern und ausweichen – seine Freunde agieren mit kleinen Ausnahmen selbstständig. Am Anfang sind die Kämpfe vor allem buntes Chaos, mit der Zeit zeigt sich aber einiges an Tiefgang.

ZU VIERT GEGEN MONSTER: Die Kämpfe sind sehr actionreich, dabei aber nicht anspruchslos. Screenshot:  Square Enix
ZU VIERT GEGEN MONSTER: Die Kämpfe sind sehr actionreich, dabei aber nicht anspruchslos. Screenshot:  Square Enix

Dass das Spiel unter all seinen Ideen nicht völlig zusammenbricht, ist ein kleines Wunder. Schwächen hat es aber trotzdem, allen voran die arg widerspenstige Kamera. Und längst nicht jede der zahlreichen Nebenmissionen ist wirklich spannend, im Angebot ist auch viel Schema F.

WANDELNDE KLISCHEES: Besonders tiefgründig sind die vier Helden von «Final Fantasy XV» nicht. Mit der Zeit wachsen sie dem Spieler trotzdem ans Herz. Screenshot: Square Enix
WANDELNDE KLISCHEES: Besonders tiefgründig sind die vier Helden von «Final Fantasy XV» nicht. Mit der Zeit wachsen sie dem Spieler trotzdem ans Herz. Screenshot: Square Enix

Insgesamt jedoch hat der Roadtrip einen gewissen Charme, was vor allem an den vier Hauptfiguren liegt. Die sind zwar wandelnde Klischees – der Bücherwurm, der Kraftprotz und der Witzbold – mit merkwürdigem Modegeschmack und wahnwitzig umständlichen Frisuren. Als vier beste Freunde auf der letzten unbeschwerten Reise ihres Lebens sind sie aber auch sehr glaubwürdig – und wachsen dem Spieler so mit der Zeit mächtig ans Herz.

THRONFOLGER MIT FRISURFETISCH: Prinz Noctis ist die Hauptfigur von "Final Fantasy XV".  Screenshot: Square Enix
THRONFOLGER MIT FRISURFETISCH: Prinz Noctis ist die Hauptfigur von „Final Fantasy XV“.   Screenshot: Square Enix

Umso trauriger ist, dass „Final Fantasy XV“ diese Qualitäten mit fortschreitender Spieldauer etwas aus den Augen verliert. In der zweiten Hälfte wird aus der tiefenentspannten Story nämlich wieder etwas hektische und sehr klassische Fantasy im Stil der Vorgänger. Das ist oft überraschend und nie richtig schlecht, aber leider auch nicht mehr so besonders wie die erste Hälfte.

UNENDLICHE WEITEN: Die Spielwelt ist sehr groß - wer wirklich alle ihre Geheimnisse erkunden will, muss 60 Stunden und mehr einplanen. Screenshot: Square Enix
UNENDLICHE WEITEN: Die Spielwelt ist sehr groß – wer wirklich alle ihre Geheimnisse erkunden will, muss 60 Stunden und mehr einplanen. Screenshot: Square Enix

Die gute Nachricht: Wer genug Freizeit hat, kann den Roadtrip von „Final Fantasy XV“ auch nach Ende der knapp 30-stündigen Geschichte fortsetzen und locker noch mehrere Dutzend Stunden Spaß aus dem Spiel wringen. Wer weiß schließlich schon, wie lang es bis zum nächsten Teil dauert?   Tobias Hanraths

„Final Fantasy XV“ ist für je rund 60 Euro für Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Die Altersfreigabe liegt bei 12 Jahren.  Später wird auch eine PC-Version erscheinen.