Barbara Przeklasa Digitaler Kopf
In Erinnerungen schwelgen und die Zukunft planen: Reisen und Arbeiten zu verbinden, ist für Barbara Przeklasa ein wichtiger Bestandteil ihrer Festanstellung geworden. | Foto: Hora

Barbara Przeklasa im Porträt

Angestellt in Ettlingen mit Miet-Arbeitsplätzen rund um den Globus

Ein Arbeitsplatz in der Nähe von Meer und Palmen, davon träumen sicher viele. Die Ettlinger Firma esentri hat diesen Traum einer Mitarbeiterin ermöglicht. Bei dem Consultingunternehmen stehen die Menschen im Mittelpunkt, also die Mitarbeiter, die mit ihrem digitalen Wissen Firmen helfen, Probleme zu lösen. Barbara Przeklasa hat von diesem Unternehmensgedanken in besonderer Weise profitiert.

Ohne Kündigung von unterwegs arbeiten

Doch wie kam es dazu? Die 36-jährige Karlsruherin Przeklasa hört vor drei Jahren zum ersten Mal von sogenannten Digitalen Nomaden, die in „Co-Working-Spaces“ – café-ähnliche Räume mit Miet-Schreibtischen – ihr Büro tage- oder wochenlang aufschlagen und dann mit dem Laptop weiterziehen. Doch die Variante der meisten „Digitalen Nomaden“, den Job zu kündigen und als Selbstständige ins Ausland zu gehen, kommt für Przeklasa nicht in Frage. Warum das Zuhause, die Freunde, nette Kollegen und eine abwechslungsreiche Arbeit als Marketingleiterin bei esentri aufgeben?

Alltag statt Urlaub erleben

Eine einmalige längere Auszeit ist für sie ebenfalls keine Option. Das ähnle zu sehr dem klassischen Urlaub. Przeklasa, die in Prag geboren ist, in der Südpfalz, Mannheim, Heidelberg sowie Mainz gelebt und schließlich in Karlsruhe ihr Zuhause gefunden hat, möchte in eine ihr fremde Lebenswelt eintauchen. Das Kopfkino mit Bildern vom abwechslungsreichen Alltag und traumhaften Arbeitsplätzen in Asien beschäftigt sie.

„Ich fand klasse, dass es so etwas gibt, und auch wenn ich die Idee zuerst ad acta gelegt habe, kam sie immer und immer wieder auf und hat mich nicht losgelassen“, erzählt Przeklasa während ihr Blick vom Besprechungsraum in der Firma in Ettlingen in die Ferne schweift, so als würde sie gerade an die Zusammenarbeitsplätze in Asien denken: Schreibtische eher gemütlich als steril, neben Wasserflaschen und Kaffeebechern finden sich Kokosnüsse mit Trinkhalmen auf dem Tisch und je nach Arbeitsgemeinschaft sind ein Pool sowie Liegestühle in Sichtweite.

Digitaler Arbeit ermöglicht die Distanz

Doch wie ist es möglich, dass Przeklasa als Angestellte im Ausland arbeitet? „Ich habe mir meinen Alltag angeschaut und gesehen, dass ich wirklich vieles am Rechner mache. Bei esentri läuft die Kommunikation oft digital. Warum sollte es also nicht gehen?“ Schließlich wagt sie es, ihren Chef um Erlaubnis zu bitten. Er habe überrascht reagiert, verrät sie, hatte aber das Zutrauen, dass sie es mit ihrer Persönlichkeit schaffen könnte.

Doch was für ein Typ Mensch kommt überhaupt in Frage, um als Angestellter mehrere Monate im Ausland zu arbeiten? Reisebegeistert sollte derjenige sein. Das ist Przeklasa, die eigentlich nie Urlaub zu Hause hatte: „Meine Eltern sind total reiseverrückt. An Tag eins der Ferien waren wir immer schon unterwegs, und das habe ich später als Erwachsene auch weitergeführt.“ Arbeitstechnisch sei die wichtigste Stärke eine hohe Eigenverantwortung. Neben der eigenen Persönlichkeit spiele auch das Vertrauen des Chefs eine wichtige Rolle, denn der müsse in brenzligen Situationen den Rücken frei halten und auch dahinter stehen, wenn bei Kollegen Neid auf die reisende 36-Jährige aufkäme.


Alltag in Asien: konzentriert und kommunikativ

Kritische Momente hat die Marketingleiterin aber keine erlebt. Vielleicht, weil sie den Arbeitsalltag in der Ferne sehr geplant angegangen ist: zuerst Homeoffice, dann „Co-Working-Space“ bei den Großeltern in Prag und schließlich Asien mit einem One-Way-Ticket, um bei Problemen wieder zurückfliegen zu können. Gleich drei Monate arbeitet die Abwechslung liebende Powerfrau von unterschiedlichen Miet-Schreibtischen in Thailand oder Bali. Auch dort setzt tagsüber ein Alltag ein: morgens konzentriertes Arbeiten, mittags Austausch mit den Kollegen in Ettlingen über laufende Projekte. Stille Momente gelingen dank der Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Asien leichter als im heimischen Büroalltag.

Von Perspektivenwechsel und Dankbarkeit

Auf die Frage, ob es lehrreiche Momente gab, erzählt Przeklasa von einem balinesischen Taxifahrer, der sie problemlos durch den chaotischen Verkehr lenkte und für den die überfüllten Straßen, die fehlenden Verkehrsschilder und Regeln überhaupt kein Problem darstellten. Denn, so der Fahrer: „Wir fahren mit unserem Herzen.“

Der Austausch mit anderen lehrt Przeklasa zudem, dass es immer mehrere Perspektiven auf eine Sache gibt: „Das versuche ich hier hereinzutragen und lebe es auch für mich jeden Tag. Man kann natürlich das graue Wetter betrauern oder sich überlegen, dass man jetzt mehr Zeit zu Hause verbringen und Dinge erledigen kann.“ Mittlerweile war Przeklasa mehrfach im Ausland unterwegs, etwa ein zweites Mal in Thailand, aber auch an anderen Orten wie Kambodscha, Portugal, Myanmar und Nordengland. Die Dankbarkeit dafür versucht sie im Alltag zu erhalten.

Mit esentri und den Kollegen nach Barcelona

Nachahmer gibt es in ihrer Firma übrigens keine. Aber esentri hat im vergangenen Jahr den Auslandsaufenthalt in die Firmenkultur mitaufgenommen und für alle getestet: Gemeinsam ging es zum Arbeiten nach Barcelona. Für Przeklasa eine Reiseerfahrung, die an alte Zeiten erinnert: „Es war ein bisschen wie früher auf Klassenfahrt. Zu meiner sonstigen Art zu reisen, hat es sich sehr unterschieden. Hier habe ich viel in der Gruppe gemacht und weniger mit Locals unternommen.“

Nächster Stopp: Spanien oder Vietnam

Die nächste Arbeitszeit in der Ferne hat die Karlsruherin auch schon im Blick. Allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte, denn für das aktuelle Projekt ist die Nähe zu den Kollegen praktisch und den Sommer in der Wahlheimat schätzt sie sowieso. Im Herbst könnte es nach Spanien – Kanaren oder Andalusien – oder Vietnam gehen.

Vielleicht trifft sie Ende des Jahres auch mehr Festangestellte anderer Firmen, die von unterwegs arbeiten. Denn bisher reisen mit dem Büro-Laptop zu 98 Prozent Selbständige oder solche, die sich eine Auszeit nehmen. Als Angestellter seinen Arbeitsplatz im Ausland aufzuschlagen, ist noch eine Seltenheit: „Das steckt in den Kinderschuhen, obwohl es schon zwei Jahre her ist, dass ich damit angefangen habe.“