Marsrover «Opportunity»
Mitten im gigantischen Sandsturm: Mars-Rover "Opportunity". | Foto: Nasa/Archiv

Mond- und Marsforschung

Auf dem Sprung weiter ins All

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58 Millionen Kilometer entfernt findet im All gerade ein spektakuläres Naturphänomen statt, zu dem im Vergleich ein irdischer Wirbelsturm wie eine schwache Brise wirken würde. Seit dem Sommerbeginn treibt auf dem Mars ein starker Wind den feinen Staub in bis zu 60 Kilometer hohen Staubwolken zusammen, die weite Teile der steinigen Wüstenlandschaft verhüllen. Vor einem Monat erklärte die US-Raumfahrtbehörde Nasa den gigantischen Mars-Sturm zum „planetenumspannenden“ Ereignis und gab den Kontakt zum vollends eingestaubten Rover „Opportunity“ auf.

Seit 2004 rollte bereits das solarstrombetriebene Wunderwerk der Technik in einer fremdem Welt. Dass „Opportunity“ sich in den Ruhemodus versetzt hat und vorläufig keine Bilder mehr sendet, dürfte indes nur einem kleineren Kreis von Spezialisten und Hobby-Astronomen aufgefallen sein. Zu sehr hatte sich die breite Öffentlichkeit zuvor an die spektakulären und gestochen scharfen Rundumaufnahmen des Rovers gewöhnt. Grandiose Bilder von der Oberfläche des kleinen Erdnachbarn sind längst keine Sensation mehr. Wer interessiert sich schon für betagte Fotoroboter, wenn die irdischen Großmächte jetzt darum wetteifern, Menschen zum Roten Planeten zu entsenden?

Wettlauf zwischen Russland, USA und China

„Sehr bald gehen wir zum Mars“, tönte vor drei Monaten US-Präsident Donald Trump – und wies die Nasa an, ein „innovatives Programm der Weltraumforschung“ in Angriff zu nehmen. Etwa zur gleichen Zeit versprach der russische Präsident Wladimir Putin seinen Landsleuten „zunächst unbemannte und später bemannte Missionen zu Mond und Mars“. Die erste soll laut Putin bereits 2019 starten. Nicht zu vergessen die ehrgeizigen Pläne Chinas, binnen zehn Jahren Bodenproben vom Mars zur Erde zurückzubringen. Im Mai 2018 testeten chinesische Wissenschaftler angeblich erfolgreich „neue Landetechnologien für bemannte Raumfahrzeuge“.

Im Frühjahr simulierte ein internationales Team in der heißen Wüste des Sultanats Oman einen Einsatz auf dem Roten Planeten. Die von der Berliner Physikerin Carmen Köhler angeführte Mannschaft schaffte es, in einem aufblasbaren Gewächshaus binnen zwei Wochen bis zu fünf Kilo des vitaminreichen Rettichs auf einem Quadratmeter zu kultivieren und Prototypen von Raumanzügen für die Arbeit auf der Marsoberfläche zu testen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Köhler: Die künftigen Mars-Pioniere brauchen eine Art WhatsApp, um effizient miteinander und der Erde kommunizieren zu können.

Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Beschaffenheit des wohl rätselhaftesten Planeten des Sonnensystems heizen das Wettrennen zum Mars zusätzlich an. So gaben italienische Forscher am Mittwoch erstmals den Fund eines 20 Kilometer breiten Sees aus flüssigem Wasser tief unter dem Eis am marsianischen Südpol bekannt. Flüssiges Wasser ist eine Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Anzeichen für Leben in dem Marssee lassen sich aus den Radarbeobachtungen der Raumsonde „Mars Express“ der europäischen Raumfahrtagentur Esa aber bislang nicht ablesen.

Und auch der Mond scheint heute die verschiedenen Raumfahrtagenturen und Forschungsinstitute viel mehr zu beschäftigen als noch vor einigen Jahren. Manche Forscher arbeiten an Plänen, auf der von uns abgewandten Seite des Erdtrabanten ein Teleskop aufzustellen, um damit das All zu erforschen und drohende Gefahren wie Asteroiden früher entdecken zu können. Andere treibt der Gedanke um, auf dem Mond wertvolle Rohstoffe wie etwa Titan zu fördern.

Auch manche Privatunternehmen spielen bereits mit dem Gedanken, Behausungen auf dem Mond mit Hilfe von 3D-Druckern zu errichten und dort kommerziellen Bergbau zu betreiben. Konkrete Pläne dazu scheint es bislang nicht zu geben. In den USA und Russland gibt es jedoch Interesse an einer gemeinsamen Raumstation, die um den Mond kreisen könnte. Die „Deep Space Gateway“ könnte als Nachfolgerin der im Erdorbit fliegenden ISS ein Ausgangspunkt für zukünftige Landungen auf anderen Planeten werden.