Bundeswehr im Irak
Bundeswehr-Soldaten trainieren kurdischen Peschmerga-Kämpfer nahe Erbil. | Foto: Michael Kappeler/Archiv

Kommentar

Aus der Schusslinie

Sie gilt bei anderen Truppen als beliebt, die Bundeswehr im nordirakischen Erbil. Glaubt man den Militärquellen, war der improvisierte deutsche Weihnachtsmarkt im Camp Stephan im vergangenen Dezember auch von Soldaten anderer Nationen gut besucht. Nun könnte es Ende 2018 die bayerische Bosna-Bratwurst, Waffel, Apfelküchle und Glühwein auch in anderen irakischen Regionen geben. Denn die Bundesregierung weitet bald den Einsatz in der Krisenregion auf das gesamte Land aus, um künftig unter anderem die Armee der irakischen Zentralregierung in Bagdad ausbilden zu können. Dagegen soll das Training der kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Norden allmählich auslaufen.

Die neue Mission ist kompakter, aber auch gefährlicher als bislang. So wird die Hauptstadt Bagdad immer wieder Ziel von schweren Terroranschlägen. Es ist also durchaus nachvollziehbar, dass das Mandat zunächst nur bis Ende Oktober gelten soll. Eskaliert die Sicherheitslage, will der Bundestag bei Bedarf schnell reagieren können. Heute nimmt Berlin dieses höhere Risiko in Kauf, weil die neue Aufgabe Deutschland einiges an politischem Einfluss und Prestige in der Region bringen könnte – und wohl auch weil die irakische Seite immer wieder auf ein stärkeres Engagement gedrängt hat.

Ein nützlicher Nebeneffekt der irakischen Neuausrichtung ist, dass die Bundesregierung mittelfristig die deutschen Soldaten in einem eskalierenden Konflikt um die kurdische Unabhängigkeit aus der Schusslinie nimmt. Nachdem das IS-„Kalifat“ im Norden Syriens und des Iraks militärisch geschlagen wurde, wollen die Kurden dort einen eigenen Staat etablieren. Dies wollen jedoch Bagdad, Damaskus und Ankara um jeden Preis verhindern. Deutschland hat bislang die Peschmerga im Kampf gegen die IS-Milizen wirksam unterstützt. Es macht aber Sinn, Vorsorge zu treffen, um nicht zwischen die Feuer in einer Region mit einem fragilen Gleichgewicht zu geraten.

Die unterfinanzierte Bundeswehr hat in Deutschland mit Problemen zu kämpfen – dagegen werden ihre Auslandseinsätze von den Nato-Partnern größtenteils als Erfolge gewertet. Es zeugt von einer wachsenden Reife der deutschen Außenpolitik, dass das Land zunehmend Verantwortung in Krisengebieten übernimmt. Nur darf man dabei nicht vergessen, kluge Exit-Strategien zu entwickeln.