Was will ich einmal werden? Den Berufswunsch zu ergründen ist für viele Jugendliche keine einfache Angelegenheit. Dabei hilft traditionell die Ausbildungsstellenbörse der CDU Karlsbad und Waldbronn, bei der in der Regel Eltern und Kinder erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen. | Foto: Rainer Obert

Ringen um jeden Azubi

Ausbildungsstellenbörse in Karlsbad verdeutlicht Nachwuchssorgen

Anzeige

Schwierige Azubi-Suche: Zum 23. Mal haben Betriebe bei der Ausbildungsstellenbörse in Karlsbad um Nachwuchs geworben. Dabei wurde deutlich, dass Bewerber beste Chancen haben. In den vergangenen Jahren ist die Lehrstellenbörse stark geschrumpft.

Der Ausbildungsmarkt ist nicht erst seit heute im Umbruch. Wie intensiv inzwischen nach Nachwuchs gefahndet werden muss, wurde bei der CDU Ausbildungsstellenbörse im Schulzentrum Karlsbad deutlich. Dort knüpfen seit stattlichen 23 Jahren Firmen und Ausbildungswillige erste Kontakte, doch ist sie nicht mehr das, was sie mal war. Die Reihen der Ausbildungsbetriebe haben sich gelichtet, wenngleich es mit 18 Unternehmen mehr als 2017 waren. Bezeichnend ist, dass Martin Rupp, Vorsitzender des CDU Gemeindeverbands Karlsbad, am Dienstagabend in einem Atemzug Schüler und Asylbewerber begrüßte, auf denen inzwischen auch große Hoffnungen gegen den Arbeitskräftemangel ruhen.

Ein Beruf ist ein goldenes Armband

„Ein Beruf ist ein goldenes Armband“, zitierte Rupp ein türkisches Sprichwort. Klar sei: „Für die Unternehmen ist es ein Hauptgewinn, gute Mitarbeiter zu finden.“ Schnell wurde bei der Stellenbörse deutlich, dass der direkte Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern, das persönliche Gespräch, klare Vorteile hat. „Ich hätte mir etwas mehr Zuspruch gewünscht“, so Karlsbads Bürgermeister Jens Timm. Im Gegensatz zur Gemeinde Waldbronn hatte Karlsbad selbst aber ebenso wenig einen Stand aufgeboten wie die durch Bürgermeisterin Sabrina Eisele vertretene Gemeinde Marxzell. Asylbewerber, beziehungsweise Migranten mit Aufenthalts- und Arbeitsrecht suchte man an sich vergebens. Denn die sind inzwischen nach der Zuzugswelle in der Regel bereits in Beschäftigung.

Warum bleiben Betriebe mit Nachwuchssorgen weg?

Etwa bei der Bäckerei Nußbaumer. „Wir haben drei in Beschäftigung – und das geht sehr gut“, verdeutlicht Geschäftsführer Bruno Rihm. Bei der lokalen Ausbildungsbörse mit einem Stand vertreten zu sein, sei Ehrensache. „Wenn wir hier einen finden, dann ist viel gewonnen.“ Deshalb verstehe er nicht, dass Nußbaumer der einzige Handwerkbetrieb ist, der sich präsentiert. Beim Mitorganisator „Die Karlsbader Selbstständigen“ (DKS) erklärt sich das Vorsitzender Klaus Steigerwald so, dass die Betriebe in ihrem direkten Umfeld quasi auf dem kleinen Dienstweg den Nachwuchs rekrutieren und stark auf Praktika setzen, um junge Leute zu gewinnen. „Das Praktikum ist ein wichtiger Anker.“ Rihm fragte sich dennoch, warum andere Not leidende Handwerksbetriebe wie Metzger oder Vertreter der Gastronomie mit Nachwuchssorgen nicht kommen. Gekommen war beispielsweise die Karlsbader Neuntklässlerin Pauline Kappler, flankiert von Mutter Ute. „Etwas Kreatives, etwa in der Raumausstattung“, kann sie sich vorstellen.

Damals hat es hier gebrummt

„Eher eine Ausbildung“ stellt sich auch Rico Bodemer (15) aus Mutschelbach vor. Er will etwas Technisches lernen, zum Beispiel Mechatroniker. Das mit Technologie-Firmen gesegnete Karlsbad hat für diesen Wunsch Betriebe zu bieten. Etwa Harman Becker. „Wir wollen zwölf Ausbildungsstellen besetzen“, so Ausbildungsleiter Markus Haamann, der mit David Bach einen Azubi aus Karlsbad mit am Stand hatte. Um die Stellen hoffentlich besetzen zu können, sei man aber auf einigen Berufsmessen in Karlsruhe, Ettlingen, Remchingen oder auch Pforzheim präsent. Inzwischen sei es eben ein Kampf um jeden hoffnungsvollen Jugendlichen. Es werde immer knapper. Er kennt die Karlsbader Ausbildungsbörse schon seit vielen Jahren. „Es ist nicht mehr wie früher.“  Vor Jahren hatten noch die Betriebe die Qual der Wahl und die Bewerber standen mitunter Schlange. „Damals hat es hier gebrummt. Am Ende hatten sie keine Stimme mehr.“