Mit Kraft und Komfort: 408 PS liefert der Elektroantrieb des Mercedes EQC. Er soll laut Hersteller in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen. | Foto: Daimler

Neue Modelle

Elektroautos für jeden Zweck

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Schnelle Beschleunigung, keine Abgase: Elektroautos bieten gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren einige Vorteile. Die Zahl der zugelassenen Stromer steigt, und das Angebot wächst. Zu den bereits länger lieferbaren Modellen von Smart bis Tesla kommen 2019 weitere Neuheiten auf den Markt. Dadurch nimmt die Bandbreite zu, und die Einsatzzwecke werden vielfältiger. Das beobachtet Andreas Radics von der auf die Automobilindustrie spezialisierten Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors. „Mit Blick auf die bereits verfügbaren E-Autos und die Modelle, die für die nächsten Monate angekündigt sind, gibt es mittlerweile mehrere Fahrzeugmodelle für jede Kundengruppe.“ Die Bandbreite reiche vom Stadtflitzer bis zum vollwertigen SUV und zum Lieferwagen. Nur für Handelsreisende, die am Tag schon mal 1000 Kilometer zurücklegen, fehle das passende Gefährt mit entsprechender Reichweite.

Stadtmobil: Der elektrische Kleinwagen e.Go Life soll laut Hersteller im Stadtbetrieb je nach Ausführung bis zu 158 Kilometer Reichweite haben. Foto: e.GO Mobile

Kleinstwagen oder Luxuskarosse

Der e.Go Life der e.Go Mobile AG aus Aachen ist laut Radics für Flottenbetreiber eine Alternative zu konventionellen Kleinwagen. Mit neuen SUVs wie dem Audi e-tron, Kia Niro oder Mercedes EQC werden Fahrer bedient, die Wert auf viel Platz legen. Der 4,76 Meter lange Mercedes EQC leistet 408 PS und soll rund 450 Kilometer weit fahren. Grundpreis: rund 80 000 Euro. Ähnlich stark und teuer wird der neue Audi e-tron.

Tesla-Konkurrent: Der Audi e-tron ist ein vollelektrischer SUV mit einer Reichweite von bis zu 417 Kilometer. Es ist das erste rein elektrische Modell der Ingolstädter.    Foto: Audi

Elektroautos für Lieferdienste

Gewerbetreibende und Handwerker können heute mit einem Nissan e-NV200 oder Streetscooter elektrisch zu ihren Kunden fahren. Mercedes und VW wollen 2019 ebenfalls Elektro-Transporter verkaufen.

Elektromobilität sogar für die letzte Reise: Der Hersteller von Sonderfahrzeugen Binz baut einen Leichenwagen auf Tesla-Basis.   Foto: Sebastian Postupa/Binz

Neben Preis und Design sind bei der Auswahl eines E-Autos einige weitere Kriterien wichtig. Reichweite, verfügbare Ladeinfrastruktur sowie Ladegeschwindigkeit sind Schlüsselkriterien für den Erfolg der E-Autos allgemein, schildert Radics. Und in diesen Bereichen sieht er massive Fortschritte. Wichtig sei der Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Bereich wie an Autobahnen. „Es bringt dem E-Autofahrer nichts, wenn er bei einer langen Dienstfahrt oder im Urlaub stundenlang auf eine Zwischenladung warten muss. Sei es, weil die Ladegeschwindigkeit nicht mehr hergibt oder weil die Tankstelle belegt ist“, so Radics. Mit höheren Ladeleistungen von bis zu 150 Kilowatt (kW) könnte der Ladevorgang künftig deutlich kürzer sein als bisher. Deren Installation ist jedoch aufwendig, ihre Benutzung entsprechend teuer. Zum Vergleich: Ladestationen für daheim (Wallboxen) leisten laut ADAC je nach Auslegung zwischen 3,7 und 22 KW.

Reichweite bleibt der Knackpunkt

Die Reichweiten der Autos sind noch immer nicht uneingeschränkt alltagstauglich. Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE) rät, in Betracht kommende Fahrzeuge auf diesen Aspekt hin zu testen, weil die Angaben der Hersteller von der Realität abweichen können. Viele Modelle lassen sich mit unterschiedlich großen Batterien bestellen. Es gilt aber: Je höher die Reichweite, desto teurer das Modell.

Interessierte sollten sich vorher jedenfalls genau über ihren Einsatzzweck klar werden. „Das E-Auto lohnt sich aufgrund seiner eingeschränkten Reichweite eher für Pendler die täglich 30 bis 50 Kilometer Fahrtweg haben“, schätzt Mühlich ein. Die Fahrt zur Arbeit und zurück ist für ein Auto mit einem Akku, der durchschnittlich 150 bis 200 Kilometer durchhält, kein Problem. Allerdings sollte man für ungeplante Umwege wie Einkäufe genug Reichweitenreserve einplanen.

Wie weit kann er noch fahren? Die restliche Reichweite wird zum Beispiel im Jaguar I-Pace unübersehbar angezeigt.     Foto: Schuh

Hohe Strompreise an Ladesäulen

Was nicht vergessen werden sollte: Auch Strom zu tanken, kostet. Eine Kilowattstunde, im Haushaltstarif für unter 30 Cent zu haben, wird an öffentlichen Ladesäulen inclusive Nebenkosten oft über einen Euro teuer. Kritiker bemängeln zudem komplizierte Tarifstrukturen, die einen Preisvergleich erschweren.

Mühlich sieht deshalb Fahrer im Vorteil, die günstig Strom zapfen können, etwa beim Arbeitgeber oder in der heimischen Garage, idealerweise aus regenerativen Energien, zum Beispiel vom eigenen Solardach.

Auch Elektroautos produzieren Feinstaub

E-Autos sind bei niedrigen Geschwindigkeiten, etwa in Wohngebieten, viel leiser als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und sie produzieren beim Fahren keine Abgase. Sie sind lokal abgasfrei, heißt es dazu oft. Bei der Produktion der Fahrzeuge und der Stromerzeugung etwa fallen aber natürlich Emissionen an. Auch wird im Fahrbetrieb ähnlich viel Feinstaub produziert wie bei einem herkömmlichen Auto; er entsteht überwiegend aus Brems-, Reifen- und Straßenabrieb.

Trotz Umweltprämie kosten Elektroautos mehr als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die E-Auto-Förderung in Höhe von 4000 Euro für Fahrzeuge bis maximal 60 000 Euro gleiche das laut Mühlich nur teilweise aus. „Deshalb sollten Interessierte prüfen, ob das E-Auto überhaupt zu ihren Fahrgewohnheiten passt.“ Vor allem Langstreckenfahrer sollten sich überlegen, ob sie mit einem konventionellen Antrieb günstiger fahren.

Mietbatterie spart Probleme

Eine Alternative könnten gebrauchte E-Autos sein: Hier muss laut Mühlich eine hohe Laufleistung Kunden nicht abschrecken, weil in Elektroautos weniger Teile verschleißen. Kritischer Punkt beim gebrauchten Elektroauto sei der Zustand der Batterie, deren Kapazität spätestens nach ein paar tausend Ladezyklen merklich nachlasse. Dieses Risiko entfällt beim Kauf eines E-Autos mit gemieteter Batterie, wie es etwa Renault, Nissan oder Smart anbieten. Ist der Mietakku defekt, muss der Hersteller ihn kostenlos austauschen. Fabian Hoberg/sob

ADAC zu Wallboxen

Bundesumweltministerium zur Umweltfreundlichkeit von E-Autos