Versteckspiel: Noch geht der neue Opel Corsa gut getarnt auf die Teststrecke. | Foto: Andreas Liebschner/Opel/tmn

Es gibt noch normale Autos

Neue Kleinwagen 2019

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Das Autoleben ist anscheinend nur noch im SUV zu ertragen. Zumindest wächst der Marktanteil der Geländewagen beständig und liegt nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg mittlerweile bei 29 Prozent. Aber selbst wenn fast jeder dritte Neuwagen aufs Abenteuer schielt, sind die anderen zwei Drittel anderer Machart. Das haben jetzt auch die Hersteller erkannt und beweisen in diesem Sommer mal  ein bisschen Bodenhaftung: Zwischen all den hochbeinigen Crossover-Konzepten drängen ein paar ganz gewöhnliche Autos auf die Premieren-Bühne. Darunter befinden sich überraschend viele neue Kleinwagen.

Neue Kleinwagen laufen sich warm

Kein Wunder: Nachdem dieses Segment in den letzten Jahren zugunsten der Stadtgeländewagen stark vernachlässigt wurde, gibt es entsprechenden Nachholbedarf. Besonders groß ist der offenbar in Frankreich: Dort laufen sich aktuell gleich zwei oder streng genommen sogar drei neue Stadtflitzer warm. Denn neben der Neuauflage des Renault Clio steht auch im PSA-Konzern ein Generationswechsel an.

Und weil dort neben Peugeot und Citroën mittlerweile auch Opel zur Familie gehört, gibt es nicht nur einen neuen 208, sondern auch den nächsten Corsa. Beide Modelle teilen sich eine Plattform, die PSA als besonders leicht rühmt, und sollen deshalb zugunsten der Effizienz mehrere Zentner abspecken.

Schwimmt mit dem Strom: Der neue Peugeot 208 soll wie sein Verwandter Opel Corsa auch als reines Elektroauto auf den Markt kommen.    Foto: Peugeot

Ein Corsa aus Frankreich

Der Corsa knackt so laut Opel die 1000-Kilo-Marke und wiegt in der leichtesten Variante nur noch 980 Kilo. Dazu gibt es neue oder gründlich überarbeitete Motoren und Technologien, die in dieser Klasse bislang nicht verfügbar waren – zum Beispiel die LED-Matrix-Scheinwerfer. Peugeot will dagegen vor allem mit Assistenzsystemen wie einer automatischen Abstandsregelung oder einer Spurführungshilfe punkten.

So ähnlich sich 208 und Corsa unter dem Blech sind, so sehr sollen sie sich im Design unterscheiden. Der 208 übernimmt die Linienführung des 508, wird sieben Zentimeter länger und vier Zentimeter flacher, während der Opel den ersten Prototypen-Fotos nach zu urteilen eine ähnliche Silhouette hat wie sein Vorgänger.

Der nächste Opel Corsa im Akustiklabor.   Foto: Opel

Auch der Clio speckt ab

Der Wettbewerb überlässt den beiden PSA-Marken die Bühne aber nicht konkurrenzlos. Ebenfalls in diesem Sommer geht ein neuer Clio an den Start. Auch er speckt laut Renault bis zu 50 Kilo ab und will vor allem mit inneren Werten überzeugen, sagt Designchef Laurens van den Acker. Er verspricht hochwertigere Materialien, mehr Liebe zum Detail und vor allem viel digitale Technik.

So gibt es nun einen großen Touchscreen in der Mittelkonsole und erstmals digitale Instrumente. Unter der Haube gibt es weitgehend neue Benziner und Diesel, die mit drei oder vier Zylindern ein Leistungsspektrum von 65 bis 130 PS abdecken. Zum ersten Mal wird es den Clio dann auch als Mild-Hybrid mit einem elektrischen Startergenerator geben, so der Hersteller.

Ebenfalls unter Strom: Der neue Clio soll mit Mild-Hybrid-Antrieb vorfahren. Foto: Renault

Die Elektrifizierung des Antriebs ist auch das große Stichwort beim Honda Jazz, den der japanische Hersteller für die Tokio Motorshow im Oktober angekündigt hat: „Dann gibt es den Kleinwagen auch mit dem Hybrid-Antrieb aus dem CRV“, stellt Honda in Aussicht.

Einzige deutsche Neuheit in dieser Klasse ist der Audi A1 – und auch der ist eigentlich schon ein alter Hut. Erstens, weil er die bekannte Technik des VW Polo nutzt und nur ein bisschen vornehmer verpackt. Und zweitens, weil er mit Benzinern von 95 PS bis 200 PS zu Preisen ab 19 950 Euro bereits seit einem halben Jahr im Handel ist.

Schon vorgefahren: Der neue Audi A1 ist bereits seit Ende 2018 im Handel. Foto: Audi AG

Neues auch bei den Kleinsten

Während sich bei den anderen Kleinwagen aus Europa und Asien sonst nicht mehr viel tut in diesem Jahr und Autos wie der VW Polo, der Ford Fiesta, der Mazda 2 oder der Toyota Yaris noch ein wenig durchhalten müssen, zeichnet sich auch bei den ganz Kleinen in der Klasse darunter noch etwas Bewegung ab. Für Smart Fortwo und Forfour gibt es laut Hersteller genau wie für den technisch eng verwandten Renault Twingo das erste Facelift. Aus Hyundai-Kreisen ist zu hören, dass auf der IAA im September in Frankfurt die nächste Generation des i10 ihren Einstand gibt.

Für den Renault Twingo sowie dessen Smart-Verwandtschaft  wird das erste Facelift erwartet.     Foto: Renault

Die große Welle der kleinen Autos könnte allerdings die letzte sein. Denn um kommende Schadstoffnormen zu erfüllen, müssen die Hersteller so viel Geld in die nächsten Generationen stecken, dass sich die Autos am Ende womöglich kein Kunde mehr leisten will. VW-Chef Herbert Diess: „Für Modelle wie den Up ist das Ende damit besiegelt, und hinter den Polo setzen wir ein Fragezeichen.“

Elektrifizierung allerorten

Oder man macht es so wie die Franzosen: Den neuen Peugeot 208 wird es genau wie den davon abgeleiteten Opel Corsa auch mit Elektroantrieb geben, teilen die Hersteller mit und stellen Reichweiten von bis zu 340 Kilometer in Aussicht.

BMW baut zum Herbst nach eigenen Angaben zum ersten Mal einen elektrischen Mini. Und auch Renault setzt für den Stadtverkehr der Zukunft weiter auf Strom – selbst wenn es beim neuen Clio nur für einen Mild-Hybrid-Antrieb reicht. Aber dafür gibt es ja bei ihnen im gleichen Format als dezidiertes Elektroauto noch den Zoe. Der wird nach Angaben aus der Pariser Zentrale in diesem Jahr ebenfalls noch ein gründliches Update bekommen.  Thomas Geiger