Passgenau: Einige Modelle von BMW merken sich die letzten zurückgelegten Meter vor dem Abstellen und können sie auf Knopfdruck wieder rückwärts abspulen, praktisch beim Rangieren aus engen Parklücken. | Foto: Barry Hayden/BMW

Künftig rangiert der Autopilot

Nie mehr einparken

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Beim Einparken fährt sie bei vielen mit: Die Angst, an einem anderen Auto oder an der Garagenwand entlang zu schrammen. Parkassistenten, die es inzwischen selbst in Kleinwagen gibt, machen das Rangieren zum Kinderspiel und nehmen dem Parken seinen Schrecken. Und das ist erst der Anfang: Schon jetzt legen manche Oberklasse-Autos die letzten Meter fahrerlos zurück.

Hier rangiert der Kammerdiener

Geht es nach den Herstellern, fahren die Autos bald komplett allein zum Stellplatz – automatisiertes Valet-Parken also. Valet ist das englische Wort für Kammerdiener; in den USA ist „Valet Parking“ schon länger verbreitet, allerdings in analoger Form. Dabei halten Autofahrer unmittelbar vor dem Eingang eines Restaurants, Hotels oder Geschäfts, steigen aus und drücken den Autoschlüssel einem Dienstboten in die Hand, der den Wagen zu einem Parkplatz steuert – und später zum gewünschten Zeitpunkt wieder zurückholt. Diese schlecht bezahlten Aushilfsjobs sind bedroht, wenn die derzeit teure Technik erst flächendeckend Einzug hält.

Zahlreiche Sensoren und Kameras

Wie schnell das gehen kann, zeigen die bisherigen Einparkhilfen: Zur Jahrtausendwende noch Luxuslimousinen vorbehalten, findet man sie heute in fast jedem Kleinwagen. Waren es anfangs die piependen und blinkenden Radar- und Infrarot-Sensoren in den Stoßfängern, sind mittlerweile Kameras die gebräuchlichste Hilfe.

So gesehen: Kameras im Heck, in den Außenspiegeln und im Kühlergrill erfassen das gesamte Umfeld und projizieren ein Live-Bild aus der Vogelperspektive ins Cockpitdisplay.  Foto: Volkswagen

Nach hinten schauen sie immer; manche Modelle haben auch vorn und an den Seiten eine Kamera. Der Bordcomputer komponiert daraus ein Bild, das den Wagen und seine Umgebung aus der Vogelperspektive zeigt, erklärt Alexander Sellei von Nissan. Bei dem japanischen Hersteller ging ein solches System namens Birdview schon früh in Serie.

Einparken auf Knopfdruck

Immer öfter übernehmen das Rangieren mittlerweile elektronische Einparkhilfen: Egal ob längs oder quer zur Fahrbahn, erkennen Fahrzeuge wie der VW Tiguan nach Angaben von Volkswagen-Sprecher Christian Buhlmann eine freie Lücke. Einmal ausgewählt, muss der Fahrer nur noch Gas geben und bremsen, während die Elektronik lenkt.

Hilfe beim Rangieren: Viele moderne Autos erkennen freie Lücken, helfen beim Einparken oder machen es komplett selbsttätig.   Foto: Daimler

Im neuen Nissan Leaf wird dem Menschen selbst diese Aufgabe noch abgenommen, sagt Sellei: Dort reduziert sich die Aufgabe des Fahrers auf das Drücken eines Knopfes, mit dem man das System überwacht und die Verantwortung übernimmt.

Noch weiter geht BMW bei neuen Modellen. Sie merken sich automatisch die letzten 50 bis 100 Meter ihrer Fahrt und können diese auf Knopfdruck bei mäßigem Tempo in umgekehrter Reihenfolge abspulen, so BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. Wer sich also mit Autos wie dem neuen X5 oder dem 8er zum Beispiel in einem engen Parkhaus in die Zwickmühle bringt, kommt automatisch wieder frei.

Rangieren mit Fernbedienung

In der Oberklasse muss man beim Parken nicht einmal mehr im Fahrzeug sein: Autos wie der Audi A8 kommen beispielsweise in eine enge Garage, wenn der Fahrer draußen steht und den Vorgang nur noch am Handy überwacht, erläutert Audi-Sprecher Josef Schloßmacher.

Elektronischer Diener: Per Smartphone-App fährt der Wagen beim Valet-Parken allein ins Parkhaus und wieder heraus.   Foto: Volvo

Was aktuell nur auf eine Distanz von wenigen Metern und ohne große Lenkbewegungen funktioniert, soll künftig so komfortabel sein wie Valet-Parken, erläutert Volvo-Sprecher Michael Schweitzer. Dafür arbeitet der Hersteller an einem System, bei dem man seinen Wagen an der Einfahrt zum Parkhaus oder zur Tiefgarage in einer Übergabezone abstellt und einfach aussteigt. „Während die Insassen dann schon auf dem Weg zum Abendessen sind, rangiert der Autopilot den Wagen auf einen freien Parkplatz und stellt ihn später wieder bereit, wenn man ihn über das Smartphone anfordert“, beschreibt Schweitzer die Pläne.

Wagen kurvt allein durchs Parkhaus

Noch ist automatisiertes Valet-Parken Zukunftsmusik. Pilotprojekte gibt es aber schon, etwa am Flughafen Hamburg vom VW-Konzern oder im Parkhaus des Mercedes-Museums in Stuttgart von Bosch und Daimler. Der Zulieferer Continental hat die Serienreife für so ein System bis zum Jahr 2022 angekündigt. Sie alle wollen damit nicht nur den Komfort für die Fahrer erhöhen, sondern versprechen auch einen Gewinn für die Städte: Weil autonom geparkte Autos enger zusammenrücken und insgesamt weniger Platz beanspruchen.

Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS hält automatisiertes Parken für greifbarer als den Autopiloten für Überlandstrecken oder den Stadtverkehr: „Das automatisierte Valet-Parken könnte deutlich schneller kommen, weil man sich dort technisch wie juristisch in einem einfacheren Rahmen bewegt“, sagt der Experte. Parkplätze liegen meist auf privatem Gelände, wo die Straßenverkehrsordnung allenfalls eingeschränkt gelte, der Geschwindigkeitsbereich sei niedrig, die Strecken könnten genau erfasst werden und mögliche Begegnungen mit anderen Fahrzeugen oder Fußgängern seien stark eingeschränkt – erst recht, wenn ganze Parkhausebenen oder Tiefgaragen fürs Roboterparken reserviert wären.

Bei Parkrempler alarmiert das Auto die Polizei

Weil Parkrempler nach wie vor zum Alltag gehören, sich aber längst nicht jeder Missetäter stellt und stattdessen Fahrerflucht begeht, entwickeln die Hersteller mittlerweile auch dafür Assistenzsysteme. In Autos wie der überarbeiteten C-Klasse von Mercedes arbeiten die Bewegungs- und Parksensoren jetzt auch beim abgestellten Fahrzeug und schlagen Alarm, wenn der geparkte Wagen touchiert oder gar gerammt wird, erklärt Firmensprecher Steffen Schierholz.

«An Ihrem Fahrzeug wurde eine Kollision entdeckt»: Bisher informiert die Mercedes-App nur Fahrzeugbesitzer, könnte aber auch der Polizei sofort Bilder des Unfallverursachers schicken – Kameras sind ja genügend an Bord.    Foto: Daimler

Aktuell benachrichtige das Auto nur den Fahrer auf seinem Smartphone. Technisch wäre es aber auch schon möglich, mit den Kameras im Wagen das Kennzeichen des Unfallgegners zu erfassen und automatisch Polizei und Versicherung zu verständigen.  Thomas Geiger/sob