Oldtimer
Gern gesehen: Old- und Youngtimer, hier bei einem Rennen in Hamburg, sind für Ihre Besitzer gleichermaßen Spielzeug, Statussymbol und Wertanlage | Foto: Scholz/dpa

Mit 30 zum alten Eisen

Oldtimer Jahrgang 2019

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In Deutschland sind so viele Oldtimer wie noch nie gemeldet: Die Bestandszahl der Pkw mit H-Kennzeichen nähert sich nach Auskunft des Verbands der Automobilindustrie der Zahl von 500 000 Fahrzeugen. Doch der Boom des beliebten Oldie-Kennzeichens könnte abflauen. Denn ab 1989 wurde in Deutschland der Einbau von Abgas-Katalysatoren in Neuwagen zur Pflicht.

Für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen gilt ein einheitlicher, gesetzlich festgelegter Jahressteuersatz von knapp 192 Euro. Damit fahren Halter meist kostengünstiger, als wenn sie ihr Auto normal anmelden. Das ändert sich bei vielen auch hubraumstärkeren Modellen aber, sobald ein Kat an Bord ist. Dann könnte der individuelle Steuersatz selbst ohne das H-Kennzeichen unter dem Oldie-Einheitssteuersatz liegen.

Fahrverbote auch für Oldtimer?

Zum anderen dürfen Oldtimer in der Regel in städtische Umweltzonen einfahren. Allerdings geht Götz Knoop, Vizepräsident beim Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge, davon aus, dass die Einfahrverbote für Dieselautos in einigen Städten auch Oldtimer treffen. „In Hamburg ist das bereits der Fall, in Stuttgart wäre es den aktuellen Plänen zufolge nicht so. Welches Auto wo reindarf, wird man im Einzelfall schauen müssen. Ich erwarte einen bunten Flickenteppich.“

Grundsätzlich kann ein Auto mit mindestens 30 Jahren ein H-Kennzeichen bekommen. Maßgeblich ist das Datum der Erstzulassung. Gutachter von Prüforganisationen wie TÜV, Dekra oder GTÜ stellen fest, ob das Fahrzeug weitestgehend dem Originalzustand entspricht, in einem guten Erhaltungszustand ist und „zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts“ dient. „Dieses Gutachten kostet um die 150 Euro und muss bei der Zulassungsstelle vorgelegt werden“, sagt Knoop.

Jetzt neu mit H-Kennzeichen:

Auch 2019 kommen wieder einige Autos in der Liste der H-Kandidaten, die schon längst Klassikerstatus genießen. Eine Auswahl oldiereifer Modelle mit Einschätzungen zu Preisen (Zustand 2) vom Marktbeobachter Classic Data.

BMW 850i (E 31)

Futuristisches aus Bayern: Der Zwölfzylinder im BMW 850i leistete 300 PS. Foto: BMW

Als das lange Zweitürer-Coupé 1989 in den Handel kam, kam die Münchner Oberklasse für BMW-Fans direkt aus der Zukunft, so futuristisch war das Design. Der Fünfliter-Zwölfzylinder unter der langen Haube generierte 300 PS. Werksangaben von damals: 250 Stundenkilometer Spitze und in 6,0 Sekunden auf Tempo 100, Neupreis: 135 000 Mark. Preis von heute: 34 800 Euro.

Citroën XM

Oberklasse aus Frankreich: Der Citroën XM. Foto: Citroën

Auch die französische Marke trat mit einer neuen Oberklasse an. An der Gestaltung der fünftürigen Limousine wirkte das italienische Designbüro Bertone mit, technisch punktete der XM wie seine Vorgänger DS und CX mit spezieller Federtechnik, beim XM Hydractiv genannt. Sie reduzierte ungewollte Wank- und Neigebewegungen während der Fahrt. Der aktuelle Richtpreis: 3300 Euro für ein Zweiliter-Exemplar mit 121 PS.

Opel Lotus Omega

Rüsselsheimer mit Wums: Der Opel Lotus Omega war das 377-PS-starke Ergebnis einer Kooperation mit dem britischen Sportwagenhersteller Lotus.  Foto: Opel

Die Rüsselsheimer trumpften dank einer Kooperation mit der britischen Sportwagenmarke mit einer auf 377 PS hochgezüchteten Variante ihrer Mittelklasse auf, die schon damals rar war. Denn das Modell mit Reihensechszylinder wurde auf 988 Einheiten limitiert, nur knapp 400 wurden in Deutschland zugelassen. In 5,4 Sekunden pfefferte der 3,6-Biturbo das Auto auf 100 Stundenkilometer, erst bei 283 Sachen verebbte der Vortrieb – eine der schnellsten Serienlimousinen ihrer Zeit. Preis damals 125 000 Mark, heute 43 000 Euro.

VW Passat Variant G60 Synchro

Schneller Niedersachse: Der VW Passat Variant G60 Synchro bekam den mechanischen Spirallader G60 aus dem Sportcoupé Corrado. Foto: Volkswagen

Der mit dem mechanischen Spirallader G60 aus dem Sportcoupé Corrado, 160 PS und zusätzlichem Allradantrieb bestückte Kombi war der seinerzeit aufwendigste Passat. Für einen Wolfsburger war er mit maximal 210 Kilometern pro Stunde (0 auf 100: 9,8 Sekunden) recht schnell, schluckte mit mindestens zehn Liter Super aber auch viel. Neupreis: 46 250 Mark. Preis laut Classic Data heute: 7200 Euro.

Mazda MX-5

Pionier: Der Mazda MX-5 löste vor 30 Jahren einen Roadster-Boom aus.   Foto: Mazda

Nicht nur heute ein Klassiker, sondern damals bereits Vorreiter einer neuen Roadster-Welle. Mit dem MX-5 kamen die zweisitzigen Cabrios wieder in Mode – auch, weil der kleine Wagen mit den Klappscheinwerfern für seine Art erschwinglich war. Zudem gilt er mit seinem Heckantrieb und dem Front-Mittelmotor nicht nur ausgewiesenen Fans als Garant von Fahrspaß. Für ein Modell mit 115 PS sind heute 7000 Euro notiert.

Mercedes 300 SL-24 (R 129)

Roadster mit Sicherheitsreserve: Hinter den Kopfstützen des Mercedes SL (R 129) schoss im Ernstfall ein Überrollbügel hervor.  Foto: Daimler

Der Stuttgarter Hersteller wartete mit einem Oberklasse-Roadster auf, der Neuauflage des SL. Nach 18 Jahren beerbte der R 129 – erstmals bei Mercedes waren adaptive Dämpfer zu haben – den Vorgänger R 107. Aufgelegt wurden nach den V6- und V8-Modellen auch Zwölfzylinder-Motoren mit bis zu 525 PS. Technische Neuerung war ein Überrollbügel, der bei Überschlagunfällen blitzschnell ausfahren konnte. Heutiger Preis für einen 300 SL-24 mit 231 PS: 18 400 Euro.

Lexus LS 400

Großer Exot: Mit dem Lexus LS 400 der neuen Luxusdivison nahm Toyota die Oberklasse ins Visier.         Foto: Lexus

Gleich mit der Gründung der konzerninternen Nobelmarke Lexus versuchte Toyota auch in Deutschland, in die Oberklasse aufzusteigen. Der knapp über fünf Meter lange Wagen in Stufenheckform war mit Ledersitzen, elektronisch geregelter Automatik, Servolenkung und jeder Menge Fahrkomfort ein würdiger Anfänger – bei bis zu 250 km/h Spitze. Für eine der viertürigen Limousinen mit 245 PS starkem V8 müssen heute 9000 Euro eingeplant werden.

Audi 200 Quattro 20V

Spitzenmodell: Der Fünfzylinder des Audi 200 Quattro 20V leistete 220 PS.    Foto: Audi

Auch die Ingolstädter arbeiteten fleißig an ihrem Image. Das Ergebnis war das Spitzenmodell der Baureihe mit Kat, das aus einem 2,2 Liter großen Fünfzylinder dank Turbo 220 PS kitzelte, die das Auto mit 6,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer neben dem Lotus Omega zu einer der sprintstärksten Serienlimousinen ihrer Zeit machten. Kosten: Um die 28 400 Euro.

Porsche 911 Carrera 2

Und läuft und läuft und läuft: Jede Elfer-Generation wird irgendwann zum Klassiker; der Porsche 911 Typ 964 kam 1989 allerdings erst frisch auf den Markt. Foto: Porsche

Technisch eine Ableitung vom Carrera 4, mit Heckantrieb. Sein 3,6 Liter großer Boxermotor kam auf 250 PS (260 km/h Spitze; von 0 auf 100 in 5,7 Sekunden). Verfügbar war das Modell als Cabrio und als Coupé. Neu waren die Tiptronic-Automatik und ein Kat. Die geschlossene Variante liegt heute bei 58 600 Euro.

Ferrari 348 TB

Mal nicht in Rot: Der Ferrari 348 kam 1989 zunächst als Coupé (tb) und Targa (ts) auf den Markt. Der Spider (im Bild) folgte später.   Foto: Büttner/dpa

Rückte als Nachfolger des 328 nach – zunächst als Coupé (tb) und Targa (ts). Der italienische Sportwagenhersteller pflanzte dem Flitzer anfangs einen 3,4 Liter großen V8 ein, der auf 311 PS und einen Topspeed von 275 Sachen kam (5,6 Sekunden). Der keilförmige 348 zählte zu den ersten Neuentwicklungen nach dem Tod des Firmengründers Enzo Ferrari im Vorjahr. Preis: 56 700 Euro.     Stefan Weißenborn