Wenig artgerecht: Ein Stuntmen zeigt Kunststückchen auf der Rennbahn. Eigentlich sind Quads eher als Geländefahrzeuge konzipiert. | Foto: Carsten Rehder / dpa

Alternativen zum Motorrad

Quads und Co.: Spielgeräte für die Großen

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Der Einstieg in die motorisierte Welt  beginnt für Jugendliche häufig auf dem Mofa. Wer sich auch später lieber den Wind um die Nase wehen lässt statt im warmen Auto zu sitzen, kann mittlerweile zwischen zahlreichen Nischenfahrzeugen wählen. Ob Käufer dabei zwei, drei oder gar vier Räder nehmen, entscheidet häufig die Art des Untergrunds. „Menschen mit Affinitäten zu Offroad-Aktivitäten und zu Gleichgesinnten bevorzugen das klassische Quad“, sagt ADAC-Sprecherin Melanie Mikulla. Die stammten oftmals von taiwanesischen Herstellern wie Kymco, Adly oder SMC. Aber auch klassische Motorradmarken wie Honda oder Yamaha bauen Quads. Der Vorteil der vierrädrigen Kraftfahrzeuge zu Preisen ab etwa 1000 Euro liege darin, dass man zum Chauffieren lediglich den Pkw-Führerschein braucht. Für kleine Quads mit einem maximalen Hubraum von 50 Kubikzentimetern und einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 Kilometern in der Stunde reicht die Führerscheinklasse AM, die früher mit S bezeichnet wurde.

Sonderfall: An den Stränden von Mecklenburg-Vorpommern sind dreiachsige Rettungs-Quads im Einsatz.   Foto: Stefan Sauer

Quads mit Nachteilen

Doch die vermeintliche Freiheit hat auch ihre Schattenseiten: „Von Quads wird spöttischerweise behauptet, sie würden die Nachteile des Motorrades mit denen des Autos verbinden“, berichtet Mikulla. „Sie brauchen fast so viel Platz wie ein kleines Auto, und bei Regen wird man so nass wie auf dem Motorrad. Und sie verfügen über keine Knautschzone.“ Zudem seien die Fahreigenschaften von Quads teilweise sehr gewöhnungsbedürftig – wie ein Mix aus Pkw und Lkw.

Volle Konzentration gefragt

Durch den hohen Schwerpunkt mit schmaler Spur kann es auf der Straße schnell zu kritischen Situation bis hin zum Kippen kommen. „Vor dem Kauf sollte man Quads probefahren, damit man schauen kann, ob man mit den Fahreigenschaften zurechtkommt“, sagt Mikulla. „Durch die besondere Fahrdynamik muss man zudem ein gewisses Können entwickeln.“ Allein die Fahrt in eine Kurve beansprucht die volle Konzentration, da die Ballonreifen erst spät, aber dann unerwartet heftig auf den Lenkwinkel reagieren. Da zudem bei vielen Fahrzeugen das Differenzial fehlt, wirkt sich das Gasgeben in der Kurve direkt auf die Lenkbarkeit aus.

Hohes Risiko: Ein Quad mit einem Dummy prallt bei einem Crashtest gegen ein Hindernis. Der Test untermauert eine Studie der Unfallforschung der Versicherer, wonach die Fahrer eines Quads zehnmal gefährdeter sind als Autofahrer. Zudem verursachen rund 85 der Quadfahrer die Unfälle, in die sie verwickelt sind selber. Ein Grund ist das störrische Fahrverhalten der offenen Vierräder. Foto: Matthias Hoenig

Das bevorzugte Terrain der Quads ist deshalb das Gelände abseits des Asphalts. „In der Forstwirtschaft gehört ein Quad vielfach zum Fuhrpark, weil damit Stellen im Wald angesteuert werden können, die mit dem Pkw oder größeren Fahrzeugen nicht zu erreichen sind“, sagt die Sprecherin des Verkehrsclubs. Auch Schäfer und Straßenbauarbeiter sind zuweilen mit dem Quad unterwegs.

Vom Motorrad auf den Roller

Reine Straßenfahrer beschränken sich zunächst vor allem auf das Motorrad mit seinen unterschiedlichen Hubraumklassen. Erst mit zunehmendem Alter der Zweiradfans geraten auch große Roller auf die Liste der Alternativen, die ab rund 8000 Euro angeboten werden. Hier stehen Modelle wie Suzuki Burgman oder Honda X-ADV ebenso zur Verfügung wie Yamaha Tmax, Vespa GTS 300ie Super oder BMW C 650.

„Große Roller werden in der Regel von älteren Personen gefahren, denn sie strahlen Sicherheit und Solidität aus“, sagt Pressesprecher Achim Marten vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland (ivm). Gemäß des fortgeschrittenen Alters werden diese Roller mit zwei oder drei Rädern laut Marten in der Regel verhaltener gefahren: „Der große Roller dient eher als Cruiser und Multifunktionsfahrzeug und ist einkaufstaschenfreundlich, da der Einkauf und der Helm verstaut werden können.“

Was heißt hier klein?: Große Roller wie ein BMW C 650 lassen den Unterschied zum Motorrad schrumpfen. Foto: Daniel Kraus/BMW

Bei den großen Rollern sind je nach Motorisierung und persönlichen Voraussetzungen verschiedene Führerscheine vorgeschrieben. Das Bundesverkehrsministerium verweist auf seine Website, auf der die diversen Klassen zusammengefasst sind. So können Autofahrer, die ihre Fahrerlaubnis vor dem 1. April 1980 erworben haben, ohne weitere Prüfungen Krafträder mit einem Hubraum bis zu 125 Kubikzentimetern fahren. Allerdings würden laut Merten auch viele vom Motorrad auf den bequemeren Roller umsteigen: „Roller vermitteln unter Umständen ein stärkeres Sicherheitsgefühl, weil die Fahrer im Fahrzeug sitzen, das heißt, noch von Verkleidung umgeben sind.“

Motorrad oder Roller? Bei Modellen wie der Yamaha Tmax wirkt der optische Unterschied gering.                          Foto: Marco Campelli/Yamaha

Mehr Komfort

Roller bieten zudem den nicht mehr ganz so gelenkigen Silver Agern weitere Vorteile: „Der Roller ist bequemer zu fahren. Man muss beim Aufsteigen nicht das Bein über die Maschine heben, sondern kann quasi durchsteigen“, sagt Marten. Durchschnittlich schwächer motorisiert als Motorräder, strahlen Roller auch nicht die Aggressivität mancher Bikes aus. Sie wirken defensiver, so Merten. Der Roller bringe ein anderes Komfortangebot als ein Motorrad: „Während der Fahrt stehen die Beine vor einem und sind vor Wind und Wetter geschützt. Dazu kommt das automatische Getriebe und die Agilität zum Beispiel beim Rangieren aufgrund der kleinen Räder.“

Dreiräder für die Großen

Das gilt auch für die Dreiräder wie Piaggio MP3 oder Peugeot Metropolis, die in Deutschland nicht so stark verbreitet sind wie in Südeuropa. Auch diese lassen sich bei einem Radstand von mindestens einem Meter mit einem Pkw-Führerschein fahren. Die beiden Räder vorn sorgen allerdings für ein anderes Fahrgefühl. „Es ist nicht gefährlich, aber ein verantwortungsvoller Mensch nimmt vorher ein, zwei Fahrstunden oder ein Training“, so Marten.

Stabile Schräglage: Die beiden Vorderräder – hier ein Roller von Quadro – bringen mehr Fahr- und Standsicherheit.                               Foto: Peter Lintner / Quadro

Auch bei den Dreirädern drängt sich laut Marten der Komfort in den Vordergrund: „Man kann die Neigefähigkeit verriegeln, so dass die Roller im Stand nicht umkippen können, selbst wenn man die Füße auf dem Boden des Rollers lässt.“ Ob die Vorteile der Dreiräder sich in Deutschland demnächst weiter herumsprechen, ist unklar. Die sich derzeit ändernde Mobilität könnte aber dazu beitragen, glauben die Hersteller. Deshalb erweitern sie das Angebot in diesem Bereich, der nicht bei zwei Rädern endet.  Thomas Flehmer