Robin Schöbeck von PACE Telematics im Büro in der Karlsruher Hoepfner-Burg
Robin Schönbeck macht mit seinem Startup "Pace" auch ältere Autos zu Smartcars. | Foto: ARTIS

Digitale Vernetzung im Auto

Robin Schönbeck macht Tempo beim Thema Smartcar

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Wer einen Termin in der Karlsruher Hoepfner Burg hat, ist in dem nach oben strebenden Gebäudekomplex mit Sportlichkeit immer gut beraten. Robin Schönbeck nimmt die Stufen der steilen Treppe zu den Büroräumen seiner Firma Pace Telematics, direkt beim Cyberforum, mit Leichtigkeit. Graues Hemd, Jeans und auf das Hemd abgestimmte Sneaker: Das ist sein Arbeitsoutfit.

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Zufällen

Eigentlich wollte der 51-Jährige mal Konzertpianist werden. Da er aber als Jugendlicher ebenso ambitionierter Sportler wie Musiker war, musste er sich irgendwann entscheiden. Ein Mittelhandbruch besiegelte im Alter von 18 Jahren die Pianistenkarriere. „Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Zufällen, man muss nur die Chancen darin erkennen. Dieser Satz trifft auf mich genau zu“, sagt Schönbeck. Natürlich stehe dahinter immer auch eine klare Firmenstrategie, jedoch müsse man flexibel bleiben. Und das ist der aus Reutlingen stammende Unternehmer: Die Entstehung und Weiterentwicklung des Computer- und Internetzeitalters hat er schon während des Studiums direkt mitverfolgt. Immer am Internet-Puls, hat er bis heute zahlreiche Firmen (mit-)gegründet, darunter Namen wie Intertrade, Mentasys und Pangora.

Sein erster Computer war mit 1 MB Speicher ganz vorne dabei

Eine eigene Firma sei schon immer sein Ziel gewesen, außerdem habe ihn das Thema Informationstechnik (IT) sehr interessiert, erzählt Schönbeck. Deshalb studierte er Betriebswirtschaftslehre mit IT-Schwerpunkt, später befasste er sich tiefergehend mit Wirtschaftsinformatik. Er lernte die ersten Programmiersprachen. Sein erster eigener Computer war ein Atari, dessen Hauptspeicher er von 0,5 auf 1 MB aufrüstete. „Damit war ich Ende der 80er Jahre schon ziemlich weit vorne an der Uni“, erzählt Schönbeck. Er spricht in hohem Tempo, denn er denkt noch schneller. Da wundert es nicht, dass sein aktuelles Startup den Namen Pace – englisch für Geschwindigkeit – trägt. Der Automobil-Enthusiast hat ein System entwickelt, mit dem auch ältere Fahrzeuge ab Baujahr 1996 zum Smartcar werden: Eine Kombination aus Smartphone-App und Bluetooth-Stecker (ein so genannter Dongle), der im Auto angebracht wird.

Etwa 50 Features hat der „Pace Link“ aktuell, darunter Spritspar-Funktion, automatischer Notruf, Find-my-Car-Funktion, ein elektronisches Fahrtenbuch oder eine Fehlercode-Analyse: Wenn im Display eine Warnung aufleuchtet, erklärt Pace dem Fahrer, was sich hinter der vom Autohersteller definierten Fehlercode verbirgt – ob es sich etwa um einen dringenden Notfall handelt oder um ein Problem, das auch am nächsten Tag in der Werkstatt ganz in Ruhe behoben werden kann.

„Wir wollen das Thema Konnektivität der Zukunft für Mobilisten gestalten“, meint Schönbeck. Dabei spiele auch der Datenschutz eine große Rolle. Mit dem Pace Link (Dongle) bleiben die Daten in der Hand des Autofahrers und nicht etwa beim Autohersteller oder -Versicherer. „Wir haben festgestellt, dass das die Zukunft ist. Es funktioniert aber nur, wenn man das beste Produkt macht“, meint Schönbeck selbstbewusst. Er greift in eine Tüte und packt verschiedene Dongle-Systeme aus. „Ich habe ein paar Wettbewerber dabei, damit man mal einen Größenvergleich hat“. Pace ist tatsächlich kleiner und optisch ansprechender als die anderen Plastikstecker. „Es muss ein sexy lifestyliges Produkt sein.“ Doch das smarte Auto ist nur der Anfang für Schönbeck. Die Zukunft sei das Smarthome. Dafür solle es im besten Fall nur eine einzige App geben. Egal, wo man sich befindet, man wird von seinen Daten begleitet – so die Idee.

Robin Schönbeck haben bei allen digitalen Unternehmungen, ob in Deutschland oder in den USA, immer auch der Sport und die Musik begleitet. Zum Einzug in die neue Wohnung in Karlsruhe hat er sich selbst einen Konzertflügel geschenkt. Und dieses Jahr steht für ihn noch eine Alpenüberquerung an. Nicht im Smartcar – auf dem Mountainbike.