Rasanter Vorgeschmack: So ähnlich wie diese Rennsportstudie vom Genfer Autosalon 2018 könnte die neue Toyota Supra aussehen. | Foto: Sebastien Mauroy/Toyota

Die Legende lebt

Toyota Supra kommt wieder

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Darauf haben Toyota-Fans aus aller Welt fast 20 Jahre gewartet. So lange ist es her, dass die Japaner die letzte Supra bauten. Doch nachdem Toyota auf dem Genfer Autosalon 2018 die seriennahe Studie eines überfälligen Nachfolgers gezeigt hat, ist die Vorfreude groß: Ab 2019 soll eine neue Toyota Supra wieder in der Oberliga der PS-Fraktion mitmischen, wo Konkurrenten wie Nissan und Honda mit GT-R und NSX schon längst wieder auf der Jagd nach Porsche & Co sind.

Anfangs ein Ableger des Celica

Der Sportwagen – je nach Lesart mal mit männlichem und mal mit weiblichem Artikel – hat eine lange Tradition. Die erste Supra wurde unter dem Werkscode A40 bereits 1978 vorgestellt, erzählt Toyota-Sprecher Thomas Heidbrink – allerdings noch als größere und stärkere Variante der zweiten Celica-Generation. Auch die Supra Nummer 2, als A60 von 1981 bis 1985 gebaut, war ein Celica-Ableger. Erst im dritten Anlauf hat es 1986 mit der A70 für ein eigenständiges Modell gereicht – mit standesgemäßem Heckantrieb und damals populären Klappscheinwerfern.

In Europa war 1996 Schluss

Spricht man heute von der Supra, meint man aber eigentlich die vierte und bislang letzte Generation, die unter Kennern als Baureihe A80 geführt wird, sagt Hans-Jürgen Dinig. Der Mann aus Hochstetten-Dhaun am Fuß des Hunsrücks weiß, wovon er spricht. Denn erstens ist er Toyota-Händler in zweiter Generation und zweitens fährt er selbst eine Supra. Die wollte er schon als junger Mann haben, konnte sich bei Markteinführung 1993 aber nicht gegen seinen Vater durchsetzen. Der hielt es für wenig angebracht, dass der Junior im Autohaus einen Supersportwagen fährt.

Schneller Nippon-Sportler: Toyota regelt die Supra in Europa auf ein Spitzentempo von 250 Kilometern in der Stunde ab. Foto: Geiger

Und als sich Dinig dann irgendwann selbst eine Supra leisten konnte, hatten die Japaner die Produktion 2002 nach nur etwa 45 000 Exemplaren wieder eingestellt, und es war quasi nicht an einen Gebrauchten zu kommen. Zumal die Supra in Europa sogar nur bis 1996 verkauft wurde. Nur mit viel Glück hat Dinig Anfang der 2000er Jahre doch eine ergattert und will das silberne Schmuckstück jetzt auf keinen Fall mehr hergeben.

Kräftiges Doppelherz: Aus den drei Litern Hubraum des Reihensechszylinders kitzelten die Techniker mit Hilfe von zwei Turbos bis zu 330 PS heraus.              Foto:  Geiger

Wer einmal damit gefahren ist, kann das verstehen: Seidig sauber und für einen Supersportwagen fast schon zurückhaltend leise läuft der Reihensechszylinder unter der langen Haube mit der charakteristischen Hutze. Doch wehe, wenn die Drehzahl mal aus dem Keller kommt und die beiden Turbos Druck machen. Dann mobilisiert der 3,0 Liter große Motor bis zu 243 kW/330 PS und zeigt, was im bis heute stärksten Toyota aller Zeiten steckt. Von 0 auf 100 beschleunigt der Youngtimer in 5,8 Sekunden und hat auch oben raus so viel Elan, dass der Tacho nicht umsonst bis 300 km/h reicht – selbst wenn die Japaner den Wagen in Europa auf 250 km/h limitiert haben.

Toyota Supra machte das Rasen leicht

Vor allem aber hat der 1,6 Tonnen schwere 2+2-Sitzer eine Straßenlage, die einem die Raserei viel zu leicht macht – nicht umsonst schließlich senkt sich vorne bei höherem Tempo automatisch ein Spoiler aus dem Bug, um den Auftrieb zu minimieren. Und nicht ohne Grund gibt es an der angetriebenen Hinterachse ein Sperrdifferential, mit dem man noch besser durch die Kurven kommt. Wer dabei ins Schwitzen kommt, dem sei gesagt, dass der Supra glücklicherweise nicht nur ein Leistungs- sondern auch ein Luxussportler ist – einschließlich wirkungsvoller Klimaanlage.

Kunststofflandschaft im Stil der 90er Jahre: Supra-Cockpit.  Foto: Geiger

Wem das nicht reicht, der greift zum Schraubenschlüssel und lässt das Dachelement mit geübter Hand im Kofferraum verschwinden – nicht umsonst wurde die Supra in Deutschland damals offiziell nur als Targa angeboten. Das Coupé war den Japanern und Amerikanern vorbehalten. Dafür konnte man sich für oder gegen den Spoiler entscheiden. Das war aber alles andere als einfach, ist in alten Fahrberichten zu lesen: Denn mit Bügelbrett auf dem Kofferraumdeckel sah die Supra schneller aus, aber tatsächlich schneller gefahren ist sie ohne.

Gebraucht teurer als neu

Heute ist die Supra ein gesuchter Gebrauchtwagen, sagt Dinig und taxiert die Preise weit über dem Neuwert. Und der lag damals schon bei stolzen 110 000 Mark, was ein Grund war, weshalb sich der Toyota als Neuwagen eher schlecht verkaufte. „Solche Summen waren im Land von Mercedes, BMW und Porsche für ein Importauto damals undenkbar – erst recht für einen Japaner“, sagt Dining. Heute dagegen muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen: „Unter 60 000 bis 80 000 Euro ist nichts zu bekommen“, sagt der Experte.

Und was angeboten wird, ist in der Regel bis zur Unkenntlichkeit getunt und verbastelt. Doch böse kann man den Besitzern dafür kaum sein. Denn sie haben ein berühmtes Vorbild: Paul Walker aus „The Fast and The Furios“, der die Supra 2001 im ersten Teil der Filmreihe zu spätem Ruhm geführt und erst so richtig berühmt gemacht hat.

Kooperation mit BMW

Von dieser Popularität zehrt Toyota bis heute. Und sie hat selbst so nüchterne Autos wie den Avensis, den Auris oder den Yaris überdauert – obwohl Toyota über Jahre den Eindruck machte, dass die Ingenieure Lust und Leidenschaft vergessen hätten. Doch mit dem kleinen Sportwagen GT 86 sind sie offenbar wieder auf den Geschmack gekommen. Und dann kam ein Sportwagen-Kooperationsangebot aus Bayern gerade recht: So bekommt BMW im Herbst 2018 den neuen Roadster Z4 und Toyota im Frühjahr 2019 ein Coupé im Stil der Genfer Studie, das dem Hersteller zufolge wieder den Namen Supra tragen soll.    Thomas Geiger