Auffallen um jeden Preis: Selbst ein Lamborghini lässt sich noch aufrüsten, hier ein Ausstellungsstück auf der Essen Motor Show. | Foto: Kusch / dpa

Zwischen Turbo und Riesenräder

Tuning-Trends und Tipps

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Die Winterpause nutzen viele Schrauber, um neue Tuning-Trends umzusetzen. Inspiration bieten auch Messen wie etwa die SEMA in Las Vegas oder die Essen Motor Show. Doch nicht alles, was in den USA erlaubt ist, darf in Deutschland gefahren werden.

Blubbernde V8-Motoren, knallende Auspuffrohre und chrompolierte Räder. Auf der weltgrößten Tuning-Messe SEMA im Spielerparadies Las Vegas dreht sich im Spätjahr alles um aufgemotzte Autos. Hier werden die Tuning-Trends für die Zukunft festgelegt. Was in den USA verbaut wird, schwappt in der Regel auch nach Deutschland, etwa auf die Essen Motorshow.

Nur kein Auto von der Stange: Das ist eine der Triebfedern von Tuningfans, sich ihr Auto durch Zubehör wie einer neuen Auspuffanlage zu individualisieren.     Foto: G-POWER

Tuning beginnt bei der Fußmatte

Pietro Gorlier, Chef von Fiat Chrysler Automobiles hauseigener Zubehör- und Tuningfirma Mopar, sieht trotz aller Diskussion um Mobilität und Fahrverboten einen Trend zu mehr Individualisierung. „Kein Autofan will das gleiche Auto fahren wie sein Nachbar“, sagt er. Wichtig seien für sie eine persönliche Note, die Unterscheidung zu anderen Fahrzeugen gleichen Typs und die Individualisierung auf die eigenen Vorlieben. Bei den Marken Jeep, Chrysler oder Dodge verändern mittlerweile etwa 90 Prozent der amerikanischen Kunden ihr Fahrzeug nach ihren Vorstellungen – und wenn es nur besonders dicke Fußmatten oder breitere Trittbretter sind.

Mehr als 1000 PS

Die Unternehmen bieten ein großes Sortiment an: von Chrom-Applikationen bis zum besonders starken Austauschmotor. Mopar stellte auf der letzten SEMA ein Triebwerk mit 7,0-Liter-Hubraum und 746 kW/1014 PS vor, das in alle Dodge-Fahrzeuge bis Baujahr 1976 passt – umfangreiche Umbauarbeiten an Fahrwerk vorausgesetzt. Ein teurer Spaß: Der Motor kostet deutlich über 22 000 Euro.

Powerplay: Für einige Modelle vom Dodge Charger ist ein Motor mit über 1000 PS zu bekommen.     Foto: Fiat Chrysler

Im Schnitt geben Kunden umgerechnet nur rund 260 Euro pro Auto und Individualisierung aus. Nicht alle Tuningteile verkaufen sich auf der Welt gleich gut. So greifen europäische Kunden bei Geländewagen und SUVs gerne zu breiten Trittbrettern – im Gegensatz zu amerikanischen Kunden. Denn in den USA sehen die Fahrzeuge von Jeep neben großen Pick-up-Trucks von Ford oder Dodge wie Kleinwagen aus.

Tuning-Trends: Jetzt wird’s bunt

Als Trend sieht Gorlier nicht nur die schiere Leistung, sondern mehr Service und mehr Vernetzung rund ums Auto.

Neu eingekleidet: Experten sehen einen Trend zu mehr Farbe – die kann auch wie hier via Folie ins Spiel kommen.     Foto: Hoberg

Aber auch mehr Farbe: 2019 wird es deutlich bunter. Bicolor-Lackierungen oder Folierungen fürs Blech und zweifarbige Räder werden beliebter. Viele Hersteller zeigten Felgen in Schwarz, Rot, Blau oder Gold – zum Teil durchgefärbt, manche nur mit einem Farbverlauf am Rand. Auch die Räder wachsen: 30 Zoll etwa bei SUVs sind keine Seltenheit.

Riesenräder: Ein Trend, der aus den USA über den Großen Teich schwappt, sind immer größere Räder – hier bei der SEMA Show in Las Vegas zu sehen.    Foto: Hoberg

Doch nicht alles, was etwa in den USA erlaubt ist, lässt sich auch in Deutschland ans Auto schrauben. Zu den entsprechenden Tuningteilen müssen gültige Prüfzeugnisse wie eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder ein Teilegutachten vorliegen, erklärt Thorsten Rechtien vom Tüv Rheinland. In den Gutachten sind alle Fahrzeuge aufgeführt, für die das Tuningteil geprüft und geeignet ist. Außerdem gebe es zu jedem Fahrzeug Auflagen und Hinweise, die eingehalten werden müssen.

Neue Teile brauchen Prüfzeugnis

„Beim Verbau mehrerer Teile, die sich gegenseitig beeinflussen können, muss im Rahmen einer Einzelabnahme über die Zulässigkeit bei gegenseitiger Wechselwirkung entschieden werden“, erläutert er. Dazu zählt die gleichzeitige Änderung von Federn und Rädern. Im Rahmen der Einzelabnahme lassen sich jedoch nur die Teile eintragen, die über ein gültiges Prüfzeugnis verfügen oder allgemein geprüft sind. Tuningfans sollten deshalb darauf achten, dass bei den Teilen Prüfzeugnisse mitgeliefert werden. Bei Selbstmontage sei es wichtig, dass die Montageanleitung beachtet wird. Für gefährlich hält der Experte alle technischen Änderungen, bei denen Vorschriften missachtet werden und aus denen eine Gefährdung resultieren kann.

Betriebserlaubnis in Gefahr

Auch Harald Schmidtke vom Verband der Automobil Tuner (VDAT) sieht beim Tunen eine Gefahr, wenn Tuningteile ohne Gutachten oder Genehmigung Einfluss auf die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs haben. „Interessierte sollten sich vor dem Kauf informieren, welches Produkt eintragungspflichtig oder ob ein Gutachten dabei ist.“ Die Betriebserlaubnis erlischt nämlich, wenn vom An- oder Einbau eines Tuningteils eine Gefährdung ausgeht oder sich das Abgas- und oder Geräuschverhalten verschlechtert. Dann darf das Auto nicht mehr am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen.

Maß halten: Beim Tuning , sei es auch nur der Einbau extragroßer Räder, sind vom Gesetz her einige Regeln zu beachten.    Foto: KW automotive

Außerdem kann die Produktqualität solcher nicht geprüften Bauteile nicht beurteilt werden und somit eine Gefahr bedeuten. Schmidtke rät auch dazu, komplexe Arbeiten wie die am Fahrwerk durch eine Fachwerkstatt erledigen zu lassen.

Tuning-Trends: LED statt Halogen

Weiterhin sieht der Tuning-Experte einen ungebrochenen Trend zu leichten und eleganten Alurädern, Fahrwerkskomponenten und Austausch-Schalldämpfern. Auch die Umrüstung von Halogen- auf LED-Scheinwerfer beschäftigt die Tuning-Branche. „Derzeit gibt es allerdings noch keine zulässigen Leuchtmittel, die in Halogen-Scheinwerfer eingebaut werden dürfen“, sagt er. Soundgeneratoren, die den Auspuffsound verstärken, gebe es mittlerweile mit Gutachten und Genehmigung.

Chiptuning erhöht den Verbrauch

Vorsichtig sollten Tuning-Fans beim Chiptuning sein, so der Tüv Rheinland. Dabei wird die Programmierung des elektronischen Steuergerätes geändert und die Leistung erhöht, entweder durch einen Vor-Chip oder durch ein neues Programm. Häufig steigt dadurch der Verbrauch, unter Umständen auch die Dauerhaltbarkeit einiger Bauteile. Und nicht immer erreichen die Motoren nach dem Chiptuning die vom Tuner versprochene Leistung. Manche Updates führen auch durch die höhere Leistungsentfaltung zu einem anderen Fahrverhalten.

Felgen und Fahrwerk: Für viele Tuningfreunde beginnen damit die Umrüstmaßnahmen. Spätestens vom Motor sollten Laien die Finger lassen.  Foto: Henning Orendt/Giacuzzo

Außerdem muss die Veränderung der Motorleistung geprüft und genehmigt werden. Gibt es dazu kein gültiges Prüfzeugnis, benötigt das Auto eine Einzelabnahme. Diese ist allerdings sehr kostenintensiv, und der Ausgang ist ungewiss. Wenn Teilprüfungen negativ ausfallen, endet die komplette Abnahme negativ. Die bis dahin durchgeführten Prüfungen müssen natürlich bezahlt werden.      Fabian Hoberg