Skip to main content

Philosophie, Theologie und ein bisschen Russisch

Waldbronnerin nimmt mit 78 Jahren an Hochschul-Vorlesungen teil - per Videokonferenz

Lernen ist keine Frage des Alters. Mehrere Karlsruher Hochschulen bieten deshalb in Zusammenarbeit mit der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung ein umfassendes Bildungsangebot auch für Senioren. Im Moment finden die Kurse jedoch über Videokonferenzen statt. Eine Seniorin erzählt, wie sie damit zurecht kommt.

Studentin aus Leidenschaft: Brunhilde Schweizer aus Waldbronn besucht auch mit 78 Jahren noch regelmäßig Uni-Vorlesungen. In Pandemie-Zeiten eben online. Foto: Privat

Brunhilde Schweizer aus Waldbronn ist wissbegierig. Ein abgeschlossenes Studium in Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften hat sie schon. Sie hat in Frankreich, Spanien und England Literatur, Kunstgeschichte, Soziologie und Politikwissenschaft studiert und an der University of London Ihren Doktortitel in Soziologie erworben. Sie arbeitete in verschiedenen Bereichen - unter anderem als Übersetzerin und Dolmetscherin in Paris und im Französischen Konsulat in Baden-Baden, in Firmen in Karlsruhe, und sie war auch lange selbstständig. Aber Ruhe- und Stillstand kommt für sie nicht in Frage.

Auch mit 78 Jahren ist ihr Wissensdurst ist immer noch so groß, dass sie an Seminaren und Vorlesungen der Akademie für Wissenschaftliche Weiterbildung (AWWK) teilnimmt, sowie an solchen des KIT (Institut für Technologie), und des ZAK (Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft).

Weil der Unterricht vor Ort im Moment leider nicht stattfinden kann, lernt Brunhilde Schweizer nun online. Für die Studentin aus Leidenschaft ist das sehr angenehm. „Ich bin oft im Ausland und kann so weiterhin an allen interessanten Kursen teilnehmen“, sagt sie. Momentan nutzt sie das Bildungsmöglichkeit vom spanischen Ibiza aus.

Altes Studium auffrischen und Neues erfahren

Vor Beginn jedes Semesters präsentiert die AWWK das umfangreiche Kursangebot. Daran beteiligt sind KIT, ZAK und die Pädagogische Hochschule (PH). Im Angebot sind Vorlesungen und Seminare zahlreicher Fachbereiche. „Die Zielgruppe ist ganz klar die ältere Generation“, sagt Elisabeth Loeser von der Geschäftsstelle der AWWK.

Seit der zweiten Corona-Welle laufen zwei Drittel des Angebots online, erklärt sie. Im Kurskatalog ist durch einen kleinen PC-Bildschirm neben dem Kurs erkennbar, ob er online durchgeführt wird.

Die Einführung für die Onlinekurse, an denen auch Brunhilde Schweizer teilnimmt, fand an zwei Terminen Ende Oktober vor Ort im KIT statt und vermittelte die Grundlagen des Programms „Zoom“ für Videokonferenzen, sowie den Umgang mit Mikrofon und Kamera.

Das ist einfach meine Art. Ich denke gern.
Brunhilde Schweizer, Senioren-Studentin

„Für mich war sofort klar, dass ich das Online-Angebot wahrnehme“, sagt Brunhilde Schweizer. Dies sei eine hervorragende Möglichkeit an Kursen und Weiterbildungen teilzunehmen. Nicht nur jetzt während der Pandemie. „Es gibt der älteren Generation, die eventuell nicht mehr so mobil ist, ganz allgemein, die Möglichkeit an Kursen teilzunehmen“, lobt sie.

Für die Ringvorlesung „Einführung in die Kulturwissenschaften“ sowie das Seminar „Philosophie im interkulturellen Dialog“ ist Brunhilde Schweizer momentan online eingeschrieben. Warum sie das macht? „Ich denke gern“, sagt die Seniorin, „das ist einfach meine Art.“ Einerseits frische sie so ihr einstiges Studium auf und andererseits wolle sie auch Neues erfahren. Dass viele Kurse mit jüngeren Studierenden gemischt stattfinden, stört die Senior-Studentin nicht. Im Gegenteil: Sie findet das sogar äußerst belebend.

Musikwissenschaft und Kunstgeschichte sind beliebte Themengebiete

„Gerade bei den Kursen für Senioren sind die Dozenten oft ehrenamtlich tätig“, sagt Elisabeth Loeser von der Geschäftsstelle des AWWK. Die Themenbereiche, die am meisten besucht werden, sind Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Geschichte, berichtet sie. Am Ende des Kurses erhalten die Besucher eine Teilnahmebescheinigung. Prüfungen oder Scheine gibt es nicht: „Die Weiterbildung beruht auf rein privatem Interesse“, sagt Elisabeth Loeser.

Brunhilde Schweizer ist trotzdem motiviert. Für ihre Seminare und Vorlesungen konsultiert sie regelmäßig entsprechende Literatur. Das begleitende Material für das Philosophie-Seminar, das sie von der Dozentin per Mail erhielt, hat sie schon heruntergeladen. Die Seniorin hält das Angebot der AWWK für eine „ganz besonders bemerkenswerte Kultureinrichtung für die ältere Generation“.

Online-Lernen eröffnet neue Möglichkeiten

Brunhilde Schweizer besuchte früher schon viele Kurse anderer Fachrichtungen wie Literatur,Theologie und Musikgeschichte der AWWK. Als der Unterricht vor Ort noch als Präsenz-Unterricht möglich war, gab es oft regen Austausch mit den anderen Senioren und kleine Treffen vor oder nach dem Kurs. „Das war natürlich persönlicher“, sagt sie.

Das Online-Lernen eröffne ihr aber noch weitere Möglichkeiten. Da Brunhilde Schweizer immer am Erlernen neuer Sprachen interessiert ist (sie spricht fließend englisch, französisch und spanisch), nimmt sie nun seit einiger Zeit wöchentlich Unterricht in Russisch bei einer Lehrerin aus Karlsruhe. Der erfolgt ausschließlich per Videochat mittels iFace. Die Waldbronnerin ist also auch hier nicht mehr ortsgebunden. Für dieses Semester und die folgenden auch, ist Brunhilde Schweizer gut vorbereitet: „Ich kann kann mit der Technik umgehen“, sagt sie selbstsicher.

nach oben Zurück zum Seitenanfang