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Transport nach Spanien

Abschied naht: Löwen-Baby Lea sagt dem Südwesten „adiós“

Löwen-Baby „Lea“ soll noch in dieser Woche nach Barcelona gebracht werden. Für das Reptilium Landau endet mit dem Transport der jungen Löwin eine einmalige Geschichte.

Das Hochheben von Löwen-Baby Lea wurde für Reptilium-Chef Uwe Wünstel von Woche zu Woche schwerer. Mittlerweile wiegt die junge Löwin 19 Kilo. Foto: Tanja Mori Monteiro

Der Spielplatz im Reptilium Landau wurde zur letzten großen Bühne für „Lea“ in Deutschland. Das weiße Löwen-Baby tapste auf sechs Quadratmetern umher, umgeben von einem hüfthohen Zaun. „Lea“ blinzelte bei dieser letzten Präsentation vor Medien am Mittwochvormittag in zahlreiche Kameras und hörte eilige Rufe, wohin sie schauen soll. Reptilium-Chef Uwe Wünstel hielt sie hoch – wenn sie sich bewegte, hatte er seine Mühe.

Die wenigen Minuten zeigten, dass die Zeit von „Lea“ im Südwesten begrenzt sein sollte. Das junge Tier muss sich in seiner Prägephase nicht an Menschen, sondern an Artgenossen gewöhnen. Genau das soll nun passieren: Noch in dieser Woche wird „Lea“ abgeholt und nach Spanien transportiert. In einem privaten Zoo bei Barcelona treffe es in einem Gehege auf mehreren tausend Quadratmetern auf andere Löwen, kündigte Wünstel an. Die nötigen Reisedokumente liegen nun vor.

Sobald Lea den Südwesten verlassen hat, endet auch für das Reptilium Landau eine einmalige Geschichte. Sie begann mit einem schweren Unfall auf der A5 bei Kronau. Polizisten entdeckten im Anhänger eines Transporters Boxen mit Tieren – Greifvögel und ein weißes Löwen-Baby. Tierretter Michael Sehr brachte das Löwen-Baby schließlich nach Landau.

1,5 Kilogramm Fleisch pro Tag

„Nach einigen Anrufen hat er mich kontaktiert, ich war einfach erreichbar“, berichtet Wünstel. Während Tierpfleger ein Gehege einrichteten, stand sein Telefon nicht still. 293 Telefonate mit Pressevertretern in drei Tagen. „Danach habe ich aufgehört zu zählen.“ Interessenten wie Circus Krone in München oder eine Tierauffangstation wurden auf den Fall aufmerksam, auch die Tierschutzorganisation Peta.

Löwenbaby Lea musste in Landau ohne Artgenossen auskommen – die soll sie nun in Spanien wieder um sich haben. Foto: Tanja Mori Monteiro

Wünstel aber wollte das wenige Wochen alte Löwen-Baby einfach nur pflegen, bis sein Transport fortgesetzt werden kann. Das Tier stammt aus einer slowakischen Zucht für Großkatzen und sollte nach Barcelona gebracht werden.

Slowakische Züchterin übernimmt die Kosten

Die schönsten Momente mit „Lea“, sagt der Reptilium-Chef im Nachhinein, seien beim Füttern gewesen. „Als sie endlich gefressen hat.“ Mittlerweile wiegt die junge Löwin nicht mehr vier, sondern 19 Kilo. Nach anfänglichem Füttern mit Hackfleisch und Gulasch frisst sie mittlerweile auch Mäuse und Ratten und erreicht eine Tagesration von 1,5 Kilogramm Fleisch.

So putzig sie wirkt – später wird sie ein gefährliches Tier.
Uwe Wünstel / Reptilium-Chef

„So putzig sie wirkt – später wird sie ein gefährliches Tier“, sagt Wünstel. „Wenn sie die Krallen ausfährt, ist das schon ordentlich.“ Die Kratzer an seinen Armen zeigen, dass Lea keine Schmusekatze ist.

„Es wird Zeit, dass sie unter Löwen kommt“, betonte er. Besucher bekamen das Tier, das seit Anfang September im Reptilium gepflegt wird, nicht zu Gesicht. „In der Prägephase sollte sie so wenig Kontakt mit Menschen haben wie nur möglich. Wenn sie denkt, dass der Mensch Spielzeug ist, wird es gefährlich“, erklärt Wünstel.

Bislang habe „Lea“ mit ihm oder seinem Hund gespielt. „Sie macht das Hundebellen nach.“ Nun müsse sie aber lernen, sich gegen andere Löwen zu behaupten. „Es wird Zeit, dass sie zu Artgenossen kommt und zum Beispiel die löwische Sprache lernt.“

Die Kosten für die zeitweise Unterbringung soll die slowakische Züchterin zahlen. Man habe die Kosten bewusst niedrig gehalten, so Wünstel, damit diese nicht einen möglichen Wert des Tieres übersteigen. Es sollte sichergestellt sein, dass „Lea“ auch wirklich wieder abgeholt wird.

Es könnte ein Wiedersehen geben

Wann genau das passiert, möchte Wünstel nicht sagen. „Tierrechtler haben angekündigt, den Transport verhindern zu wollen.“ Dabei, betont er, bekomme sie in Spanien gute Bedingungen. „Ich habe Bilder und Videos gesehen, das ist eine sehr gute Einrichtung.“ Der Umgang dort wirke liebevoll.

Und in Landau wäre ohnehin bald Endstation gewesen. „In ein paar Wochen hätten wir umbauen müssen“, sagt Wünstel. „Und auf Dauer wäre es auch nicht gut gegangen. Sie braucht ein Rudel.“ Ein Wiedersehen könnte es geben. Der nächste Betriebsausflug, scherzt ein Mitarbeiter des Reptiliums Landau, solle doch bitte nach Barcelona führen.

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