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Alban-Stolz-Straße und Mohrenstraße

Antisemitisch oder rassistisch: Streit um Namensgeber in Bühl und Ettlingen

In Ettlingen ist eine lebhafte Debatte um die Mohrenstraße entbrannt, in Bühl regt sich Protest gegen eine Umbenennung der Alban-Stolz-Straße - und Rastatter ringen um die moralisch korrekte Einstellung zum politisch verschrobenen Popstar Xavier Naidoo.

Den Namen Mohrenstraße in Ettlingen kritisiert eine Initiative in Ettlingen. Aktivisten wollen einen Umbenennung. Foto: Werner Bentz

Sie ist nur eine kleine Gasse: Die Mohrenstraße im Zentrum von Ettlingen. Aber ihr Name ist der große Aufreger in der Stadt an der Alb. Das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und gegen Neonazis hat vor Tagen eine Umfrage zum Namen „Mohrenstraße“ in der Bevölkerung gestartet.

Streit um Straßenumbenennung in Ettlingen

Die Aktivisten meinen, der Name sei nicht mehr zeitgemäß, Ausdruck der Deutschen Kolonialzeit und rassistisch. Der Name sei ebenso wenig akzeptabel wie „Mohrenkopf“ oder das „N-Wort“. Er diskriminiere Menschen dunkler Hautfarbe. Also solle man die Straße umtaufen.

Gegen eine mögliche Umbenennung gibt es mittlerweile starke Gegenbewegungen aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Es gibt aber auch nicht wenige Befürworter. In den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Pro- und Kontra-Argumente. Und die Zahl der Leserbriefe ist so hoch wie schon lange nicht mehr zu einem Einzelthema.

Mehr zum Thema: Debatte um Straßenumbenennung: „Nennt die Ettlinger Mohrenstraße doch Möhrenstraße”

Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold (Freie Wähler) hat angekündigt, eine Diskussion über das Für und Wider des Namens „Mohrenstraße“ im Gemeinderat zuzulassen. Er hat seinen Integrationsbeauftragten Thobias Pulimoottil gebeten, eine Informationsvorlage auszuarbeiten, die unterschiedliche Gesichtspunkte zum Thema „Mohrenstraße“ erfasst.

Der Vorteil des Integrationsbeauftragten ist, dass er selbst Farbiger ist und auch persönlich ermessen kann, ob der Begriff rassistisch ist oder nicht.

Hommage an Grundlage der Medizin?

Derweil hat der Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer (CDU), zu dessen Wahlkreis die Stadt Ettlingen gehört, eine Lanze für die Beibehaltung des Namens gebrochen: „Der Name Mohren leitet sich von Mauren ab. Diese haben uns die Apotheken gebracht. So gesehen ist der Name Mohrenstraße eine Hommage an die Grundlagen unserer Medizin.“

In Rastatt kreist eine aufgeregte Debatte um den gefallenen Mannheimer Popstar Xavier Naidoo.

Ihm hat die Barockstadt Ende der 90er-Jahre einen Ruhmesstern vor der Badner Halle gesetzt – als Anerkennung für seine damalige musikalisch herausragende Rolle. Da Naidoo inzwischen wirre Verschwörungstheorien und teils rechtspopulistische Phrasen drischt, verlangt die SPD eine Entfernung des Sterns.

Auch in Rastatt und Bühl gibt es Diskussionen

Eine Entscheidung steht noch aus. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch – der früher angeblich selbst von Naidoos Musik angetan war – hat eine Prüfung versprochen. Die Kommunalpolitiker sollen mitentscheiden: Bleibt der Stern oder wird der Meißel angesetzt?

Mehr zum Thema: Ärger um Namen in Bühl: Anwohner wollen weiter in Straße des Antisemiten Alban Stolz wohnen

In Bühl beschäftigt seit rund vier Jahren eine Umbenennungsdiskussion die Stadtpolitik. Im Fokus steht die Alban-Stolz-Straße, benannt nach dem katholischen Theologen und Schriftsteller, der 1808 in Bühl geboren wurde. Wie sich erst spät herausstellte, soll Stolz ein extremer Antisemit gewesen sein – weit über das seinerzeit „übliche“ Maß an Vorurteilen hinaus.

Doch die Anwohner der Straße sperren sich gegen eine Umbenennung – weil die viel banalen Ärger mit sich bringe und weil ohnehin kaum noch jemand etwas mit dem Namen Alban Stolz verbinde.

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